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TEST // REYKHOLT

TEST // REYKHOLT

Am frühen Morgen sitzt du wieder einmal entspannt auf deinem Schaukelstuhl und lauschst der Idylle um dich herum. Kein Straßenlärm, keine gestressten Stadtmenschen, nur stille Eintracht. Genauso hast du es dir immer vorgestellt, das Leben als Aussteiger am Rande der Welt. Doch auch hier auf Island kann man sich nicht einfach der Muße hingeben, sondern muss für sein Wohl hart arbeiten. Und so erhebst du dich, damit du dich um die hochgewachsenen Tomatensträucher, saftigen Pilze und knackigen Möhren kümmern kannst, welche du nach der Ernte an all die Touristen veräußern möchtest, die auch dieser Jahr wieder auf ihrer Reise extra einen Abstecher in das beschauliche Örtchen REYKHOLT machen werden.

 

infos zum spiel

Das Spiel wurde von Brettspiel-News.de gekauft. 
Auf unsere Bewertung hat das keinen Einfluss.

 

Ab ins Gewächshaus

 

Bei REYKHOLT handelt es sich um eine Mischung aus Arbeiter-Einsetzen und Rennspiel von Uwe Rosenberg, in welchem 1-4 Spieler sich als Aussteiger nach Island begeben, um dort dank Erdwärme Tomaten und andere Gemüsesorten zu kultivieren. Diese werden nach der Ernte dazu benötigt, aufeinanderfolgende Wünsche der Touristen auf einer Tafel zu erfüllen. Wer auf dieser Tafel am Ende am weitesten gekommen ist, gewinnt die Partie. Wie das Grundspiel von REYKHOLT abläuft, erfahrt ihr im folgenden Abschnitt. Der ebenfalls enthaltene Story-Modus verläuft übrigens abgesehen von szenarioabhängigen Regeländerungen genauso.

Gespielt wird über sieben Runden, welche sich in vier Phasen unterteilen.

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1. Arbeitszeit

Beginnend mit dem Startspieler, wird reihum immer ein Arbeiter auf einem Aktionsfeld platziert und die dort aufgedruckte Aktion sofort ausgeführt. Dabei ist zu beachten, dass nur Felder belegt werden dürfen, deren jeweilige Aktion auch vollständig genutzt werden kann. Somit wird verhindert, dass ein Spieler Aktionen der Mitspieler blockieren kann. Außerdem gibt es in manchen Spalten auch Aktionsfelder, auf denen Fahnen abgebildet sind. Diese Fahnen zeigen an, dass pro Runde nur ein solches Aktionsfeld belegt werden darf.

Die Aktionen selbst umfassen eine überschaubare Anzahl an Möglichkeiten, welche im Detail auf dem Spielplan erklärt sind. Gerade zu Beginn werden die Spieler beispielsweise das ein oder andere Gewächshaus bauen oder auf dem Markt verschiedenes Gemüse ergattern. Dieses kann anschließend ausgesät werden, indem auf einer Parzelle eines Gewächshauses ein Gemüse aus dem eigenen Vorrat abgelegt wird. Die übrigen Parzellen werden dann mit demselben Gemüse aus dem Vorrat aufgefüllt. Irgendwann geht es dann an die Ernte. Hier wird für gewöhnlich aus so vielen Gewächshäusern genau ein Gemüse in das eigene Lager gelegt, wie von der Aktion vorgegeben. Im Rathaus ist es möglich, sich Servicekarten zu holen, die entweder einmalige oder dauerhafte Vorteile während des Spielverlaufs bringen. Zum Ende des Spiels ist es zudem ratsam, Gewächshäuser wieder zu verkaufen. Dadurch gehen zwar alle übrigen dort angepflanzten Gemüse verloren, allerdings darf der Spieler auf der Tourismusleiste sofort eine bestimmte Zahl an Tischen vorrücken. Was es damit auf sich hat, ergibt sich noch im Folgenden.

 

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Nachdem alle Spieler ihre drei Arbeiter platziert haben, geht es mit der Erntezeit weiter.

 

2. Erntezeit

Wie auch schon in der Arbeitszeit, ist es nun erlaubt, von jedem bepflanzten Gewächshaus genau ein Gemüse in das eigene Lager zu legen. Ist damit jeder fertig, ist auch schon Tourismuszeit.

 

3. Tourismuszeit

Jetzt gilt es, die bislang gesammelten Gemüse unter die Leute zu bringen. Dafür brauchen die Spieler ihren Hofbewirtschafter, der zu Beginn ganz am Anfang einer langen Tafel steht, auf der Gemüse in verschiedenster Anzahl benötigt wird. Um auf dieser sogenannten Tourismusleiste voranzukommen, werden einfach die geforderten Gemüse wieder in den Vorrat gelegt und der Hofbewirtschafter auf den nächsten Tisch gezogen. Fehlen einem zu einem bestimmten Zeitpunkt Gemüse oder will ein Spieler diese jetzt gerade nicht abgeben, kann er sich eine Prämie auszahlen lassen. Das bedeutet, dass der Spieler die aufgedruckte Anzahl an Gemüse erhält und trotzdem mit seinem Hofbewirtschafter weiterzieht.

Wenn alle Spieler mit ihren Hofbewirtschaftern keine Schritte mehr gehen können, folgt mit der Heimkehrzeit der Abschluss der aktuellen Runde.

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4. Heimkehrzeit

Jeder Spieler nimmt seine drei Arbeiter wieder zurück. Ein neues Rundenplättchen wird aufgedeckt. Außerdem wird der Spieler links vom aktuellen Startspieler neuer Startspieler, bevor die nächste Runde beginnt.

Wie oben bereits erwähnt, ist nach sieben Runden das Spiel zu Ende. Gewonnen hat der Spieler die Partie REYKHOLT, welcher auf der Tourismusleiste am weitesten vorne liegt. Sollten zwei oder mehr Hofbewirtschafter auf dem gleichen Tisch stehen, gewinnt der vorderste.

 

Eine Kiste voller Gemüse

Das Spielmaterial von REYKHOLT findet sich in einer wunderschön illustrierten Box wieder, dessen Cover ein vom Debütanten Lukas Siegmon gezeichnetes, romantisches Gewächshaus ziert. Diese herausragende Gestaltung setzt sich auch auf dem weiteren Inhalt fort. So finden die Spieler im Innern der Box fünf kleine, deckellose Pappschachteln, welche einer Gemüsekiste nachempfunden sind. Diese beherbergen nach einfachem Zusammenbau die aus Holz gefertigten Gemüse. Der doppelseitige Spielplan und auch die kleinen Zusatztableaus sind aus stabilem Karton. Demgegenüber ist die Materialstärke der Spielkarten eher gering. Holzscheiben für die Arbeiter, an Buchseiten erinnernde Rundenplättchen und einige Zusatzplättchen für das Solospiel runden den sehr guten Eindruck ab.

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Die Anleitung punktet ebenfalls, da sie sehr gut strukturiert ist und sich daher einfach liest. Wenn vor der Erstpartie doch einmal Fragen aufkommen sollten, helfen Übersichtstabellen oder ein ausführlicheres Glossar am Ende des Regelheftes weiter. Daher waren in unserer Erstpartie keine Fragen mehr offen.

Nach einigen Partien haben wir dann das Päckchen für den Story-Modus geöffnet, welches fünf Missionen, weitere Karten für die fünf Servicekarten-Decks und Ereigniskarten enthält. Auch hier sind die zusätzlichen Regeln und Siegbedingungen bis auf wenige Ausnahmen sauber formuliert.


Als mit REYKHOLT der neue Rosenberg bei mir auf dem Tisch landete, war die Erwartungshaltung natürlich sehr groß. Immerhin ziert die Ludografie der sympathischen Autorenlegende Arbeiter-Einsetz-Klassiker wie AGRICOLA, CAVERNA oder FEST FÜR ODIN, um nur die wahrscheinlich bekanntesten zu nennen. Allerdings wird REYKHOLT dieser Vorfreude nur in Maßen gerecht, da es in Summe doch zu viele Schwächen aufweist, um auch nur im Ansatz an die oben genannten Titel heranzureichen. Nichtsdestotrotz empfehle ich es all jenen, die auf der Suche nach einsteigerfreundlichen Arbeiter-Einsetz-Spielen sind und denen es nichts ausmacht, dass das ohnehin skurrile Thema auch durch ein anderes ausgetauscht werden könnte. Warum ich das so sehe, hat mehrere Gründe.

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Zum einen ist die Mechanik, wie immer bei Uwe Rosenberg, sauber verzahnt und es macht durchaus Spaß, sich zu überlegen, wie man denn nun am besten an das Gemüse herankommt, nach dem all die Touristen gieren. Besonders gefallen haben mir die Prämien in der Tourismuszeit, weil man dank dieses Kniffs immer das Gefühl hat, voranzukommen. Leider erweist sich gerade im Spiel zu zweit die geringe Anzahl an verschiedenen Handlungsmöglichkeiten als Problem, was dazu führt, dass die dritte Aktion zumindest in dieser Konstellation meist kaum etwas bringt und somit für Frust sorgt.

Zudem wird die lineare Abfolge aus Sammeln und Abgeben bald eintönig. In diesem Fall kann der gelungene Story-Modus wenigstens zeitweise Abhilfe schaffen, indem er das Regelwerk und die Zielvorgaben mal mehr, mal weniger verändert. Nach gerade einmal fünf Kapiteln ist aber auch damit Schluss, was ich persönlich schade finde, da hier durchaus noch mehr Potential vorhanden gewesen wäre. Auch die fünf Servicekarten-Decks bringen keine allzu große Abwechslung in das Spielgeschehen. In meinen Testpartien habe ich sogar feststellen müssen, dass einige Servicekarten besonders stark sind, während andere kaum einen Mehrwert generieren. Aus diesen Gründen stufe ich den Wiederspielreiz von REYKHOLT als eher gering ein.

 

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Zum anderen überzeugt auch die Gestaltung von REYKHOLT leider nicht durchgehend. Wie schon erwähnt, die Illustrationen sind wirklich gelungen und entführen einen auf charmante Art und Weise direkt in die verträumte Welt des kleinen Dorfes auf Island. Ich würde sogar so weit gehen, es als das schönste Arbeiter-Einsetz-Spiel von Uwe Rosenberg zu bezeichnen. Ärgerlich fand ich aber, dass das Spielbrett lediglich auf der Seite für drei bis vier Spieler mit Zeichnungen versehen wurde. Diesen Platz nehmen auf der Rückseite die Felder für die Solo-Plättchen ein, was man mit einem zusätzlichen Tableau sicher auch hübscher hätte lösen können.

Ein weiteres Manko ist der sehr klein geschriebene Text der Aktionsfelder und Servicekarten. Gerade ältere Mitspieler können da schnell die Lust verlieren, da es natürlich immer einige Zeit dauert, bis die an sich gut verständliche Symbolik verinnerlicht ist. Dafür punktet REYKHOLT noch mit wertigen Holzmaterialien und den schicken Aufbewahrungsboxen, bei denen es leider versäumt wurde, einen Deckel mitzuliefern, damit das Gemüse sich beim Transport nicht in der ganzen Schachtel verteilt.

 

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Unterm Strich ist REYKHOLT also ein ordentliches Spiel, das bei mir trotz einiger Ecken und Kanten zumindest als Absacker alle paar Wochen auf dem Tisch landen wird. Zu mehr reicht es leider nicht, denn dafür fehlt mir auf die Dauer einiges an Abwechslung und Tiefgang.

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

Tags: Ressource Management, Uwe Rosenberg, Wettrennen, 1-4 Spieler, Worker Placement, Eurogame

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