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Brettspiel - Magazin

Meinung // Warum ist das Spiel Brass so beliebt?

Geschrieben von Daniel Krause.

Meinung: Warum ist das Spiel Brass so beliebt?

Wer sich ein Vielspieler schimpft und deswegen zwangsweise spielende Freunde und Spieltreffs hat, kommt aktuell kaum um das Spiel „Brass“ herum. Das Spiel erschien 2007 erstmals und stammt vom Autor Martin Wallace, den ich trotz mancher Spielbrett Eskapaden sehr schätze. Nun ist es kein Zufall, dass ein Spiel, das vor 11 Jahren erschien bei einem anderen Verlag neu erscheint. Genau wie Baufinanzierungen sind auch Verträge von Verlagen vermutlich auf zehn Jahre befristet. Deswegen konnte Roxley das Spiel 2017 auf Kickstarter anschieben und 2018 liefern. Die alten Vertragspartner, wie in Deutschland Pegasus Spiele, haben sehr wahrscheinlich keinen Anspruch mehr.

Das alte Spiel war dann auch wieder so eine optische Eskapade von Martin Wallace. Ich habe viele Prototypen gespielt die deutlich hübscher waren! Die neue Version sieht eher wie ein Gemälde an der Wand aus, dass extrem hübsch gezeichnet wurde. Doch bei dieser Schelte muss auch gesagt werden, dass trotz der neuen und sehr hübschen Optik einiges falsch gemacht wurde.

Die Farben im Druck sind übersättigt und sind deswegen längst nicht so brillant, wie sie am Bildschirm aussehen. Sorry – ich bin vielleicht als aus der Druckbranche stammend vorbelastet – das hätte besser auf den Spielplan gebracht werden können. Außerdem ist die „Farbwahl“ (Achtung Sarkasmus) wirklich fernab jeder Überlegung, wie es sich am Ende spielen wird geschehen. Die Farbunterschiede der Städte als auch der Spielerfarben sind, bei schlechten Lichtverhältnissen, sprichwörtlich die Hölle.

Meinung: Warum ist das Spiel Brass so beliebt?

Jetzt mögen Sie sich denken, warum schreibt der Krause so lange über ein Spiel, was es alles schlecht macht, statt es zu ignorieren und den Mund hält. Nun ja, das liegt vor allem daran, weil ich dennoch spiele - selbst bei schlechten Lichtverhältnissen – und das will was heißen!

Meine Grundannahme ist, dass ich in den letzten 11 Jahren spieletechnisch verdammt viel getan hat. Es ist teilweise so, als würde man heute in ein 2018 Jahrgang Auto steigen und es mit einem Auto aus dem Jahr 2007 vergleichen, das sowohl vom Komfort als auch im Fahrverhalten deutliche Unterschiede und Entwicklungen zeigt. Trotzdem haben so viele Menschen Geld in diesen Klassiker gesteckt, dass sie oft schon zu Hause im Regal liegen haben oder die Weiterentwicklung „Birmingham“ gekauft. Das als Nostalgie abzutun, würde zu kurz greifen.

Ich hatte das Spiel nie gespielt, obwohl ich – wie schon erwähnt – Martin Wallace als Autor schätze. Deswegen hatte ich gleich beide Versionen unterstützt, wenn auch nachträglich und aus einem tragischen Zufall.

Nun hatte ich die zwei Boxen zu Hause, habe alles vorbereitet, war aber nicht zum Regelstudium gekommen – wofür auch, es gibt Mitspieler, die das Spiel kennen und in höchsten Tönen loben.

Wie der Zufall es wollte, gab es beim Spieltreffen dann leider keinen, der verfügbar war und das Spiel erklären konnte, also stürzten wir uns zu viert in das Spiel und lasen die englische Anleitung. Die deutsche war nicht verfügbar, da sie sich leider nicht auf A4 sinnvoll drucken lässt… wieder eine Nachlässigkeit von Roxley…

Meinung: Warum ist das Spiel Brass so beliebt?

Doch trotz aller Mühe und vielen Stunden Lebenszeit, holten wir uns mindestens eine blutige Nase und brachen das Spiel – Sakrileg – nach der ersten Epoche ab. Wer das Spiel kennt (so wie ich mittlerweile), weiß, dass es dann eigentlich erst richtig startet. Es saßen, vier gestandene Vielspieler am Tisch, wohlgemerkt unter anderem sogar ein Spieleautor, aber wir stimmten alle dafür, das Spiel erst einmal zusammen zu packen – es hat sich keinem erschlossen.

Als ich nach Hause kam, war da immer so ein nicht greifbarer Gedanke, ein Gefühl von Versagt zu haben. Warum mögen das Spiel so viele Leute, nur ich nicht? Warum haben meine Mitspieler und ich so ein hochgelobtes Spiel nicht wenigstens ein wenig gemocht und zum Ende gebracht? Nun ja, die Lösung war naheliegend: Bestimmt falsch gespielt!

Also erneut versucht, nach dem Motto neuer Tag, neue Chance. Doch auch dann wollte der Funke anfänglich nur schwer überspringen. Warum? Es spielte sich „hakelig“ und „unrund“. Lauter produzierte Waren lagen auf dem Tableau und wurden nicht verbraucht, der Vorrat schwand und es wurde ein den Regeln dafür keine Lösung gefunden, aber auch kein Fehler!

Und dann, ging es meinen Mitspielern und mir endlich auf. Wir hatten nicht falsch, sondern total schlecht gespielt. Nur anders als bei aktuellen Titeln, nimmt einem das Spiel nicht an die Hand und zeigt, was man eventuell machen sollte, wenn man dazu neigt zu gewinnen.

Das Spiel hat nun mal 11 Jahre auf dem Buckel und um beim Autovergleich zu bleiben – es fährt sich wie ein Rennwagen ohne ABS, Automatik oder technische Unterstützung. Hier braucht man echtes Können, um die PS auf die Straße zu bringen.

Wenn verinnerlicht wurde, dass in der ersten Epoche – also die Hälfte der Spielzeit - nur vorbereitet wird, für die zweite entscheidende Epoche. Dass in der zweiten Epoche zwischen 70-80 % der Punkte gesammelt werden und dass hier nicht nur nicht alles gebaut werden kann, sondern auch noch viel abgeworfen werden muss, dann wird es auf einmal möglich Zugang zu dem Spiel zu gewinnen und es echt schätzen zu lernen! Dieses Spiel muss sich jeder erarbeiten und von Konventionen und Zwängen loslassen. Timing und gute Planung sind hier das wichtigste, wobei die neue „Birmingham“-Version den geringen Glücksfaktor weiter gesenkt hat.

Was auch noch schätzenswert für mich ist, ist der akkurate Umgang mit der wahren Geschichte. Alles ist deswegen plausibel und logisch.

Wer etwas leidensfähig ist sollte sich dieses wunderbare, und noch heute tolle Spiel zulegen. Tatsächlich hat das Spiel nach Jahren geschafft, meine unbändige Lust Scythe zu spielen etwas einzufangen. Die nächsten Spielabende wird „Brass“ auf dem Tisch liegen – egal welche Version - keine Frage!

Bilder zum Spiel

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