TEST // RETTET DIE EISBÄREN

TEST // RETTET DIE EISBÄREN

Die Arktis schrumpft, die Gletscher schmelzen. Und irgendwo da draußen sind Eisbären auf immer kleiner werdenden Eisschollen gefangen. Aber es reicht nicht, diese bedrohten Tiere einfach nur aus ihrer Misere zu befreien, wir müssen auch dafür sorgen, dass die Regierung ihre Energiepolitik ändert. Glücklicherweise sind wir alle gut ausgebildete Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und müssen zudem wichtige Daten sammeln, um unsere Forderungen untermauern zu können. Nachhaltigkeit heißt das Zauberwort. Macht die Schiffe startklar und RETTET DIE EISBÄREN!

 

infos zum spiel

Der KOBOLD SPIELEVERLAG hat uns RETTET DIE EISBÄREN freundlicherweise für eine Rezension zur Verfügung gestellt.
Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

 

Eis und Bären

 

1 bis 4 Personen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die Eisbären zu retten. Nicht nur akut vor dem Ertrinken, sondern die ganze Spezies durch weitgreifende Maßnahmen. Sie müssen Daten sammeln, um politische Änderungen herbeizuführen. Das Problem: Das Eis schmilzt bereits und die Eisbären sind auf Eisschollen gefangen. Es gilt also zusätzlich, zu verhindern, dass Eisbären ertrinken.

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Auf dem modularen Board aus Hexfeldern (das ein wenig an DIE SIEDLER VON CATAN erinnert) befinden sich Eisschollen, Wasser und ein paar hilfreiche Bojen. Jede der 20 Eisschollen hat eine Nummer. Je höher die Zahl, desto mehr Eisbären befinden sich zu Beginn des Spiels auf dem Feld.

In jedem Zug wird ein Warnmarker gezogen. Dieser zeigt eine Zahl, die zwei Dinge angibt: Die Eisscholle, die als nächstes schmilzt und gleichzeitig auch die Temperatur, bei der sie das tut. Dieser Warnmarker wird auf die Temperaturleiste gelegt und die entsprechende Scholle bekommt den Schmelz-Marker als Erinnerung an die Spielenden, dass hier Handlungsbedarf bestehen könnte.

Die Spielenden verfügen jeweils über eines von fünf Forschungsschiffen, die allesamt unterschiedliche Eigenschaften haben: Geschwindigkeit, Ladekapazität, um Eisbären zu transportieren, Upgrade-Möglichkeiten und Spezialfähigkeiten. So kann die „Arktos“ schneller Eisbären verladen, die „Eisvogel“ kann zusätzlich Daten generieren und die „Winddrache“ hat Upgrades für zusätzliche Aktionen.

Während ihres Zuges haben die Spielenden normalerweise drei Aktionsmarker. Pro Aktionsmarker können sie:

  • sich bewegen: Die Geschwindigkeit gibt an, wie viele Felder sie sich bewegen können.
  • einladen: Entweder 1 Eisbären oder 1 Datenpaket von einem angrenzenden Feld. Beenden die Spielenden ihre Bewegung auf einem Feld mit einem Datenpaket, wird es direkt eingesammelt.
  • ausladen: Auf einem der beiden Stützpunkte können mit einer Aktion alle verladenen Eisbären ausgeladen werden.
  • Eis brechen: Die Schiffe der Spielenden können sich natürlich nur auf Wasserflächen bewegen. Daher kann es sein, dass die Spielenden Eis brechen müssen, um beispielsweise rechtzeitig zu Eisbären zu gelangen. Dabei wird die Scholle entfernt und die Temperatur um 2 Grad gesenkt. Dies ist eine Aktion, die nur sehr vorsichtig eingesetzt werden sollte, da mit jeder Eisscholle natürlich auch der Lebensraum der Eisbären weniger wird.

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Aktionen können auch mehrfach ausgeführt werden. Wird eine Bewegung auf einem Bojen-Feld beendet, bekommt der Spielende eine Hilfskarte, welche sofort abgehandelt werden muss. Hilfskarten haben mächtige und einmalige Effekte und können beispielsweise Warnmarker dauerhaft aufdecken (sodass die Eisschmelze geplant werden kann), die Temperatur senken oder den Spielenden zusätzliche Aktionen bescheren. Danach wird die Boje entfernt.

Wenn wird ein Datenpaket aufgesammelt haben, wird eine neue Koordinatenkarte gezogen und auf dem entsprechenden Feld ein neues Datenpaket abgelegt. Somit ist immer mindestens ein Datenpaket auf dem Spielbrett.

Nach drei Datenpaketen wird ein Upgrade für die Spielenden freigeschaltet. Dabei muss aber nicht unbedingt das Schiff aufgewertet werden, mit dem das Datenpaket aufgesammelt wurde.

Hat eine Person alle ihre Aktionen abgehandelt, werden die beiden Würfel geworfen:

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Zuerst der blaue 20-seitige Würfel, der angibt, auf welchem Feld sich Eisbären vermehren. Dabei gibt es bestimmte Regeln (für die es praktischerweise aber Spielerhilfen gibt):

  1. Befindet sich ein Eisbärenpaar (Papa-Bär und Mama-Bär) auf der Scholle? Dann entstehen dort zwei Eisbärenjunge.
  2. Ist dort kein Eisbärenpaar, aber mindestens ein Bärenjunges? Dann werden alle erwachsen.
  3. Sind auf der Eisscholle kein Eisbärenpaar und keine Bärenjungen oder ist die Eisscholle bereits geschmolzen, steigt die Temperatur im nächsten Schritt um ein Grad mehr an.

Als nächstes wird der rote, 6-seitige Temperaturwürfel geworfen. Er gibt an, um wie viel Grad die Temperatur ansteigt. Landet der Temperaturmarker auf dem Warnmarker auf der Temperaturleiste oder überschreitet diesen, schmilzt die Eisscholle.

Das bedeutet aber nicht, dass alle Eisbären direkt ins Wasser fallen. Denn die Eisbären versuchen natürlich, sich auf angrenzende Eisschollen zu retten. Jede Eisscholle fasst bis zu vier Eisbären, egal welchen Alters. Auch, wenn bei der Vermehrung mehr als vier Eisbären auf einer Eisscholle entstehen würden, müssten die neuen Eisbären auf angrenzende Schollen ausweichen.

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Sind alle umliegenden Eisschollen bereits voll, haben die Spielenden noch ein letztes Ass im Ärmel: Sie verfügen über 6 Hubschraubereinsätze, mit denen sie Eisbären im letzten Moment retten können.

Wenn allerdings auch nur ein Eisbär ertrinkt, verlieren die Spielenden. Sie gewinnen, wenn sie genügend Daten gesammelt haben.

 

Alles passt in den Laderaum

 

RETTET DIE EISBÄREN punktet mit schönem, sehr stimmigem Material. Herausragend sind die absolut niedlichen Eisbären, die fast schon ein bisschen an Marshmellows oder Joghurt-Weingummis erinnern. Die Papp-Schiffe der Spielenden müssen einmal zusammengesteckt werden, sind dann aber sehr stabil und sorgen so ebenfalls für eine tolle Tischpräsenz. Die Karten sind von ordentlicher Qualität, Spielfelder und Spielbrett sind ebenfalls hochwertig.

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Die Anleitung ist großformatig und bebildert, aber dennoch kurz und gut strukturiert. Sie erklärt sowohl den Spielaufbau als auch den Spielfluss sehr einfach. Die Spielerhilfen, sowohl für die Spezialfähigkeiten der Schiffe als auch für die Vermehrung sind ausgesprochen nützlich. Die Auflistung aller Hilfskarten fand ich persönlich dagegen eher unnötig.

Das Inlay ist ausreichend. Besonders der Einschub für die Schiffe und die Aussparungen für die Schifftableaus und die Spielfelder fallen positiv auf. Das große Fach bietet auch ausreichend Platz für das übrige Material. Hier fehlen aber ganz klar ein paar Tütchen, sonst droht ein riesiges Chaos aus unterschiedlichen Markern und Eisbären.


RETTET DIE EISBÄREN ist ein wirklich schönes, kooperatives Familienspiel, ganz im Sinne von PANDEMIE und besonders von FLASHPOINT. Es ist schnell erklärt und punktet mit schönem Material.

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Die Mechaniken sind solide und gut durchdacht. Die Schiffe spielen sich sehr unterschiedlich. Dadurch, dass es ein Schiff mehr gibt, als für das maximale Spielende benötigt wird, entsteht, zusammen mit dem modularen Spielfeld, ein gewisser Wiederspielwert. Leider hält sich dieser aber doch etwas in Grenzen. Ich beispielsweise hätte mir mehr unterschiedliche Hilfskarten gewünscht, sodass man nicht nach zwei Spielrunden schon alles an Material gesehen haben kann.

Einerseits ist es clever, dass auf den höher nummerierten Eisschollen mehr Eisbären starten. So hat man Zeit, um Lösungen zu suchen. Andererseits beeinflusst die Modularität des Spielbretts auch den Schwierigkeitsgrad sehr stark. Da die Warnmarker meist zufällig gezogen werden, ist der Spannungsbogen des Spiels sehr unterschiedlich.

In einigen Runden kann es vorkommen, dass schon am Anfang absolute Hektik entsteht, wenn in zwei, drei Züge unpassende Warnmarker gezogen werden. Dafür könnte sich dann aber gegen Mitte des Spiels zeigen, dass die Spielenden alles gut unter Kontrolle haben. Eine kontinuierliche Herausforderung hat man eher selten.

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Das alles stört bei einem solchen Familienspiel aber kaum (wie auch DIE SIEDLER VON CATAN gezeigt hat, bei dem solche Probleme auch auftreten können). In gewisser Hinsicht steigert das auch den Wiederspielwert, da sich die Runden unterschiedlich anfühlen.

Ein Problem habe ich mit dem Spiel dennoch: das Thema. Es ist an sich sehr schön und unverbraucht. Leider ist es meiner Meinung nach nicht immer stimmig umgesetzt. Das Spiel heißt RETTET DIE EISBÄREN, nicht „Sammelt die Daten“. Es kann durchaus vorkommen, dass zu Ende des Spiels Sätze fallen wie „Vergiss die Eisbären auf der Scholle da, wir haben ja noch Hubschrauber. Sammle lieber die Daten ein.“ Das fühlt sich für mich irgendwie nicht richtig an. Das ist aber subjektiv, die Datensammlung wird ja thematisch auch begründet.

Der viel größere thematische Bruch ist aber, dass die Vermehrung der Eisbären ein negativer Faktor ist. Eisbären werden von den Spielenden bewusst oft so platziert, dass sie sich nicht vermehren können. Als ich eine Runde mit Kindern gespielt habe und ein Mädchen nach einem Wurf des blauen Würfels ausgerufen hat: „Oh nein, die Eisbären kriegen Babys!“, da wusste ich, das sollte so eigentlich nicht sein.

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Auch das kann man begründen: „Die Eisbären sind ja gerade in Gefahr, das ist für Babys der ungünstigste Zeitpunkt. Besser ist es doch, wenn die Eisbären in unserem Stützpunkt, in Sicherheit, ihre Babys kriegen.“ Trotzdem ist es für mich irgendwie ein Bruch, prinzipiell sollte es ein positives Ereignis sein, wenn sich eine bedrohte Spezies fortpflanzt.

Das ist aber „Meckern auf hohem Niveau“. RETTET DIE EISBÄREN ist ein sehr schön produziertes Familienspiel. Vielspieler wird es vermutlich aber nicht allzu lange bei der Stange halten, für eine Partie mit Kindern ist es aber immer gut. 50 Euro finde ich für dieses Spiel jedoch zu viel.

 

Wertung zum spiel

 

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