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Sexismus Brettspielbranche Hargrave Dancey

Flügelschlag-Autorin kritisiert Frauenmangel in der Brettspielbranche: AEG-Betriebsleiter entschuldigt sich für seine Reaktion

Nach der Bekanntgabe der Nominierungen zum Spiel des Jahres 2023 wies Elizabeth Hargrave in einem Tweet auf den eklatanten Frauenmangel unter den Nominierten der vergangenen Jahre hin. Ryan Dancey von AEG reagierte mit einer Antwort, in der er diesen Umstand mit dem Unvermögen der Frauen begründete. Nach heftiger Kritik veröffentlichte er nur einen Tag später eine Entschuldigung, in der er Besserung gelobte.

Hargrave, die Entwicklerin von Spielen wie Flügelschlag oder Mariposas, schlüsselte in ihrem Beitrag alle Nominierten für das “Spiel des Jahres” nach Geschlecht von 1999 bis heute auf. Der seit 1979 verliehene Kritikerpreis gilt als der wichtigste Preis der Branche und wird auch als der “Oscar der Brettspiele" bezeichnet.

 

TweetHargraveDie von ihr veröffentlichte Grafik zeichnet ein erwartbares Bild. Von 108 Nominierten waren gerade einmal 5 Frauen. Hargrave schrieb hierzu, dass es nicht um Kritik an der “Spiel des Jahres“-Jury ginge, sondern darum, aufzuzeigen, dass etwas grundsätzlich im System der Brettspielentwicklung schief laufe, wenn es zu solchen Zahlen führt. Obwohl der Frauenanteil unter Brettspielern immer größer wird, sind sie als Autorinnen und dementsprechend auf Nominiertenlisten immer noch unterrepräsentiert.

 

Frauen meiden Kritik, Männer stecken Schläge ein

Ryan Dancey, Betriebsleiter des Spieleverlags AEG, postete eine Antwort unter Hargraves Thread, in der er versuchte, den Frauenmangel in der Branche anhand eigener Erfahrungen zu erklären. Seine komplette Antwort ist hier nachzulesen, die Kurzversion ist folgende: Zum einen nannte er als Begründung, dass Frauen nicht die richtigen Spiele anböten. Wenn ihm Spiele von Frauen angeboten würden, so seien dies entweder Politik- oder Partyspiele, beide uninteressant für AEG. Oder sie seien zu generisch und böten wenig Neues. Als Beispiel für erfolgversprechende Spiele nannte er Kriegsspiele oder solche mit Kampfrobotern, diese hätte ihm aber noch nie eine Frau vorgestellt.

Als weiteren Erklärungsversuch nannte er die unterschiedliche Sozialisierung von Männern und Frauen in der westlichen Welt. Danceys Meinung nach bestünde der Weg von der Entscheidung, Spieledesigner zu werden, bis hin zum veröffentlichten Spiel, aus einer Menge Ablehnung und Kritik. Ihm zufolge würden Frauen so sozialisiert, dass sie Situationen vermeiden, in denen sie Kritik ausgesetzt sind, wohingegen Männer von klein auf lernten, Schläge einzustecken und weiterzumachen. Dementsprechend schafften Männer den steinigen Weg zur Spieleveröffentlichung und Frauen eben nicht.

 

Das war nicht mein bester Moment”

Die Reaktionen auf seine Antwort fielen größtenteils negativ aus. Seine Aussagen wurden als sexistisch und er als Teil des Problems wahrgenommen. Aufgrund der Kritik, die ihm auf Twitter und mutmaßlich auch innerhalb seines Unternehmens entgegenschlug, sah er sich gezwungen, nur einen Tag später eine Entschuldigung zu veröffentlichen. In dieser schreibt er: “Gestern habe ich mich an einer Diskussion über die mangelnde Vertretung von Frauen als Designerinnen in der Spielebranche beteiligt. Das war nicht mein bester Moment. Ich schäme mich und bin wütend auf mich selbst wegen des Tons und des Inhalts meines Beitrags zu dieser Diskussion. Er spiegelt nicht meine Ansichten wider und schon gar nicht die des Unternehmens, für das ich arbeite. Ich entschuldige mich für jeden Schaden und für jede Beleidigung, die ich verursacht habe.”

Weiter führt er aus, dass er zukünftig Teil der Lösung und nicht des Problems sein wolle und daher innerhalb von AEG konkrete Schritte skizziert wurden, die sie unternehmen möchten, um die Situation zu verbessern. Hier nennt er unter anderem die Unterstützung von Spieledesignern aus unterrepräsentierten demografischen Gruppen. Er versichert, die Community über Fortschritte auf dem Laufenden zu halten, und bietet sogar an, selbst hierfür in Zukunft zur Verantwortung gezogen zu werden. Seine vollständige Entschuldigung findet ihr hier.

Es bleibt abzuwarten, wie AEG und Dancey diese Versprechen einlösen werden. In jedem Fall gibt seine erste Reaktion Elizabeth Hargraves Vorwurf Recht, dass es ein strukturelles Problem gibt und eine Debatte über Sexismus in der Brettspielbranche längst überfällig ist. Wie sich Spieleentwickler, Spieleverlage und nicht zuletzt Preisverleiher wie die “Spiel des Jahres”-Jury hierzu verhalten und welche Änderungen angestoßen werden, wird sich zeigen.

Quellen:

Twitter Elizabeth Hargrave

Twitter Ryan Dancey

Dicebreaker

BGG

Tags: Kennerspiel des Jahres, Spiel des Jahres, Branche

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