TEST // ESCAPE TALES - LOW MEMORY

TEST // ESCAPE TALES - LOW MEMORY - Fazit + Wertung Michael

 

Bereits THE AWAKENING, das erste Spiel der ESCAPE TALES-Reihe, hat mir sehr gut gefallen. Das Erleben einer Geschichte, erzählt über verschiedene Rätselräume, hat mir trotz einiger Probleme sehr viel Freude gemacht und für stundenlangen Rätselspaß gesorgt. Als ich zum ersten Mal von LOW MEMORY gehört habe, war ich gleich sehr interessiert, die neue Variante zu spielen. Das IT-Szenario fand ich noch interessanter als das düstere Voodoo-Thema von THE AWAKENING und zudem hatte ich die Hoffnung, dass die Kinderkrankheiten des ersten Spiels zwischenzeitlich beseitigt werden konnten.

Im Kern ist die Mechanik des ersten Spiels beibehalten worden, soweit notwendig dann aber verfeinert. Mir gefällt es deutlich besser, dass Räume nun automatisch verlassen werden, wenn entscheidende Punkte abgeschlossen sind. Das Wandern zwischen den Räumen beim ersten Spiel war einer der großen Kritikpunkte für mich. Was allerdings weiterhin auf der Negativseite steht, ist die Auswahl des nächsten Feldes/Raumteiles. Das Spiel gibt nur wenig bis keine Hilfe dabei, welche Felder am aktuellen Ort sinnvoll untersucht werden könnten. Ein Problem hierbei ist vor allem, dass in einem Feld oftmals mehrere Details zu erkennen sind. In einem Fall wollten wir einen von uns vermeintlich entdeckten Tresor untersuchen, der Text zu dem Feld beschäftigte sich dann allerdings nur mit einem Gemälde davor. Aber selbst wenn einiges schief läuft und mehrfach Aktionsscheiben über Stresskarten nachgeholt werden müssen, ist das Spiel dennoch zu schaffen. THE AWAKENING war an dieser Stelle deutlich gnadenloser.

Der Einsatz der App, vor allem das darin enthaltene Hilfesystem, ist vorbildlich, sieht man einmal von der finalen Eingabe der Kartennummern ab, welche uns kurzzeitig verwirrt hatte und den einen oder die andere evtl. vor größere Probleme stellen könnte. Aber davon ab, ist alles so benutzerfreundlich und übersichtlich umgesetzt, dass es kaum Probleme geben dürfte. Die Seite ist zwar eine herkömmliche Internetseite, wenn sie aber einmal geladen ist, wird keine Internetverbindung mehr benötigt. Die Fortschritte im Spiel werden im Browser automatisch gespeichert. Wer Hilfe benötigt, kann zunächst nachschauen, ob bereits alle benötigten Karten vorliegen. Danach bietet das mehrstufige Hinweissystem zunächst kleine Hilfen und zum Schluss die komplette Lösung an. Für mich ist das Hinweissystem der ESCAPE TALES-Reihe mit das Beste in Sachen Hilfe, da die schrittweise Auflösung immer genügend Spielraum lässt, nach einem leichten Schubs in die richtige Richtung das richtige Ergebnis noch selbst finden zu können, ohne dass der Elefant gleich im Raum steht.

Bei den Rätseln gibt es vom Erkennen von Zahlenreihen über die Anordnung von Formen bis hin zum Verknüpfen von Punkten so ziemlich alles, was für Escape-Room-Spiele üblich ist. Der überwiegende Teil der Rätsel war für uns logisch aufgebaut und nachvollziehbar. Ab und an mussten wir mal weniger, mal mehr auf Hilfe zurückgreifen, konnten aber irgendwann die Aufgaben doch lösen. Bei diesen Rätseln war die Lösung für uns dann in der Regel etwas weit hergeholt. Nachdem die Hilfe uns in eine Richtung gelenkt hat, passte es dann nach 1-2 Hilfen bereits. So und nicht anderes muss ein Hilfesystem funktionieren!

Die Geschichte fand ich in den ersten beiden Kapiteln noch sehr interessant, im Finale kippte sie dann für meinen Geschmack viel zu sehr in krude und uninspirierte Science-Fiction, die nicht einmal annähernd die Dramatik und Spannung der ersten beiden Kapitel erreichen konnte. Die Auflösung, die je nach Entscheidung komplett anders ausfällt, hat mir dann aber wieder gefallen und die Erklärung, wie die eigene Entscheidung den Ausgang beeinflusst hat, fand ich ebenfalls gelungen. Das Spiel schafft es damit, am Ende das Gefühl zu vermitteln, dass die eigenen Entscheidungen einen Unterschied ausmachen, selbst wenn diese im Grunde nur marginal sind. In der Geschichte geht es teils recht blutig zu, weswegen der „Ab 18 Jahren“-Vermerk auf dem Cover nicht ganz zufällig ist. Zartbesaitete Gemüter könnten an der einen oder anderen Stelle ein wenig zusammenzucken, wobei es niemals übertriebene Gewalt im Spiel zu erleben gibt.

Insgesamt empfand ich ESCAPE TALES – LOW MEMORY als einen wunderbar fordernden und unterhaltsamen Escape-Room-Thriller, der in erzählerischer Hinsicht im Finale leider deutlich schwächelt, nachdem er zuvor zu glänzen verstand. In Sachen Rätseldesign und immersives Gefühl versteht er das Spiel vor allem in den ersten beiden Kapiteln zu punkten. Wenn der Einsatz der Aktionsscheiben in Verbindung mit der Auswahl des nächsten Rätselfeldes noch überabreitet wird und das Finale mehr im Kontext der Geschichte bleibt und nicht in unendliche Sphären abdriftet, könnte ein dritter Ableger der ESCAPE TALES-Reihe für einen Glanzpunkt im Escape-Room-Genre sorgen. Doch bereits LOW MEMORY macht so viel richtig, dass Anhänger dieses Genres sich das Spiel nicht entgehen lassen sollten. Für mich eine klare Empfehlung!

 

 

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Tags: TSD20, Escape Room, Storytelling, 1-4 Spieler, Kooperativ, Solospiel

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