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TEST// JOHN COMPANY

TEST// JOHN COMPANY - Unser Fazit, die Wertung und mehr Bilder

 

christian backe meine meinung überschrift"Das Schmiermittel ist Geld"

JOHN COMPANY ist kein schweres Spiel, doch es ist schwer zu erlernen. Von der englischen Sprache und den Begrifflichkeiten einmal abgesehen, greifen in diesem Spiel sehr viele Mechanismen ineinander. Gerade diese Verzahnung der verschiedenen Einzelteile macht einen großen Teil der Faszination dieses Spiels aus. Cole Wehrle ist für diese Komplexität bekannt und erfüllt auch mit JOHN COMPANY diese Erwartungen in vollem Umfang. Leider bereitet genau das beim Erlernen des Spiels auch die größten Schwierigkeiten. Es ist anfangs unendlich schwer zu durchdringen, welche Strategien verfolgt werden sollten, um gut zu spielen oder erfolgreich zu sein. Die Firma ist die Geldmaschine für den Sieg, doch sie ist es nur solange andere Spieler nicht mehr davon profitieren. Nichts sollte in diesem Verhandlungsspiel umsonst getan werden. Niemand sollte den Sieg leichtfertig verschenken.

Ein gutes Stück Glück ist ebenfalls im Spiel enthalten, denn für alle Aktionen der Präsidien muss um den Erfolg gewürfelt werden. Das spiegelt gut das finanzielle Risiko wider, dass solche Handelsunternehmungen auf sich nahmen. Die Ereignisse in Indien können verheerend für die Firma sein und simulieren gut die wechselnden Verhältnisse, in denen die East India Company sich bewegte. Gesetze im heimischen Großbritannien haben ebenfalls starken Einfluss auf die Firma und werden maßgeblich von Werft- und Fabrikbesitzern beschlossen. Damit erhalten diese Familienaktionen neben einem Einkommen auch politische Macht, die wieder verhandelbar eingesetzt werden kann.

john company 31

Nach ein bis zwei Partien sollte JOHN COMPANY in seinen Kernmechanismen erlernt sein. Der Verlauf jeder Partie hängt stark von den Spielern ab. Neue Spieler werden mit Sicherheit ihre ersten Spiele verlieren. Gerade in Runden mit erfahrenen Spielern, die Freude an knallharten Verhandlungen haben, macht JOHN COMPANY am meisten Spaß. Sei ein Rädchen in diesem profitgetriebenen Verbrennungsmotor. Der Treibstoff ist Gier und das Schmiermittel ist Geld.

Das Solospiel unterscheidet sich gravierend vom Mehrspielerspiel, da die gesamte Firmenphase entfällt und es lediglich um die Eroberung Indiens durch die Firma geht. Das ist eine nette funktionierende Dreingabe, bleibt aber hinter dem Spielspaß der Mehrspielerpartie zurück. Generell ist zwar ein Spiel zu sechst möglich, die ideale Spieleranzahl liegt meiner Meinung nach eher bei 4-5 Personen. Die Spielzeit kann sonst leicht ausufern, auch wenn die Rundenanzahl feststeht. Es passiert einfach eine Menge auf dem Brett und jedes Rädchen muss sich drehen.

Das Spielbrett ist absolut zweckmäßig und schreckte mich und alle anderen Spieler zunächst durch seine Nüchternheit ab. Einmal erlernt, erleichtert gerade diese fast schnörkellose Gestaltung allerdings den Spielfluss und das Verständnis der einzelnen Positionen. Die Ikonographie auf den Würfeltabellen der Regionskarten und deren Folgen sind anfangs auch schwer zu erfassen, bereits in der ersten Partie besserte sich das jedoch beträchtlich und stellte gegen Ende kein Problem mehr dar. Zudem ist die Anleitung klar strukturiert und hilft mit Flussdiagrammen und Tabellen.

Abschließend muss auch das eigentliche Spielthema erwähnt werden. Cole Wehrle hat bereits in der Vergangenheit klargestellt, dass es in JOHN COMPANY nicht um die Glorifizierung des Kolonialismus geht. Allein die selbstsüchtigen Verhandlungen der Spieler und die alles durchdringende egoistische Gier nach Geld lassen keinen Zweifel an der Sichtweise auf den Kolonialismus. Der Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung indischer Provinzen kann und wird gewaltsam niedergeschlagen werden, wenn es den Geschäftsinteressen dient. Die Company ist kein Heilsbringer und zu keiner Zeit tun die Spieler den Ausgebeuteten etwas Gutes.

Der Verleger von JOHN COMPANY, Phil Eklund, besitzt da leider eine ganz andere Sichtweise, die er in Essays auch gerne kund tut. Der Kolonialismus hat den unterworfenen Ländern zweifellos auch etwas gebracht, da hat Eklund nicht Unrecht. Doch das Maß an Genoziden, Sklaverei und Ausbeutung übertrifft bei weitem den eventuellen Nutzen, den diese Länder und Kulturen daraus ziehen konnten. Seine Haltung zu diesem und zu anderen Themen kann ich nicht teilen.

Wer sich in die gnadenlose Geschäftswelt von JOHN COMPANY wagen möchte, sollte  eine Gruppe mit Lust und Zeit zum Erlernen des Spiels haben, die auch Spaß an Verhandlungen hat. Im Frühjahr 2020 soll es über Kickstarter eine neue Gelegenheit geben, das Spiel zu bekommen. Diesmal wahrscheinlich in Cole Wehrles eigenem Verlag Wehrlegig Games, wie auch schon Pax Pamir. Und vielleicht dürfen wir ja auch auf eine deutsche Version bei Spielworxx hoffen...

john company wertung

 

Bilder vom Spiel 

Tags: 1-5 Stunden, Experten, 1-6 Spieler, Simulation, Verhandlung

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