
Great Western Trail: El Paso – Andere Länder, andere Kühe (Ersteindruck)
Auf der Spiel Doch 2025 in Dortmund hatten wir neben vielen anderen Neuheiten auch die Möglichkeit den neusten Ableger aus der Great Western Trail – Reihe von Lookout Games am Asmodee-Stand anzuspielen: El Paso. Für den als kleinen Bruder der Neo-Klassiker-Serie angepriesenen Ableger arbeitet der Designer des Originals, Alexander Pfister (auch Broom Service & Maracaibo), diesmal mit Johannes Krenner zusammen, der seines Zeichens vor allem mit der Challengers-Reihe auf sich aufmerksam machte. In Szene gesetzt wird das Spiel von Veteran Chris Quilliams, der bereits an Hits wie Pandemic, Azul oder Carcassone mitgewirkt hat.
Über das Spiel
In einer verkürzten Runde mit vier Spielern (die Runde endete, nachdem El Paso bereits das zwölfte statt zwanzigste Mal passiert wurde) versuchen wir GWT-typisch unsere Rinder zu züchten und unter das Volk zu bringen. Hierzu nutzen wir die frisch eingeweihte Eisenbahn-Strecke in Texas, um die verschiedenen Ortschaften rund um El Paso reihum abzuklappern und deren Vorzüge als Aktionen wahrzunehmen. Hierzu gehören neben dem Verkaufen unserer Rinder (und dem damit verbunden Abwerfen der dazugehörigen Handkarte in den Ablagestapel) auch das Anwerben von Mitarbeitern, das Bauen von Gebäuden entlang der Bahnstrecke, der Kauf neuer Kühe oder auch der Qualifizierung unserer Unternehmung.
Ziel ist es, für Eurogames typische Siegpunkte zu sammeln. Neben den oben genannten Aktionen birgt vor allem die große Rinderschau in El Paso Chancen auf den großen Wurf – hier können sowohl Siegpunkte eingeheimst, aber auch neue Fähigkeiten auf dem persönlichen Playerboard freigeschaltet werden. Grundlage für eine gute Wertung sind möglichst diverse Handkarten mit teuren Huftieren, die wir in typischer Deckbuilding-Manier erwerben and abwerfen. Teil unseres Kartendecks sind aber auch die Mitarbeiter, bestehend aus Cowboys (benötigt zum Erwerb der Rinder), Baumeisterinnen (zum Errichten und Erweitern unserer Gebäude) sowie Ingenieuren, mit denen wir die Vorzüge des Zuges (z.B. das Aufdecken neuer Ziel- und Bonusplättchen) zu unseren Gunsten nutzen können.
Bei jedem unserer Züge haben wir die Wahl, uns zwischen 1 – 3 Stationen weiter zu bewegen, wobei wir anhand von Zusatzplättchen auch die Option haben, diese Anzahl zu manipulieren. Jeder Halt birgt einige Boni, doch es gilt die Balance zu finden, doch zeitnah wieder El Paso für die große Wertung zu erreichen. Da hilft es nicht, wenn unsere Konkurrenten wichtige Haltepunkt der Bahn entlang der Strecke aufkaufen, um ihre eigenen Immobilien zu platzieren – hier dürfen wir nämlich ausschließlich die Hilfsaktionen unseres Spielertableaus auslösen. Sobald wir die namensgebende Stadt jedoch erreichen, müssen wir halten, uns bewerten lassen und ggfs. das Spielende auslösen.
Mein erster Eindruck
Ich habe es bisher geschafft, in meinem ganzen Leben noch keinen Great Western Trail – Teil zu spielen, entsprechend finde ich das Thema in der Form spannend und ansprechend – wer bitte mag denn keine Cowboys und den Wilden Westen? Die Melange aus Deck Building, Engine Building light und den Set Collection Elementen ist ansprechend und bietet vor allem verschiedene strategische Möglichkeiten zur Siegpunktesammlung. Die Spielerzüge gehen verhältnismäßig schnell und lassen sich zuverlässig im Voraus planen. Etwaige Glücksfaktoren durch die Deckbuilding-Mechanik können durch clevere taktische Anpassungen und im Zusammenspiel mit den Zusatzmarkern sinnvoll mitigiert werden.
Negativ aufgefallen ist mir persönlich jedoch das Spielmaterial. Die Spielmatte ist vom Material wertig verarbeitet und ein generell ein nettes Upgrade zum handelsüblichen Spielplan, aber der verwaschene Stil der grafischen Darstellung war in meinen Augen optisch nicht ansprechend und führte eher zu Missverständnissen. Gleichermaßen ist die Größe der Meeple unvorteilhaft gewählt, da bereits 2 von 4 möglichen Figuren pro Station die gesamte Karte und damit dessen Beschreibung verdecken.
Alles in allem wusste Great Western Trail: El Paso zu gefallen und spricht als „Little Western Trail“ die Fans der Reihe an, die etwas weniger Zeit mitbringen (ca. 60-90min), und generell Cowboy- und Eurogame-Aficionados, die es etwas weniger komplex mögen und ggfs. einen Einstieg in die Reihe suchen.
Quellen:
Messebesuch Spiel Doch! Dortmund 2025