Test // Meeple Circus – wecke den Zirkusakrobaten in dir

Geschrieben von Uwe Schnepf.

Test // Meeple Circus – wecke den Zirkusakrobaten in dir

Gespannte Stille erfüllt das Zelt, deine schwitzigen Hände umklammern bangend die Balancierstange. Plötzlich strahlt das Licht der zahlreichen Scheinwerfer auf dich, den Star des Abends. Ja, endlich heißt es wieder: „Manege frei“. Zitternd vollbringst du ein waghalsiges Kunststück nach dem anderen, bis schließlich zum Ende der Vorstellung das Publikum frenetisch applaudiert – für dich.

Genau diese Achterbahn der Gefühle durchlebt man bei Meeple Circus, einem Spiel für 2-5 Spieler. Auch in der deutschen Fassung, welche zur SPIEL ´18 bei Pegasus-Spiele erschienen ist, müssen die Spieler mit ihren Spielfiguren akrobatische Zirkuseinlagen aufführen und mit ihrem Geschick die Zuschauerwünsche erfüllen. Wie das geht und was wir von dem Spiel halten, erfahrt ihr in den folgenden Abschnitten, bei denen wir ein privates Exemplar näher unter die Lupe genommen haben.

Test // Meeple Circus – wecke den Zirkusakrobaten in dir

Spielablauf

Jede Partie Meeple Circus besteht aus drei Runden, die in jeweils zwei Phasen unterteilt sind. In der Aufwärmphase wählen alle abwechselnd zunächst ein Repertoire- und Darbietungsplättchen. Die darauf abgedruckten Akrobaten, Tiere und Requisiten nimmt man dann in seinen persönlichen Vorrat. Anschließend beginnt auch schon die Aufführungsphase. Einer startet die Musik über pegasus.de oder die App, welche für Android und iOS zur Verfügung steht. Alle bauen dann innerhalb von zwei Minuten gleichzeitig ihre kleinen Türmchen innerhalb. Punkte bekommt man natürlich nur für bestimmte Darbietungen, die über vier offenliegende Karten, die sogenannten Zuschauerwünsche, vorgegeben sind. Die Runde endet, wenn entweder alle fertig sind oder die Musik stoppt. Dann wird die erreichte Punktzahl mit Hilfe der Wertungstafel auf dem Klatsch-O-Meter abgetragen. Zusätzliche Punkte gibt es dabei für die beiden Spieler, welche am schnellsten waren.

Anschließend beginnt die zweite Runde; der Spieler mit den wenigsten Punkten wird neuer Startspieler und darf einen Zuschauerwunsch entfernen. Ansonsten bleibt der Ablauf aber mehr oder weniger identisch. Variabilität bringen die Darbietungsplättchen mit sich. Vor dem zweiten Auftritt erhält man einen Gaststar, der besonders viele Punkte bringt, wenn man sein Kunststück zustande bringt. Vor dem dritten Auftritt wird dann festgelegt, welche Sonderaktion man während dieser finalen Aufführung ausführen muss. Gerade diese Runde ist - soviel sei vorweggenommen - das Salz in einer ohnehin schon köstlichen Suppe. Beispielsweise muss man jedes Mal, wenn in der Musik applaudiert wird, aufstehen und „Danke! Danke!“ sagen und sich verneigen. Da jeder den dritten Auftritt alleine spielt, sorgt das natürlich für massig Gelächter – vor allem, wenn dann auch noch die Meeple umfallen. Haben alle nacheinander ihre Darbietungen präsentiert, endet das Spiel mit einer Schlusswertung und der Spieler mit den meisten Punkten gewinnt die Partie.

Test // Meeple Circus – wecke den Zirkusakrobaten in dir

Wie punktet Meeple Circus also unterm Strich? Das Spielmaterial jedenfalls lässt kaum Wünsche übrig. Die zahlreichen Holzfiguren sind ein echtes Highlight und ergänzen die wunderschön illustrierten Karten und Tableaus. Das gesamte Material kann nach dem Spiel außerdem wieder im guten Inlay samt Tütchen untergebracht werden. Einziger Wehrmutstropfen ist die teils geringe Materialstärke, die aber gerade noch ausreichend und dem Preis angemessen ist.

Thematisch ist Meeple Circus hervorragend umgesetzt. Da wird wohl keiner so schnell dran vorbeikommen. Die Spielmechanik selbst ist sehr gut ausgeklügelt und stellt eine wohldosierte Mixtur aus Geschicklichkeit und Strategie dar. Durch planvolles Auswählen der Plättchen können Spieler sich gewinnbringende Vorteile verschaffen, die von den anderen wiederum im Laufe des Spiels durch Abwerfen der entsprechenden Zuschauerwünsche abgefedert werden können. Dadurch sollten auch jüngere Kinder problemlos mit Erwachsenen mithalten können. Im Allgemeinen ist Meeple Circus ein klassisches Familienspiel und für diese Zielgruppe klar zu empfehlen. Die eingängigen und verständlich geschriebenen Regeln paaren sich mit kurzen Warte- und Spielzeiten. Wegen der sich immer wieder abwechselnden Zuschauerwünsche und Plättchen ist der Wiederspielreiz ebenfalls hoch. Hat man zudem geduldige Mitspieler am Tisch und wendet ob der farbigen Akrobaten entsprechende Hausregeln an, kann auch ein fingerfertiger Blinder in den Meeple Circus gehen. Kurz: Meeple Circus ist ein strahlender Leuchtturm im Meer der Geschicklichkeitsspiele.

Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten. Es ist schade, dass Pegasus den zum Spielen unbedingt notwendigen Soundtrack nicht als CD mitgeliefert hat. Das Einlegen der einzelnen Stücke über die Homepage ist zwar problemlos möglich, aber letztlich keine elegante Lösung. Die App weist sogar gravierende Schwächen auf. Zunächst einmal gibt es noch keine deutsche Version, was zumindest einen Teil der Spielerschafft abschrecken könnte. Viel problematischer ist aber, dass die Software wirklich Unmengen an Energie frisst und wir im Test schon mehrmals unser zuvor volles Smartphone nach zwei Partien laden mussten. Wer das Spiel also mitnimmt, sollte im Zweifel sein Ladekabel nicht vergessen.

Trotz dieser Schwächen überzeugt mich das Spiel restlos und ist nicht nur ein heißer Tipp für den Weihnachtsmann, sondern - Stand jetzt - auch mein Favorit für den Spiel des Jahres 2019-Preis. Meine Spielegruppen und ich hatten auf jeden Fall lange nicht mehr so viel Spaß mit einer Neuerscheinung.

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