TEST // Nyctophobia

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Hochpreisgemetzel oder doch nur billiger Trash?

Eines muss man „Nyctophobia“ eindeutig lassen – die Idee ist klasse. Blind durch ein Labyrinth zu streifen mit einem irren Killer im Nacken, hat eindeutig seinen Reiz. Allerdings hat sich dieser Reiz während des Spiels recht schnell wieder verloren. Das Umherstreifen fühlt sich relativ planlos an und die Suche nach dem Auto kann schnell zu einer nervigen Angelegenheit werden. Als Gejagter ergibt sich sehr schnell das Gefühl einer gewissen Machtlosigkeit, da die Aktionsmöglichkeiten arg begrenzt sind und es im Grunde nur darauf ankommt, zur richtigen Zeit die richtige Abzweigung zu nehmen. Bei manchen Figuren kommt noch hinzu, dass sich ihre Oberseiten so ähnlich wie die Begrenzungen anfühlen, was teils zu Verwirrung führen kann. Und je nachdem wie der Jäger spielt, kann es auch sehr schnell zum kompletten Frustlauf werden.

In der Anleitung wird klar gesagt, dass es zwar einen Gewinner im Spiel gibt, dass der Jäger sich aber auch seiner Rolle als Spielleiter bewusst sein sollte und nicht nur aufs Gewinnen aus sein darf. Wenn der Axtmörder nur zielstrebig auf seine Opfer los geht oder die Magierin die Gejagten wie Marionetten spielt, ist das Spiel recht schnell vorbei und der Jäger kann den großen Triumphator spielen, während die Gejagten nur Frust verspüren dürften.

Aber, das Spiel kann auch sehr viel Spaß machen und für gruselige Atmosphäre sorgen, wenn der Jäger das Rollenspiel annimmt und in die Rolle eines Angreifers schlüpft, dem es mehr daran gelegen ist, mit seinen Opfern zu spielen, anstatt sie einfach nur abzuschlachten. Wenn die Spieler tatsächlich an Hand der Worte oder der Stimmlage erkennen können, ob der Jäger nun die Wahrheit sagt oder sie in die Irre führt, und sie zudem auch noch der Atmosphäre entsprechend verhöhnt werden, dann, ja dann kann auch das Spiel durchaus zu einem atmosphärisch-spannenden Erlebnis werden.

Allerdings nutzt sich auch dieser Effekt irgendwann ab. Das Spiel bietet letzten Endes zu wenig Substanz, um auf Dauer unterhalten zu können. Genauso wie „Der Killer holt sich seine Opfer - Teil XII“ als Fortsetzung eines Slasher-Films immer weniger funktioniert, nutzt sich auch der Spaß-Spannungsfaktor in „Nyctophobia“ immer weiter ab. Wenn es noch neu, frisch und unverbraucht ist, macht es mit dem passenden Spielleiter sehr viel Spaß. Doch mit jedem Spiel bedarf es immer mehr Kreativität beim Jäger, um den Spaßfaktor aufrechtzuerhalten. Mit der falschen Gruppe und vor allem einer vom Siegeswillen getriebenen Person als Jäger, macht es schon in den ersten 1-2 Partien keine allzu große Freude.

Test Wertung // Nyctophobia – Begegnet der Blair Witch Hexe oder Jason am Freitag, der 13.

Bilder zum Spiel

Tags: Variable Helden-Fähigkeiten, 3-5 Spieler, Horror, Semi-Kooperativ, Memory

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