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TEST // WORLD IN FLAMES

TEST // WORLD IN FLAMES - Fazit + Wertung + Bilder vom Spiel

Vorweg muss gesagt werden, dass es sich bei WIF meiner Meinung nach nicht um ein Brettspiel handelt, sondern „ultrarealistischer Kriegssimulator“ den Kern viel besser trifft. WIF ist kein Spiel, dass „mal eben“ rausgeholt wird, um es mit Freunden an einem gemütlichen Abend zu spielen. WIF ist so allumfassend, dass es ein eigenes Hobby rund um dieses eine Spiel ins Leben gerufen hat. Der Begriff „komplex“ umfasst WIF nicht mal ansatzweise.

Normalerweise werden unsere Reviews so aufgebaut, dass der Leser sich eine Vorstellung über einen Spielerzug und den Spielverlauf bilden kann. WIF hat mir diese Darstellung unmöglich gemacht, weshalb ich es nur grob erklärt habe. Beispiele für seine Komplexität finden sich bereits beim Betrachten des Spielmaterials. Token sind überall! Manche auf Häufchen, manche nicht. Flieger, Schiffe, Infanterie. Alle winzig klein über das gesamte Spielfeld verteilt und fundamental wichtig. Wenn ein Token verloren geht, hat die Fraktion schon große Nachteile, da es beispielsweise wichtige, einzigartige HQ-Einheiten hätten sein können. Kleine Fraktionen bestehen zudem teilweise nur aus einem oder zwei Token, die aus dem Haufen von 1600 Token herausgesucht werden müssen. Organisation ist damit der absolute Schlüssel in diesem Chaos. Jede Fraktion sollte auf ihre Jahresangaben unterteilt und in Beuteln oder Trays archiviert werden, ansonsten ist ein Spieldurchlauf von WIF bereits hier unmöglich. Um euch eine kleine Ahnung über eine solche Sortierung zu geben: Mich hat es ca. 5 Stunden gekostet, alle Token richtig zu sortieren! (Hab extra die Zeit gestoppt.)

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Bei jedem Spieldurchlauf muss diese Sortierung dann noch in Einheiten umsortiert werden, wodurch der Aufbau einer jeder Fraktion ca. 30 Minuten in Anspruch nimmt und der Aufbau des Spiels damit gut und gerne 1,5 bis 2 Stunden betragen kann. Natürlich wird der Zeitaufwand weniger, je häufiger dieser Prozess durchlebt wird, aber dennoch sollte das im Hinterkopf sein.

Die Token sind ebenfalls einer der großen Schwachpunkte des Spiels. Nicht nur das Sortieren oder das Verlieren der Token machen Probleme, sondern auch der Einsatz. Sie werden auf Territorien gestapelt, wodurch sie stetig angehoben werden müssen, um zu prüfen, welche Einheiten sich in diesem Stapel befinden. Dabei kommt es vor, dass Haufen umfallen und damit andere Haufen mit sich reißen. Das Rekonstruieren ist dann schlecht bis unmöglich. Im Internet lassen sich aus diesem Grund einige Spieler finden, die aus diesem Grund nur mit großen Pinzetten spielen, um so vorsichtig und genau wie möglich zu agieren.

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In WIF dreht sich zudem alles um Tabellen. Selbst manche Tabellen haben Tabellen, die wiederum von Tabellen erklärt werden (kein Scherz). Im Großen und Ganzen ist das für Veteranen, die sich bereits zurechtfinden, kein Problem, jedoch zeigt der Spielerreferenzbogen nur die wichtigsten 15 Tabellen an, während die Tabellen, die insbesondere für den Anfang relevant sind, kreuz und quer im Regelbuch verteilt sind. Das führt dazu, dass WIF unfassbar steile Einstiegshürden besitzt. Das Durcharbeiten des Regelbuchs fühlte sich eher wie ein Studienseminar bei einem Professor an, der seine Vorlesungen grundsätzlich auf Altgriechisch hält, weil er meint, dass man das ja eh beherrschen sollte. Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, dass jeder, der sich in die Nähe von WIF begibt, sich vollkommen im Klaren sein sollte, auf was er sich einlässt. Mein Problem beim Testen war, dass es für mich unmöglich war, alle Regeln beieinander zu halten und das nicht zuletzt, weil jedes kleine Detail in diesem Spiel eine eigene Regel besitzt.

Genau das alles macht WIF aber auch aus. WIF ist kein Spiel für die große Masse. WIF ist nicht dazu gedacht, kurz die Regeln zu lesen und dann mit Freunden zu spielen. WIF lebt von einem langsamen Lernprozess über viele Monate und Jahre hinweg, in denen sich der Spieler immer wieder mit WIF beschäftigt. Aus diesem Grund besitzt WIF eine große Veranlagung zum Solospiel. Leider ist hier aber großes Potential verschenkt worden, da es keine KI für die Nicht-Spieler-Fraktionen gibt, sondern der Spieler alle Einheiten einer jeden Fraktion selbst lenken muss.

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Insbesondere für die historischen Simulation der Geschehnisse im Zweiten Weltkrieg eignet sich WIF wie kein anderes Spiel. Warum war es sinnvoll im Krieg so zu agieren, wie die Fraktionen es getan haben? Welche Rollen spielten Senegal, Irak, Iran, Saudi Arabien, Brasilien oder Indo-China (alles Teilfraktionen, die im Spiel vorhanden sind) im Krieg? Zudem gibt es kaum ein Spiel, dass auch in seinem Umfang so allumfassend ist. Sobald das gesamte Spielfeld aufgebaut ist, benötigt man nicht nur ungefähr drei Esstische, um alles zu fassen, sondern auch mehrere hundert Stunden, um ein Spiel zu beenden.

Wenn sich ein Spieler für diese Thematik interessiert und eine Beschäftigung bis zum Lebensende sucht, könnte WIF das erfüllen, da eigentlich keine anderen Spiele neben WIF mehr notwendig sein würden. Die Optionen des Spiels ermöglichen es, das Spiel permanent zu erweitern, was eine stetige Steigerung der Komplexität mit sich bringt. Aus diesem Grund verstehe ich auch den Reiz dieses Spiels. Sobald die Regeln nach vielen, vielen Stunden endlich durchgearbeitet sind und das System verinnerlicht wurde, verliert das Spiel etwas an seinem Schrecken. Insbesondere Spieler, die sich gerne in hochkomplexe Strukturen werfen, haben hier definitiv Spaß (ich habe noch nie ein komplexeres System auf dem Tisch gehabt). Wenn ich ehrlich bin, hätte ich persönlich des Öfteren vor diesem Spiel und seiner Komplexität kapituliert, hätte ich es nicht präsentieren müssen.

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Im Nachhinein muss ich aber sagen, dass ich die Arbeit mit dem Spiel doch irgendwie genossen habe, da es doch schon ein Erlebnis ist, ein solches Werk spielen zu können. Jetzt, da ich die Regeln im groben verinnerlicht habe, stehen mir auch die Türen offen, mich tiefer in die Höhle zu begeben und der Reiz ist definitiv da.

Unsere Bewertung von WIF ist daher zunächst als Ersteindruckswertung zu verstehen, die sich in Zukunft definitiv verändern kann, sobald mehr dieses Monsters ergründet werden konnte.

Falls es euch also zu einfach wird, alle Vital Lacerda-Spiele zeitgleich zu spielen und ihr euch deshalb endlich mal eine richtige Herausforderung wünscht, dann ist WIF vielleicht ein Spiel, dass euer Interesse wecken könnte. Andere Spieler, die sich gerne dem Brettspiel-Hobby widmen und nicht die Zeit/Lust/Ausdauer haben ein neues Hobby anzufangen, dass sich ausschließlich um ein einzelnes Spiel dreht, sollten hier aber nur aus der Ferne zuschauen, da auch der UVP des Spiels nicht zu einem Spontankauf einlädt.

 

Wertung zum spiel

 

Bilder vom Spiel

Tags: Kampfstrategie, 1-6 Spieler, Storytelling, Kampagne, Zweiter Weltkrieg

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