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TEST // HEAVEN & ALE - DER BIERKUTSCHER

TEST // HEAVEN & ALE - DER BIERKUTSCHER

Ein einsamer Pferdekarren voller Bierfässer zuckelt über die Lande einer bayrischen Provinz. Der gute Ruf der Klosterbrauerei hat sich bereits verbreitet. Schankwirte von entfernten Wirtschaften haben von der Qualität des Gerstensaftes gehört und bestellen Fass um Fass des köstlichen Gebräus. Immer mehr davon werden auf den Karren geladen, der Runde um Runde seinen Weg zu den Theken sucht.

 

infos zum spiel

Wir haben HEAVEN & ALE - DER BIERKUTSCHER mit einem Presserabatt von PEGASUS gekauft.
Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

 

Thema

 

Das Thema des Grundspiels ist mit HEAVEN & ALE – DER BIERKUTSCHER erweitert worden, so dass die Spieler nun ihr Bier nicht nur in hoher Qualität brauen, sondern es zusätzlich noch an die Wirtschaften der weiteren Umgebung transportieren müssen. Die Scheunen des Grundspiels werden dafür als Lagerplätze gebraucht. Aus ihnen wird der Karren beladen, der einen Rundkurs abfährt und dabei Fässer von der Klosterbrauerei zu den Wirtschaften bringt.

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Hoch auf dem gelben Wagen (Spielablauf)

 

Der grundsätzliche Spielablauf ist gleichgeblieben. Wer an der Reihe ist, setzt seine Spielfigur auf dem Aktionsrondell beliebig viele Felder voran und führt dort eine oder mehr Aktionen aus.

DER BIERKUTSCHER erweitert zuerst einmal den Rundenaufbau um das Verteilen eines sechsseitigen Würfels, vier Bierfässern und vier Heuballen auf dem Aktionsrondell. Dieses zusätzliche Spielmaterial gibt den Spielern drei weitere Aktionsmöglichkeiten:

  1. Ein Bierfass kann als Aktion eingesammelt und in ein eigenes Lager gelegt werden.
  2. Auch der Heuballen wird einfach vom Aktionsfeld genommen und eingelagert.
  3. Die dritte Möglichkeit bietet der sechsseitige Würfel. Wer diesen nutzt, schickt seinen Karren auf dem eigenen Liefer-Spielplan dem Würfelwert entsprechend viele Felder voran.

Falls der Karren das erste der abgebildeten Tore passiert, belädt der Spieler ihn aus dem eigenen Lager mit Fässern und bezahlt jedes mit einem Heuballen. Passiert der Karren das zweite, dritte oder vierte Tor des Rundkurses, werden die geladenen Fässer an die jeweils angrenzende Wirtschaft geliefert. Gelieferte Bierfässer sind bei Spielende Siegpunkte wert.

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Die Scheunen des Grundspiels wurden für die Erweiterung etwas modifiziert.

Ein Spieler der eine Scheune errichtet, erhält zusätzlich ein Bonusplättchen. Dieses erlaubt zum Beispiel zusätzliche Schritte mit dem Karren, erhöht den Siegpunktmultiplikator eines der Wirtshäuser oder erweitert die eigene Lagerkapazität von anfänglich vier, auf maximal elf lagerbare Fässer bzw. Heuballen.

Die Aktionsmöglichkeiten des Grundspiels bleiben weiterhin bestehen und können ebenfalls genutzt werden.

 

Ordentlich geliefert (Spielziel)

 

Wie der Spielablauf hat sich auch das grundsätzliche Spielziel nicht geändert: Der Spieler mit den meisten Siegpunkten gewinnt die Partie! DER BIERKUTSCHER gewährt aber zusätzliche Siegpunkte für das Ausliefern der Fässer auf dem eigenen Liefer-Spielplan. Auch ein zusätzliches Wertungsfass, welches Lieferungen verlangt, ist in der Erweiterung enthalten.

 

Genuss für Leib und Seele (Spielmaterial)

 

Die Qualität des Spielmaterials entspricht genau der des Grundspiels. Enthalten sind 30 Plättchen, 52 Holzressourcen, 1 Standard W6 Holzwürfel, 4 zusammensteckbare Papp-Fuhrwerke und 4 Lieferspielpläne, einen für jeden Spieler. Leider sind die Fuhrwerke etwas zu groß für die Felder des Lieferplans geraten. Sie können aber auch nicht viel kleiner dimensioniert werden, da sonst die Fässer nicht mehr darauf passen würden.

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Die Anleitung ist übersichtlich und führt das neue Material sowie die Regeln unkompliziert ein. Im Gegensatz zum Grundspiel wird der Leser wieder in der männlichen „Spieler“-, statt der weiblichen „Spielerinnen“-Form angesprochen. Das komplette Material passt ohne Probleme in die Schachtel des Grundspiels, so dass die Erweiterungsbox nicht zwingend benötigt wird.


Ich bin im Allgemeinen ein großer Fan, wenn gute Spiele mit Erweiterungen ergänzt werden. Ich bin auch immer vorne mit dabei, diese zu kaufen und auszuprobieren.

In den allermeisten Fällen wird das Grundspiel einfach nur mit mehr Material erweitert, ohne dass dabei das ursprüngliche Spielgefühl verändert wird. Seltener sind Erweiterungen, die das Spiel tatsächlich bereichern, es teilweise sogar zu einem besseren Spiel machen. Leider gibt es aber auch die dritte Möglichkeit, bei der eine Erweiterung das Grundspiel verschlechtert. HEAVEN & ALE – DER BIERKUTSCHER ist eine dieser Erweiterungen, die bei mir gefloppt ist.

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In der Rezension des Grundspiels hatte ich schon angemerkt, dass am Spielziel „Bier brauen“ vorbei gespielt und dennoch gewonnen werden kann. DER BIERKUTSCHER verstärkt dies ungemein, denn die Bierfasslieferungen können bei geschickter Spielweise mehr wert sein, als durch die Grundmechanik überhaupt herauszuholen ist.

Natürlich können und sollten sich alle Spieler daran beteiligen, Fässer zu liefern, um so die Punkte gerecht untereinander aufzuteilen. Oftmals sind aber gerade andere Dinge wichtiger, als dem nachfolgenden Spieler die Ressourcen wegzunehmen.

So ist in meinen Partien eine Extremstrategie aufgetaucht, die ich auch nach erneuter Regellektüre nicht ausschließen kann. Mit wenigen, billigen Plättchen und dem Bau von zwei Scheunen wird einem Spieler ermöglicht, sich für die restliche Partie nur noch auf Heuballen, Fässer und vor allem den Würfel zu konzentrieren. Mit den zusätzlichen Aktionen auf den Feldern, auf denen die beiden Ressourcenarten liegen, werden die Aktionen des Grundspiels nebenbei genutzt und so zusätzliche Punkte generiert. Der Hauptanteil der Punkte wird aber durch die Lieferung von Fässern gemacht.

Eine Erweiterung, die spürbar ins Spiel eingreift, finde ich prinzipiell in Ordnung. In meinen Augen ergänzt DER BIERKUTSCHER das Spiel aber nicht, sondern ersetzt es durch ein völlig anderes, ein schlechteres Spiel. Vom Bier brauen bleibt mit der Erweiterung gar keine Spur mehr übrig!

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Mein zweiter Kritikpunkt ist das schlecht umgesetzte Thema!

Vielleicht wird pro transportiertem Fass ein zusätzliches Pferd benötigt. Das würde zumindest die Kosten von einem Heu pro Fass erklären. Einen Würfel, der die unterschiedliche Reichweite des Karrens pro Aktion vorgibt, kann ich mir aber nicht erklären. Ebenso wenig wie das Bier, das bereits vor dem Brauen ausgeliefert werden kann!

Die zunehmende Unübersichtlichkeit des Spielplans durch Fässer, Heuballen und Würfel sowie den erhöhten Aufwand beim Rundenaufbau empfinde ich ebenfalls negativ. Zwar ist dies der schwächste Kritikpunkt, weil den Spielern dafür zusätzliche Optionen geboten werden. Ich finde allerdings nicht, dass diese den Mehraufwand rechtfertigen.

HEAVEN & ALE ist auf meinem Spieltisch weiterhin willkommen. Seinen Kumpel, den BIERKUTSCHER, soll es aber zu Hause lassen.

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

Tags: Ressourcenmanagement, Enginebuilder, Workerplacement, Kennerspiel, Erweiterung, 60-90 Minuten, 2-4 Spieler, Eurogame

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