TEST // COLOURS OF PARIS

Test | Colors of Paris - Fazit + Wertung + Bilder vom Spiel

Als Kunst-Fan konnte das Spiel bei mir schon mit seinem wunderschönen Cover punkten. Das Material und die Illustrationen sind so liebevoll und authentisch gestaltet, dass bereits das Auspacken und Anschauen Freude macht. Die Regeln sind schnell gelesen, verstanden und anderen beigebracht. Im Grunde ist COLOURS OF PARIS nämlich ein klassisches und unkompliziertes Worker-Placement Spiel. Im Grundspiel sogar auf Familienspielerniveau.

Mit den beiden Modulen erreicht es dann Kennerlevel. Unkompliziert, aber nicht unkomplex, denn die leichte Würze zeigt sich beim Drehen des Aktionsrades. Besonders reizvoll ist dieser Twist zwar nicht, aber es hebt sich damit schon etwas von ähnlichen Leichtgewichten des Genres ab. Hat man den Anspruch einer cleveren Spieltaktik, muss beim Setzen der Figuren bereits an das Drehen in der nächsten Runde gedacht werden, um von der Änderung der Aktionsfelder langfristig zu profitieren. Das Zurücklassen eines kostbaren Arbeiters ist dann die Prise Salz in der Suppe, wenn der Teller sich dreht. Spielmechanisch ist es also durchaus interessant, für uns aber erst ab drei Spielern. Zu zweit werden zwar einige Felder gesperrt, trotzdem fühlten sich die Möglichkeiten uninteressanter an, als im Spiel zu viert. Den Startspielermarker zu ergattern oder auf unvorhersehbare Weise am Rad zu drehen, ist in größeren Runden deutlich attraktiver.

Das Kriterium für das Spielende hört sich zunächst einfach an, zwei Gemälde mit je neun Pigmenten werden doch wohl schnell zu schaffen sein, gerade wenn die Tubenleiste mit einem Zug fünf oder mehr Pigmente ermöglicht, doch Leisten aufzuleveln, Farben zu sammeln und zu mischen, Karten zu holen und das Pigmentlimit von 12 einzuhalten, erweist sich dann doch zeitintensiver als gedacht. Trotzdem ist eine Partie auch zu viert in ca. einer Stunde flott gespielt und wird so seinem Familien-, bis Kennerspielniveau gerecht. Die Symbolik trägt hier ebenfalls zum flüssigen Spielablauf bei, denn alles ist thematisch absolut stimmig und damit nachvollziehbar. Grüne Pigmente erhält man durch die Abgabe von blauen und gelben Tokens, orangene mit rot und gelb usw.

Dass die Anzahl der Grundfarbenpigmente mit der Anzahl der vorhandenen Tuben (Tubenleiste) und die Mischfarben mit der Palettenleiste korrelieren, auf der die Farben gemischt werden, und zum Malen mehr Pinsel gebraucht werden, können alle am Tisch nachvollziehen. Nachdem bereits 12 Pigmente gesammelt wurden, trocknet die Farbe aus, weil laut Anleitung zu viele Tuben geöffnet wurden. Jedes Bild braucht eine andere Farbkombination um hergestellt zu werden. Beim ,,Malen“ und ,,Mischen“ kommt daher das Gefühl einen Künstler zu imitieren absolut rüber. Ist ein Gemälde vollendet und man sieht nach dem Umdrehen zum ersten Mal sein gemaltes Kunstwerk, ist man auf eine mütterliche Art stolz darauf. Schade nur, dass an dieser Stelle der Lerneffekt, aufgrund des fehlenden Künstlernamens auf den Gemälden, ausbleibt und jedes der insgesamt acht Werke je viermal vorhanden ist. Dadurch kommt man sich wie ein Kunstschwindler vor, wenn dasselbe Bild bereits im Repertoire des Nachbarkünstlers zu finden ist. Die Kunstwelt hätte da bestimmt noch das ein oder andere Meisterwerk hergegeben. CANVAS hat mit ähnlichem Thema und hochwertigen Ministaffeleien die Latte innerhalb dieses Themas sehr hoch gelegt. Dagegen wirken die Zwei-Komponenten-Pappstaffeleien hier doch sehr primitiv. Diese Feinheiten fallen jedoch bestimmt nicht jedem auf oder ins Gewicht.

Die Module bringen kleine Entscheidungen und Variationen ins Spiel, strategische Veränderungen bieten hier aber nur die Bonuskarten. Die Charakterkarten sind zwar schön anzusehen, bringen aber dem Spiel nicht viel Mehrwert und noch weniger Sinnhaftigkeit. Denn wenn Renoir ein Van-Gogh-Gemälde vollendet, fühlt sich das als Kunstliebhaber einfach falsch an.

Familien- und Kennerspieler mit Affinität zur impressionistischen Kunst und Worker-Placement-Mechanik machen mit COLOURS OF PARIS wenig falsch. Uns konnte es zwar nicht langfristig um sein drehbares Spielfeld locken, dafür aber vielleicht mal wieder ins nächste Kunstmuseum.

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

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Tags: 40-80 Minuten, Ressourcenmanagement, Enginebuilder, Workerplacement, 2-4 Spieler

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