Das Streben nach Glück

TEST // Das Streben nach Glück

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Du hast früher schlaflose Nächte am PC mit „Die Sims“ verbracht und suchst jetzt ein Brettspiel mit ähnlichem Thema? Das Spiel des Lebens ist dir zu altmodisch? Dann könnte DAS STREBEN NACH GLÜCK möglicherweise genau das Richtige für dich sein.

Das Spiel wurde von David Chircop und Adrian Abela in Zusammenarbeit mit Vangelis Bagiartakis entwickelt und wird dank der Spieleschmiede in Deutschland vom noch jungen Kobold-Verlag vertrieben. Das englische Original selbst stammt von Artipia Games. In einer 60-90 Minuten dauernden Partie stellen die 1-4 SpielerInnen das gesamte Leben einer fiktiven Person nach. Ziel ist es dabei, am meisten Zufriedenheit anzuhäufen und somit zu gewinnen.

Wir haben uns ein privates Exemplar näher angeschaut und sind der Frage nachgegangen, ob es sich wirklich lohnt, reale Lebenszeit in das Dasein einer Person zu investieren, die lediglich auf dem Spielbrett existiert. Viel Spaß beim Lesen.

Anleitung zum Glücklichsein

Im Grunde genommen ist DAS STREBEN NACH GLÜCK ein klassisches Arbeiter-Einsetz-Spiel, in welchem die SpielerInnen mit etwas Glück und einem guten Plan möglichst viele Siegpunkte sammeln. Diese werden im vorliegenden Fall jedoch als Zufriedenheit bezeichnet. 

Jede Partie von DAS STREBEN NACH GLÜCK geht über mindestens 6 Runden, welche die einzelnen Lebensabschnitte eines Menschen darstellen. Dabei kaufen sich die SpielerInnen Gegenstände, formen ihre Persönlichkeik, führen Aktivitäten aus, gehen zur Arbeit und verbringen Zeit mit ihren Liebsten. Zu Beginn schlagen sich die SpielerInnen einen Durchgang lang als Teenager durch die Welt, dann folgen vier Runden als Erwachsener und ehe man sich versieht, folgen schon bis zu drei abschließende Runden im Rentenalter. Wie viel Zeit die SpielerInnen in diesem letzten Stadium verbringen, hängt maßgeblich davon ab, wie viel Stress zuvor angehäuft wurde. Stress ist im Spiel eine wichtige Einheit, die nicht nur steuert, wie viel Lebenszeit ein Charakter hat, sondern auch wie viel Arbeiter pro Runde zur Verfügung stehen. Je stärker gestresst die SpielerInnen sind, desto weniger Arbeiter stehen zur Verfügung und umgekehrt. Soll das etwa als Kritik an der heutigen modernen Lebensweise aufgefasst werden? Wer weiß, wer weiß. Aber zurück zum Wesentlichen. Eine Runde, die aus drei Phasen besteht, läuft wie folgt ab:

Unterhaltsphase

P1010714Zunächst müssen Unterhaltskosten für all diejenigen Dinge gezahlt werden, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben. Das können Gegenstände oder - hoffentlich liebgewonnene - Partner sein. Auch der Job fordert seinen Tribut in Form von verschiedenen Ressourcen. Zu diesen gehören Wissen, Kreativität und Einfluss. Kann oder will ein Spieler diese Kosten nicht aufbringen, muss er die zugehörige Karte abwerfen, erhält einen Stress und wird zudem kurzfristig unglücklich. Je unglücklicher ein Charakter sich fühlt, desto mehr muss zum Erreichen seiner Ziele investiert werden. Außerdem wird über diesen Wert auch der Startspieler bestimmt, welcher ebenfalls in der Unterhaltsphase wechselt. Besitzt ein Spieler in Summe mehr als drei Ziele, Partner und Jobs, kassiert er jeweils einen Stresspunkt. Monogamie wird in DAS STREBEN NACH GLÜCK großgeschrieben, deswegen erhalten die SpielerInnen pro Affäre ebenfalls einen Stresspunkt. Durch diese beiden Effekte kann es auch vorkommen, dass SpielerInnen ab jetzt weniger Arbeiter zur Verfügung stehen. Außerdem werden in der Unterhaltsphase noch die freien Auslagefelder für die verschiedenen Karten aufgefüllt. Um diese Karten dreht sich letztlich auch die gesamte zweite Phase der Runde, die gleichzeitig auch den Hauptteil des Spiels ausmacht.

 

Aktionsphase

Mit Arbeitern können die SpielerInnen nun entweder auf dem Spielplan oder den Karten verschiedene Aktionen ausführen. Diese bringen Ressourcen, Zufriedenheit oder Glück ein und können manchmal auch Auswirkungen auf das Stressbarometer haben. Felder können nicht von MitspielerInnen blockiert werden. Allerdings müssen SpielerInnen Stress in Kauf nehmen, wenn sie selbst ein Feld mehr als einmal pro Durchgang nutzen. Karten hingegen können bedenkenlos mehrmals aktiviert werden.

  1. Spielplan

Ressourcen erhalten SpielerInnen einfach durch das Aktivieren des entsprechenden Feldes auf dem Spielplan. Mit eben jenen Ressourcen können unter anderem Aktivitäten und Gegenstände bezahlt oder Ziele gesetzt werden. Wem das alles schon zu viel ist, kann sich ausruhen und hierdurch drei Stresspunkte abbauen. Hinzu kommen als Erwachsener das Eingehen einer Beziehung mit einem Partner, die leidige Jobsuche und Überstunden. Letztere bringen den SpielerInnen weitere Arbeiter, verursachen jedoch auch Stress. Gott sei Dank ist damit aber spätestens als Rentner Schluss, denn ab da stehen Überstunden nicht mehr zur Auswahl.

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  1. Karten

Durch die Karten zu Gegenständen, Aktivitäten, Zielen, Jobs und einem Partner kann ein solides Grundgerüst aufgebaut werden, welches Stück für Stück erweitert werden kann. Dafür wird ein Arbeiter auf die entsprechende Karte gestellt und die benötigten Ressourcen abgegeben.

Durch dies kann bei den Gegenständen beispielsweise ein Regal mit Brettspielen schnell zu einem ganzen Raum voller Brettspiele werden. Das bringt zwar langfristig immer mehr Zufriedenheit, erhöht aber auch die Unterhaltskosten. Auch die eigenen Aktivitäten werden so aufgelevelt.

Das Erreichen von Zielen generiert ebenfalls Zufriedenheit und neue Ressourcen. Manchmal bauen die SpielerInnen hiermit sogar Gesundheit auf, wodurch sie auf dem Stressbarometer weiter in Richtung Tiefenentspannung rücken. Das wirkt wahre Wunder und verlängert den Lebensabend. Ziele schaffen des Weiteren eine Interaktion zwischen den SpielerInnen. Zum Beispiel kann als Gruppenziel eine Band gegründet werden. Je mehr SpielerInnen hieran teilnehmen, desto größer werden die Belohnungen am Rundenende.

Die Karriereleiter hochzuklettern kann sinnvoll sein, weil hierdurch entweder mehr Gehalt erzielt oder sich gleich in den Ruhestand verabschiedet werden kann. Allerdings ist hier Obacht angebracht, weil die Anforderungen in nachfolgenden Runden sonst schnell nicht mehr erfüllt werden können, was sogar zum Verlust des Jobs führen kann. Und das erzeugt Stress und beeinträchtig jedenfalls kurzfristig das Glück. Allerdings können die SpielerInne mit dem vielen Geld auch neue Gegenstände kaufen und so zufriedener werden.

Die Beziehung mit dem eigenen Partner zu vertiefen, bringt ebenfalls neue Rohstoffe, Glück und - nach der Gründung einer Familie - eine ganze Menge Zufriedenheit. Allerdings Zeit investiert werden, sodass in späteren Durchgängen weniger Arbeiter zum Einsetzen zur Verfügung stehen.

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Rundenende

Haben alle SpielerInnen am Tisch ihre Arbeiter aufgebraucht, ist es endlich Zeit für den Feierabend. Dieser macht sich in Form des Rundenendes bemerkbar. Nun werden die Boni für Gruppenziele ausgezahlt. Natürlich wird auch aufgeräumt, sodass mit einer neuen Unterhaltsphase begonnen werden kann.

Spielende

Stirbt nach dem Rundenende der letzte Mitspieler, ist es Zeit für die Endwertung. Zu der bis dato erhaltenen Zufriedenheit werden noch zwei weitere Quellen der Freude addiert. Einerseits handelt es sich um das Erbe, welches an die nachfolgenden Generationen gegeben wird. Für je fünf Ressourcen erhält der Spieler einen weiteren Siegpunkt. Außerdem wird überprüft, wer die zu Beginn ausgelegten Lebenswerke vollbracht hat. Dabei wird beispielsweise derjenige ausgezeichnet, der am meisten Ziele abgeschlossen hat. Nach der Verrechnung dieser Bonuspunkte wird der Spieler mit der höchsten Zufriedenheit zum Sieger gekürt.

Was die Welt im Innersten zusammenhält

Das Spiel wird in einer hübsch illustrierten Schachtel ausgeliefert. Der gesamte Zeichenstil von DAS STREBEN NACH GLÜCK hat starke Anleihen an die beliebten Computerspiele aus der „Die Sims“-Reihe. Das Cover selbst strahlt mit seiner bunten Grafik vielfältige Lebensfreude aus und liefert so einen ersten Eindruck vom Thema des Spiels. Im Inneren der Box erwartet die SpielerInnen ein bedrucktes Inlay aus Pappe, welches zwar etwas dünn geraten ist, aber ausreichend Platz für das restliche Material bietet. Dieses besteht aus dem Spielplan sowie mehreren Zip-Beuteln, welche die sanduhrförmigen Spielfiguren, Karten und Marker beherbergen. Der gesamte Inhalt überzeugt qualitativ weitestgehend. Die Karten, welche das Herzstück des Spiels bilden, habe eine angenehme Dicke, woraus eine gute Handhabung und Langlebigkeit resultiert. Das Gleiche gilt auch für den Spielplan. Negativ fiel hingegen die unsaubere Verarbeitung der Arbeiter auf, bei denen das Holz an vielen Stellen noch nicht gut geschliffen war. Bei den Markern sind zudem die 1er und 5er teilweise schwer voneinander zu unterscheiden. Die Symbolik des Spiels ist gelungen, da sie einfach und übersichtlich gehalten ist. Zu bemängeln ist allerdings, dass die Symbole auf den Karten ein wenig klein geraten sind, wodurch gerade bei höheren Spielerzahlen schnell der Überblick verloren gehen kann.

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Tags: Strategie, Solospiel, Worker Placement, 1-4 Spieler, Simulation, 60-90 Minuten, Karten draften

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