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Test: This War of Mine: Krieg ist kein Vergnügen

Geschrieben von Daniel Krause.

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Es gibt unzählige Filme und Spiele, die das Thema „Krieg“ in unterschiedlichen Zeiten behandeln. Meistens wird Krieg dabei auf glorreiche Schlachten, heroische Siege und klare Kategorien von Gut und Böse reduziert. Das Brettspiel „This War of Mine“ behandelt das Thema Krieg deutlich anders, es bricht mit der oberflächlichen Behandlung des Themas Krieg und zeigt im Detail, was Krieg bedeutet.

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Es geht dabei weder um Soldaten, noch um Helden. Es geht um ganz normale Menschen, die einer Situation ausgeliefert sind, für die sie weder etwas können, noch wollten. Sie sind im Krieg und versuchen in einer zerstörten Stadt zu überleben. Lebensmittel, Medizin oder Wasser sind nur noch Mangelware. Das Überleben alleine ist nicht mehr möglich. Da fast jeder sein soziales Umfeld verloren hat, sammeln sich neue kleine Gruppen zufällig zusammen, um gemeinsam zu überleben.

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Es ist ein nackter Kampf um das Überleben der kleinen Gruppe, die die Spieler steuern. Jeder Tag lauert neuer Schrecken, und egal was sie tun - es wird immer schlimmer. Der Kampf um Nahrung und andere Ressourcen fordern viele Opfer von den Spielern. Wie eingangs schon erwähnt wird hier die Auswirkung von Krieg im Detail erlebt. Durch Textpassagen erfahren die Spieler jedes Mal eine andere Geschichte und durchleben immer neue Situationen. Dabei wird schnell klar, dass in dieser Welt kein Platz für Gut und Böse ist. Hier gibt es nur ein Ziel: Möglichst lange zu überleben. Das gelingt den Spielern nur, wenn sie bereit sind Opfer zu bringen. Manchmal sind es die eigenen Protagonisten, die sich für die Gruppe opfern, verhungern oder schlicht und ergreifend von zufälligen Begegnungen getötet werden.

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Auch das Leben im Krieg folgt einem gewissen Alltag. Der Morgen zeigt im Spiel erst einmal, welches Ereignis diesen Tag überschatten wird. Es soll hier nun nicht im Detail erzählt werden, was alles passieren kann, aber grundsätzlich kann sich wohl jeder denken, dass Ereignisse im Krieg alles sind, nur nicht positiv. Die Bandbreite (die in dem Test gespielt wurde) geht dabei von nicht ganz so schlimm bis zur totaler Katastrophe.

Am Tag bleibt die Gruppe in ihrem Unterschlupf. Am Anfang des Spiels wird dieser erst einmal erkundet und dann nach und nach freigespielt. Verschlossene Türen und Trümmerhaufen versperren die Wege. Die Gruppe arbeitet fleißig und versucht sich eine Perspektive zu erschaffen. Es werden Konstruktionen gebaut um Waser zu sammeln, Kräuter anzubauen oder eine Werkbank um Dinge herzustellen. Dieser Alltag ist fordernd und dauert bis zum Sonnenuntergang. Während der Tag langsam der Nacht weicht, stärken sich die Gruppenmitglieder. Leider ist nicht immer genug zu essen und Trinken vorhanden.

Nach dem kärglichen Mahl und beginnenden Abend muss die Gruppe entscheiden, wer Wache halten soll, wer plündern geht und wen eine Nacht in einem Bett vergönnt ist (wenn eines vorhanden ist).

Die Spieler ziehen in der Nacht aus und plündern Gebäude um Lebensmittel und andere Dinge zu sammeln. Wer an Lebensmittel denkt muss sich vorstellen, dass in „This War of Mine“ auch Hundefutter oder Ratten als passable Nahrung gelten. Jeder Bissen kann einen weiteren Tag überleben bedeuten. Für die Plünderungen ist es ratsam Waffen mitzunehmen. Denn auch andere Gruppen ziehen im Schutz der Nacht aus, um etwas Beute zu machen. Wer zu viel Krach macht, lockt diese anderen an und blitzschnell kann ein gerade noch erfolgreicher Beutezug mit Verletzungen, dem Tod und dem Verlust aller Beute enden.

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Die Nacht enthält viel Schrecken für die Spieler bereit. Es wird sogar empfohlen für empfindliche Gemüter eine Aktionsart komplett aus dem Spiel zu nehmen. In einer Szene zum Beispiel trifft die Gruppe auf eine schwer verletzte Frau. Sie stirbt und bittet zuvor noch die Nahrung aus ihrem Rucksack ihrem Sohn zu bringen. Da die Gruppe nur den Vornamen kennt und kaum Chancen sieht, diesen zu finden, nehmen sie die Nahrung mit. Ein anderes Mal fanden wir eine verstümmelte und teilweise verbrannte Leiche eins Soldaten und mussten uns entscheiden, ob wir sie liegen lassen und damit das Viertel der Rache der Soldaten aussetzen (egal, es ist nicht unser Viertel) oder ein Risiko eingehen und die die Leiche verstecken..

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Doch während einige Mitglieder der Gruppe noch unterwegs sind und Plündern, kommen finstere Gestalten zum eignen Versteck und versuchen dort ihr Glück. Die Wache sollte gut bewaffnet sein und Das Gebäude nach Möglichkeit mit Brettern verstärkt. Doch alle Vorkehrung hilft oftmals nicht und die Freude über reiche Beute währt nur kurz. Immer wieder passiert es, dass das eigene Lager mit den notdürftig zusammen geklaubten Dingen fast komplett geplündert wird. In manchen Nächten muss man einfach nur froh sein, wenn die Wache die Nacht überlebt… Während die Sonne langsam den Horizont erklimmt, kommen die Plünderer mit ihrer Beute zurück und sind erschöpft. Die Verletzten der Nacht werden notdürftig verarztet und dann kann nur noch das Schicksal (in Form einer Schicksalskarte) darüber bestimmen, wie es mit den Verwundeten weiter geht. Lange Zeit zum Ausruhen bleibt nicht, denn der nächste Morgen ist schon angebrochen. Hier das Spiel für knapp 55 € kaufen/vorbestellen und brettspiel-news.de unterstützen - Danke ;)

Fazit

Im Allgemeinen sind Brettspiele meistens sehr abstrakt. Sie dienen dem Zweck ein Gruppenerlebnis zu schaffen, bei dem sich meistens gemessen wird. Geschehnisse werden in der Regel aus der Meta-Ebene betrachtet und abstrakt entschieden. Das höchste der „Gefühle“ ist es, dass ein Arbeiter stirbt, erschöpft ist oder eine schlechte Moral hat. Spielmechaniken werden oftmals einem passendem Setting zugeordnet und nicht umgekehrt.

Das funktioniert in der Regel gut, doch nachdem man „This War of Mine“ erlebt hat, ist die Messlatte für andere Spiele deutlich gestiegen. Warum wagen nicht viel mehr Titel den Weg aus dem eindimensionalen „wir bauen eine Stadt“, „- eine Burg“, und/oder müssen der mächtigste Herrscher werden Einheitsbrei.

Bei „This War of Mine“ ist das umgekehrt, denn alle Spielfunktionen sind hier dem Thema untergeordnet. Es ist kein Spiel im klassischen Sinne. Es erzeugt keinen Spielspaß, sondern es motiviert durch die erlebte Geschichte, die auf die Spieler einprasselt. Das Spiel hat einen Spannungsbogen, denn jeder neue Tag wird schwerer werden, als der davor. Jede falsche Entscheidung kann zum Scheitern der Gruppe führen. Hier gilt dann das Zitat von Plato: „Nur die Toten haben das Ende des Krieges gesehen“.

Dabei ist eine Reise wie keine andere. Fast 2000 verzweigte Texte bieten eine enorme Vielfalt und sorgen dafür, dass es jedes Mal einen anderen Verlauf nimmt. Das liegt zum einem an Zufall durch Würfelwurf, aber auch an bewussten Entscheidungen.

Zudem gibt es noch zwei optionale Spielmöglichkeiten und eine Experten-Rückseite des Spielfeldes, was das Spiel noch schwerer macht. Um den Wiederspielwert ist es hier also ausgesprochen gut bestellt.

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Die Qualität der Produktion ist ausgesprochen gut und darf sogar als exzellent bezeichnet werden. Das Spielfeld ist ausladend groß, in der Spielbox ist ein Sortierkasten für Karten und Spielmaterial. Die Marker sind auf dicker Pappe gedruckt und auch die Rohstoffe sind extrem hochwertig. Es liegt dem Spiel ein umfangreiches Taschenbuch bei, dass die Geschichten enthält und ein „Tagebuch“, das durch den „Alltag“ führt. Das Spiel kann nach dem Aufbau direkt ohne weiteres Lesen der Regeln gespielt werden, auch das ist ein ungewohnter Weg für analoge Vielspieler, an die sich das Spiel klar richtet. Hier geht ein Teil der gewohnten Kontrolle über die Spielwelt verloren. Genau wie die Protagonisten werden die Spieler in die Welt gestürzt und müssen sie erkunden.

Bleibt noch die Frage: Warum wagen es nicht viel mehr Spiele Geschichten zu erzählen? Filme und Videospiele machen es doch ausreichend vor. Wenn Spiele endlich als Kulturgut von der Gesellschaft akzeptiert werden wollen, dann braucht es viel mehr Titel wie „This War of Mine“!

Ich persönlich hatte noch kein Spiel mit so vielen denkwürdigen Momenten auf dem Tisch, an die ich mich explizit erinnere. Wo ich mit meinen Entscheidungen hadere. Hier geht es eben mal nicht darum, noch zwei Siegpunkte mehr oder weniger.

Wer psychisch stabil ist und Lust auf ein Erlebnis hat, der sollte sich das Spiel unbedingt anschaffen. Das lässt sich übrigens auch perfekt solo spielen. Dabei unterhält es besser als manch ein Buch. Idealerweise sollte noch ein passender Filmsoundrack oder die unten verlinkte Spotify-Liste gespielt werden. Das trägt ungemein zur Atmosphäre bei! Besser als mancher seelenlose Film- Serienabend!

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