TEST // MERCADO DE LISBOA

TEST // MERCADO DE LISBOA

Die Sinne werden beim Betreten einer Markthalle in Lissabon auf eine harte Probe gestellt, wenn sich Touristen und Einheimische, umgeben von exotischen Gerüchen und lauter Geräuschkulisse, durch die engen Gassen drängen und überall faszinierende Marktstände und kleine Imbisse mit Leckereien entdecken. MERCADO DE LISBOA versetzt uns für einen Augenblick in diese Welt.

 

infos zum spiel

SCHMIDT SPIELE hat uns MERCADE DE LISBOA freundlicherweise für eine Rezension zur Verfügung gestellt.
Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

 

Eine kulinarische Entdeckungsreise durch die ehrwürdigen Markthallen Lissabons

 

Alle Mitspieler:innen starten mit 3 der quadratischen Standplättchen, einer Münze und Ihren 8 Holzständen in der eigenen Farbe, mit welchen später der Besitz der Standplättchen angezeigt wird. Die Spieler:innen können entscheiden, entweder mit sichtbaren oder verdeckten Münzen zu spielen. Letzteres ist die Empfehlung der Autoren und benötigt zusätzlich die Sichtschirme.

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Auf dem Spielplan werden links unten 3 Standplättchen und darüber die rechteckigen Kundenplättchen zum Nachziehen bereit gelegt. Die 11 runden Restaurantplättchen sind nach Vorgabe auf dem Spielplan zu platzieren, jeweils auf die inaktive, graue Seite gedreht.

Sind die Vorbereitungen abgeschlossen, wechseln sich die Spieler:innen nun mit jeweils einer der folgenden Aktionen ab:

  1. Einen Stand eröffnen, indem Sie eines Ihrer Standplättchen auf ein freies Feld legen. Dies kostet eine Münze entsprechend der höchsten Anzahl Stände in der entsprechenden Reihe oder Spalte. Dabei können Felder mit inaktiven, also geschlossenen Restaurants ebenfalls belegt werden, wodurch das Restaurantplättchen in den Vorrat der Spieler:in wandert. Es wird anschließend auf 3 Standplättchen nachgezogen um den eigenen Vorrat wieder aufzufüllen.
  2. Kunden anlocken, indem eines der ausliegenden Kundenplättchen an das Ende einer Spalte oder Reihe gelegt wird. Dabei ist zu beachten, dass die Anzahl der Stände in dieser Reihe oder Spalte mindestens gleich der Anzahl abgebildeter Kunden sein muss und gleichzeitig mindestens ein eigener Stand den auf dem Kundenplättchen abgebildeten Bedürfnissen der Kunden entspricht (beispielsweise Fisch).
  3. Ein Restaurant eröffnen, indem dieses aus dem eigenen Vorrat auf ein freies Feld gespielt wird. Hierfür gibt es 1 Münze als Belohnung. Spieler:innen, die auf ein Feld mit inaktivem Restaurantplättchen auslegen, erhalten dieses ähnlich wie beim Ausspielen eines Standplättchens im Tausch in Ihren Vorrat. Restaurants werten passende angrenzende Stände auf => Sushibars die Fischstände, Teehäuser => Blumenstände, Pizzerien => Tomatenstände, usw. Kneipen werten alle Stände auf.
  4. 1 Münze nehmen. Wenn alle Spieler diese Aktion wählen, endet das Spiel sofort, bzw. bei 2 Spieler:innen, wenn beide diese Option 2 Mal hintereinander wählen.

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Ziel des Spiels ist es, am Spielende die meisten Münzen zu besitzen. Diese erhalten die Spieler:innen durch das Ausspielen von Kunden- und Standplättchen. Für einen ausgespielten Stand erhält man 1 Münze plus 1 weitere je angrenzendem passenden Restaurant multipliziert mit der Anzahl von Kunden an den Eingängen der jeweiligen Spalte und Reihe, die ein Bedürfnis nach der Ware dieses Standes haben.

Beispiel: Wird ein Fischstand angrenzend zu 2 Sushi-Restaurants gespielt und es befinden sich an den 4 Ausgängen der entsprechenden Reihe und Spalte 2 Kundenplättchen mit dem Bedürfnis nach Fisch auf welchen in Summe 5 Personen abgebildet sind, gibt es (1+2)*5 = 15 Münzen.

Wird ein Kundenplättchen platziert, erhalten alle nach der gleichen Logik Münzen für jeden Stand, der die gewünschte Ware dieses Kundenplättchens anbietet.

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Das Spielende wird eingeleitet, wenn nur noch 4 freie Felder auf dem Markt verfügbar, oder wenn nach dem Legen eines Kundenplättchens nur noch 4 Zugänge zum Markt frei sind. Im Anschluss haben alle noch einen Zug und es kommt zur Endwertung. Alternativ endet das Spiel wenn alle Spieler Aktion 4 gewählt und sich Geld genommen haben.

In der Endwertung wird jedem, von dem bereits erwirtschafteten Geld, eine Münze je nicht ausgespieltem Restaurant abgezogen. Es gewinnt wer das meiste Geld gesammelt hat.

MERCADO DE LISBOA bietet auch einen Solomodus, in dem eine Kampagne aus 9 verschiedenen Herausforderungen gespielt werden kann. Der Aufbau ist meist gleich zum Grundspiel, aber jede Station hat unterschiedliche Anforderungen. Beispielsweise gibt es nur Geld für einen Typ von Standplättchen, oder es dürfen nur Plättchen mit 3 Kunden verwendet werden, etc. Für jede Herausforderung gibt es Ruhmespunkte, die am Schluss für alle zusammengezählt werden. An Hand der Gesamtpunktzahl kann dann von einer Tabelle die abschließende Bewertung von „Weltklasse!“ bis „“Bist du überhaupt fähig, die Kneipe zu finden?“ abgelesen werden.

 

Im Wettstreit um die Aufmerksamkeit der Kunden

 

MERCADO DE LISBOA wird in einer stabilen Spielbox geliefert. Der untere Teil hat eine praktische Aussparung, um das Spielbrett einfacher entnehmen zu können. Warum dies auch beim Deckel gemacht wurde, konnten wir nicht ganz nachvollziehen. Darunter befindet sich ein Plastikinlay, dass das Spielmaterial ordentlich verstaut und eine schnelle Entnahme ermöglicht.

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Das Spielmaterial aus Karton und Holz ist von guter Qualität. Zusätzlich ist ein schicker Samtbeutel im Lieferumfang enthalten. Die Illustrationen sind schlicht gehalten und passen zum Thema.

Erfreulicherweise wurde Wert darauf gelegt, eine gleiche Verteilung von Frauen und Männern verschiedener Herkunftsländer darzustellen. Vorbildlich ist auch, dass die Holzstände unterschiedliche Formen aufweisen, wodurch auch Farbenblinde diese gut unterscheiden können. Diese Aufmerksamkeiten sind leider noch immer nicht Standard.

Die Anleitung fällt mit 4 Seiten angenehm kurz aus, hinzu kommen weitere 2 Seiten für den Solomodus. Die Regeln sind, auch dank gut gewählter Beispiele, leicht verständlich. Auf Spielhilfen wurde leider verzichtet, welche aber für Details sicherlich hilfreich gewesen wären. Es wurde beispielsweise häufiger vergessen, dass es eine Belohnung von 1 Münze für das Ausspielen eines Restaurants gibt.


Ein leicht zugängliches Spiel in dem Vital Lacerda, der Schöpfer solch erfolgreicher Schwergewichte wie KANBAN EV oder ON MARS, seine Finger im Spiel hat? Das macht erst mal neugierig und tatsächlich, das Spiel ist im Vergleich deutlich zugänglicher, in gerade mal 5 Minuten sind die Regeln erklärt.

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Wer jetzt denkt, dass es sich um ein einfaches Spiel mit wenig Tiefgang handelt, irrt sich jedoch, denn MERCADO DE LISBOA verlangt eine gute Planung, um erfolgreich ein effektives Zusammenspiel der richtigen Stand-, Restaurant-, und Kundenplättchen zu erreichen. Dabei die Aktionen der Gegner:innen vorherzusehen ist nicht einfach.

Besonders taktisch ist das Spiel zu zweit, da hier am besten vorhergesehen werden kann, wie sich die nächsten Runden gestalten werden. Je mehr Spieler, desto mehr nimmt diese Planbarkeit ab und der Glücksfaktor zu, denn wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.

Unerfahrene Spieler:innen, die unbedarft eine Aktion wählen, können dabei unbewusst schnell Gegner:innen ausbremsen, während andere dadurch profitieren, was schnell den Spielspaß negativ beeinflussen kann.

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Es kann zudem durchaus passieren, dass plötzlich nur noch schlechte Optionen zur Verfügung stehen. Lag der Fokus beispielsweise ausschließlich auf der Optimierung einer Reihe oder Spalte, können zwar kurzfristig schnell viele Siegpunkte erlangt werden, ist diese aber dann komplett belegt, dämmert es, dass nicht weitsichtig genug geplant wurde. Denn plötzlich fällt es schwer, im Anschluss noch signifikant Punkte zu generieren.

Grundsätzlich schätzen wir Spiele mit anspruchsvoller Spieltiefe und einfachen Regeln, aber MERCADO DE LISBOA hat bei uns einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen und konnte nicht so richtig zünden. Das liegt zum einen daran, dass die Züge sich häufig ein wenig nach Arbeit anfühlen. Zum anderen wird schnell spürbar, dass es trotz des netten Themas, ein sehr mechanisches Spiel ist. Das Thema könnte leicht ausgetauscht werden und geht im weiteren Spielverlauf verloren. Beispielsweise kostet das Eröffnen eines Standes Geld, für ein Restaurant erhalten wir welches.

MERCADO DE LISBOA wurde auf Basis des großen Bruders LISBOA, ebenfalls von Vital Lacerda, entwickelt, indem aus diesem ein Teilelement entnommen und zum eigenständigen Spiel umgestaltet wurde. Herausgekommen ist sicherlich ein taktisches, leicht zu lernendes Spiel. Die Erwartungen, die der Name Vital Lacerda, hier in Zusammenarbeit mit dem Co-Autor Julian Pombo, jedoch weckt, kann das Spiel aus unserer Sicht nicht erfüllen. Hierfür bietet es einfach zu wenig, um aus der Masse herauszustechen. Bei Interesse an taktischen Wettkämpfe, sowie für Solospieler auf Grund der „Kampagne“, ist es aber sicherlich einen Blick wert.

 

Wertung zum spiel

 

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Tags: Legespiel, 30-45 Minuten, 1-4 Spieler

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