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Wir haben bereits über die digitale Umsetzung von GAIA PROJEKT berichtet. Im Zuge dessen hatten wir die Möglichkeit mit Patrick Soeder von DIGIDICED zu sprechen und möchten euch einen kleinen Blick hinter die Kulissen zur Entwicklung von GAIA PROJEKT geben.

DIGIDICED // Hinter den Kulissen

Wir haben bereits über die digitale Umsetzung von GAIA PROJEKT berichtet. Im Zuge dessen hatten wir die Möglichkeit mit Patrick Soeder von DIGIDICED zu sprechen und möchten euch einen kleinen Blick hinter die Kulissen zur Entwicklung von GAIA PROJEKT geben.

DIGIDICED wurde 2015 von Patrick zusammen mit Felix Dreyfus, Simon Gratwohl und Alexander Ommer gegründet. Fokus der Digidiced UG liegt auf der Umsetzung digitaler Adaptionen bekannter und komplexer Brettspiele für PC und Mobile. Patrick selbst studierte Design an der FH Dortmund und der Falmouth University (UK) und schloss sein Studium 2002 erfolgreich ab. In der Folge war er als freiberuflicher Grafiker und Illustrator an zahlreichen Projekten im In- und Ausland beteiligt - darunter vorrangig Brett-, Rollen- und Browserspiele.

P Soeder

Wie sich der Prozess einer digitalen Brettspielumsetzung darstellt, welche Herausforderungen dabei zu bewältigen sind; für diese und andere Fragen stand uns Patrick Rede und Antwort.  

Vielen Dank.

 

Wieso Gaia Projekt? Eignet sich das Spiel besonders von der Mechanik / Thematik für eine digitale Umsetzung?

Tatsächlich ist das Spiel eine Herausforderung. Es ist sehr komplex, man muss viele Spielelemente, die sonst auf einem großen Tisch ausliegen, auf einen kleinen Bildschirm packen und die SpielerInnen wollen am liebsten immer alle Informationen gleichzeitig sehen können. Dazu kommt noch, dass das Regelwerk es nicht einfach macht eine gute KI zu entwickeln, da es zig Möglichkeiten gibt. Besonders die Mechanik der Föderationsgründung ist in dieser Hinsicht ganz schön verzwickt. Aber gerade das ist eben auch ein großes Pro sich an solch ein Spiel heranzuwagen. Digitale Brettspiele sind immer noch eine Nische und mit einem Spiel wie Gaia Project ist eben auch die Grundnachfrage sehr groß, was uns als Indie-Entwickler dann auch ziemlich entgegenkommt.

 

Wie stehen die Verlage digitalen Umsetzungen gegenüber? Konnte bei diesem Spiel eine schnelle Einigung erzielt werden?

Zur Gründungszeit von DIGIDICED (2015-16) gab es tatsächlich noch einige Skepsis. Man hatte seitens der Verlage Bedenken, dass sich Printversion und die digitale Version kannibalisieren könnten. Man hat dann aber sehen können, dass es sich auch für Verlage sehr lohnen kann. Mittlerweile ist es eher so, dass die Parole lautet, möglichst schnell ein gutlaufendes Spiel zu digitalisieren.

 

Wie viele Personen arbeiten ungefähr wie lange an der digitalen Umsetzung?

Im Fall von Gaia Project dauerte das ca. 9-12 Monate. Beteiligt sind an dem Projekt 3 volle Mitarbeiter und ca. 6 externe Mitarbeiter. Natürlich sind auch eine Menge freiwillige Tester mit dabei, die uns dabei unterstützen Fehler auszumerzen. Das ist eigentlich ein sehr überschaubares Team, was auch daran liegt, dass wir ein sehr leistungsfähiges Framework benutzen, das uns einiges an Arbeit abnimmt.

 

Worin bestanden die größten Herausforderungen bei der digitalen Umsetzung von Gaia Projekt?

Sicherlich ist das bei uns das Gesamtgefüge von der Einführung einer neuen Produktionsweise und das Implementieren unseres neuen Servers und Frameworks. Dies dann zusammen mit einem ziemlich komplexen Spiel. Wir haben das erste Mal eine eigenständige PC-Version und mobile Version. Jede Menge neuer Systemfeatures und dazu kommt dann noch die Problematik, eine fordernde KI zu erstellen.

 

Welche Phasen durchläuft eine digitale Umsetzung?

Am Anfang laufen der Logikaufbau und die erste gestalterische Konzeption zusammen an. Nachdem dann die Logik fertig ist, wird eine spielbare Alphaversion angestrebt. Darauf bauen wir dann die finale Gestaltung auf und während wir Sounds, Animationen und Inhalte strukturieren, werden der Logik dann auch zusätzliche Funktionen eingearbeitet. Zwischendurch besprechen wir die Teilergebnisse immer wieder mit Profispielern, die das Spiel in- und auswendig kennen. Das nimmt dann immer weiter Gestalt an bis wir eine spielbare Betaversion haben, die dann auch schon an Tester gehen kann. Ab dem Punkt wo die Logik steht, wird auch parallel zu allem die KI trainiert. Ein wesentlicher Teil ist das Testspielen. Da wird nochmal richtig viel Feedback erzeugt, das wir versuchen umzusetzen.

 

Welche weiteren Umsetzungen sind in Planung bei Digidiced?

Wir wollen als nächstes ein Spiel umsetzen, das sich mit Tee beschäftigt. Wir geben dazu sicherlich noch mehr Infos in nächster Zeit. Auch die Tuscany Erweiterung für Viticulture steht an. Das geht einher mit einer Überholung des Spiels.

 

Welche digitale Umsetzung würdet ihr gerne machen, wenn ihr dürftet (Traumumsetzung, auch wenn diese technisch aktuell nicht machbar sein sollte)?

Oh, ich glaube das geht im Team weit auseinander. Da gibt es eine Seite, die Superhelden sehen wollen, einige wiederum ein 3D Taktikspiel und es gab einmal die Idee auf die Suche nach dem komplexesten Brettspiel zu gehen. Ich persönlich würde gerne mal ein Spiel machen in dem man sich mit dem eigenen Gerät in einem Verband lokal verbinden kann und eine Art Rollenspiel machen kann. Aber auch ein Aufbauspiel wäre interessant, bei dem man sich auf einem tatsächlich existierenden Naturschutzprojekt einloggen könnte und auf Satellitenbildern Wiederaufforstung „spielend“ unterstützen könnte.

 

Brettspiel und digitale App Umsetzung, Verdrängung oder Ergänzung?

Es ist definitiv eine Ergänzung und auf lange Sicht kann ich mir vorstellen, dass es auch immer mehr Spiele geben wird, in denen digital und analog noch weiter kombiniert werden wird. Es wird immer interessanter Spiele in eine Metaebene zu setzen und sie untereinander zu verbinden. Das geht halt auf digitale Weise über Plattformen sehr gut. Gutlaufende Spiele kann man sicherlich digital auch sehr gut mit neuen Spielinhalten bestücken. Man wird das Handy sicherlich immer öfter neben dem Spielplan beobachten können und das nicht nur als Referenz. Was ich auch während der Pandemiezeit beobachten konnte ist, dass den SpielerInnen da draußen so einiges eingefallen ist, wie man über das Internet das analoge Spiel am besten mit anderen teilt. Vielleicht kommen wir ja schneller dazu als gedacht z.B. Terra Mystica mit einer AR Brille/App zu spielen und die Spielzüge der anderen Spieler werden in das vor dir liegende Spiel projiziert.

 

Quelle: https://digidiced.com/gaiaproject/

Tags: Interview, App

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