TEST // NEMESIS

TEST // NEMESIS - Fazit + Wertung + Bilder vom Spiel

NEMESIS ist eins der emotionsreichsten Brettspiele, die ich jemals gespielt habe. Der erste Schritt aus dem Kryonatorium heraus setzt eine Kaskade schrecklicher Ereignisse in Gang. Diese totale Unsicherheit vom Anfang bis zur letzten Hoffnung am Spielende ist durchzogen mit erstklassiger Spielunterhaltung. Während des Spiels herrscht ein erdrückendes Gefühl von Furcht vor dem nächsten Raum, dem nächsten Ereignis, der nächsten Begegnung.

 

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Das Horrorsetting wurde spielmechanisch hervorragend umgesetzt. Das Leben jedes einzelnen Spielers hängt permanent am seidenen Faden. Jede Xenobegegnung kann das Ende bedeuten, nachdem sich der Charakter schon blutverschmiert mit zwei schweren Wunden vom Cockpit zu den Triebwerken geschlichen hat, um zu kontrollieren, ob ihn nicht jemand angelogen hat, als versichert wurde, die Triebwerke seien intakt.

Einmal fehlen die richtigen Karten, um die Tür hinter sich zu schließen und einen gefährlichen Jäger von sich abzuschneiden, oder einen Raum zu reparieren, dessen Funktion gerade gebraucht wird. Um aus solchen Situationen zu entkommen, können sich die Spieler absprechen und kooperativ spielen, doch ich habe noch kein anderes Spiel erlebt, das einem so viele und so gute Möglichkeiten bietet, jemandem den Dolch in den Rücken zu stoßen.

 

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An dieser Stelle eine kleine Anekdote: Ein Freund von mir erzählte von seiner Erfahrung mit diesem Spiel. Er und seine Freundin waren die letzten Überlebenden und sie haben sich abgesprochen, um die Fluchtkapseln zu erreichen. Nun entschied er sich doch dafür, ihr im letzten Moment einen Xeno auf den Hals zu hetzten, sie zu töten und alleine zu entkommen. Diese Entscheidung wirkte allerdings noch nach, als die Spielschachtel schon wieder geschlossen war, denn für sie war dies ein schwerer Vertrauensbruch.

Ähnliche Erfahrungen habe ich ebenfalls gemacht. Das Nachwirken des Gefühls eines Vertrauensbruchs hängt damit zusammen, dass dieses Spiel einen in seine Welt zieht. Genau das soll ein Dungeon Crawler ja auch tun. Einem das Gefühl vermitteln, man sei dieser Charakter auf diesem Raumschiff. Und genau das tut NEMESIS. Es ist kein besonders strategisches Spiel. Hier und da muss einmal abgewogen werden, welche Karte jetzt für welche Aktion eingesetzt wird, welcher Weg wohl der sicherste ist, aber die meiste Zeit hängt der Ausgang einer Situation von Zufälligkeiten und dem Verhalten der anderen Spieler ab, was dafür sorgt, dass ich mich nicht mit einer taktischen Analyse à la Eurogame beschäftige, sondern den Moment auf mich wirken lasse. Genau das sorgt für die Spannung in diesem Horror-Thriller aus Resin und Pappe.

 

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Was allerdings sauer aufstößt, ist die Möglichkeit, dass ein Spieler schon im zweiten Zug ausscheidet, während der Rest der Runde noch Stunden weiterspielt. Dies ist einerseits kritisch zu bewerten, da es nicht gerade zum Spielspaß beiträgt, passiv zuzuschauen, andererseits erhöht es den Druck, nicht zu sterben und macht dadurch jede Entscheidung schwerwiegender. Wer als erstes stirbt, hat noch den Trost, als Xenospieler weitermachen und noch am Spiel teilnehmen zu können, wer später ablebt, kann nur noch danebensitzen. Wegen der vielen Zufallsereignisse ist es auch oft einfach Pech, wenn der erste Raum betreten wird und die Königin reißt einem den Kopf ab. Das kann frustrieren. Neben der Player Elimination stört natürlich auch die schwer zugängliche Anleitung.

Insgesamt ist NEMESIS einfach ein Hammer seines Genres. Wer Dungeon Crawler mag oder Science Fiction- und Horrorthematiken, der kommt hier voll auf seine Kosten. Ein atmosphärisches und packendes Spiel, das ich nur empfehlen kann. Und ja, es ist quasi Alien – Das Spiel!

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

 

Tags: Dungeon-Crawler, Science Fiction, 1-5 Spieler, 90-180 Minuten

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