Erfahrungsbericht | Krimi Adventskalender – Das letzte Gericht

Erfahrungsbericht | Krimi Adventskalender – Das letzte Gericht

2021 und 2022 brachte „Homunculus Spiel“ einen eigenen Adventskalender auf den Markt, den sie im Vorfeld durch „Kickstarter“ finanzierten. Anders als andere Adventskalender sollten Spielgruppen hier Rätsel mit personalisiertem Anstrich bekommen, da sie ihre eigene Detektei „gründen“ durften, die dann im Verlauf des Spiels vorkam.

So konnten sich Spielgruppen durch insgesamt 24 Briefe rätseln, die nicht nur analog, sondern auch durch E-Mails und Webseiten in die digitale Welt gebracht worden sind. Ich hatte die Gelegenheit den Adventskalender von 2022 unter die Lupe zu nehmen und mir die Rätsel genauer anzuschauen.

 

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Da es sich bei „Das letzte Gericht“ um ein Produkt handelt, welches nicht mehr verfügbar ist, handelt es sich hierbei nicht um einen Test mit einer festen Wertung, sondern um einen Erfahrungsbericht mit dem Kalender. Rätsel-Fans sollen an dieser Stelle einen Eindruck bekommen, ob diese Art von Adventskalender auch für sie im Jahr 2023 interessant wäre. Jedes Jahr sollen die Adventskalender nämlich bis Ende November über die Verlagseigene Webseite verfügbar sein, sodass sich Interessierte ihren eigenen Adventskalender sichern können.
Aber genug drumherum geredet und rein in die Materie. Wie ich bereits angeschnitten habe, werden die Rätsel in Briefform dargeboten. In der Spielschachtel befanden sich insgesamt 24 Briefe, von denen nur der erste Brief nummeriert ist. Alle anderen Briefe sind selbst mit kleinen Rätseln versehen, deren Antworten sich in den Rätseln des Vortages finden lassen. Kommt eine Spielgruppe mal nicht weiter, gibt das Regelheft einige Hinweise. Insbesondere die Hilfen, um den richtigen Brief zu finden, sind dabei vielseitig, sodass die Gruppe im Normalfall nicht stecken bleiben kann.

 

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Zu den Rätseln an sich sei direkt gesagt, dass Neulinge oder Spielgruppen, die nur einmal einen Blick in die Welt der Rätsel werfen wollen, von ″Das letzte Gericht“ keine Gnade zu erwarten hatten. Der Schwierigkeitsgrad ist gehoben, da man permanent um mehrere Ecken denken und alle grauen Zellen in den Kampf schicken muss. Neulinge werden hier sehr schnell an die eigenen Grenzen stoßen, da selbst das erste Rätsel bereits sehr verworren und schwierig war. Selbst meine Frau und ich, die schon viele Escape-Spiele hinter uns haben, konnten kaum ein Rätsel ohne einen oder sogar zwei Hinweise lösen.
Dies lag jedoch nicht immer nur an den Rätseln an sich. Einige Aufgaben waren sehr ungenau, sodass wir sehr häufig einfach keine Idee hatten, was das Rätsel eigentlich von uns verlangte. Zum Beispiel gab es Rätsel, bei denen man Wörter reimen musste, die viele unterschiedliche Lösungen hatten, sodass man nicht wusste, was am Ende die eigentlich richtige Antwort war. Die Hinweise waren oft keine wirkliche Hilfe, da teilweise nur sehr abstrakte Hilfestellungen gegeben werden. Besonders für meine Frau war es teilweise sehr frustrierend, da sie viel Spaß am Knobeln und Rätsellösen hat, die Rätsel und Hinweise ihr aber nicht genug Material gaben, um diese wirklich lösen zu können. Mehrfach standen wir daher vor dem kompletten Abbruch des Kalenders, was mehr als nur schade gewesen wäre.


Es gab sogar zwei Rätsel, die wir selbst anhand der vorgegebenen Lösung nicht lösen konnten, obwohl wir uns einige Zeit dafür genommen haben, das Rätsel anhand der richtigen Antwort zu reproduzieren. Schaut man in die Kommentarsektion der Kickstarterkampagne des Spiels lässt sich ein ähnliches Bild erkennen, da auch hier einige Personen scheinbar Probleme mit den Rätseln und/oder Hinweisen hatten.
Was aber auch gesagt werden kann, ist, dass einiges um das Spiel herum klarer kommuniziert werden sollte. So ist der Schwierigkeitsgrad des Spiels beabsichtigt und soll laut dem Verlag auf „Kickstarter“ auch zukünftig beibehalten werden. Auch die Spielzeit ist nicht immer klar gesetzt. Während die Rätsel in ca. 15 Minuten gelöst sein sollten, saßen wir häufig 30-40 Minuten an einem Rätsel, was an sich nicht negativ ist, aber besonders für Gruppen, die ein schnelles Rätsel für Zwischendurch suchen, eine klare Überlastung sein kann. Ein Grund dafür war auch, dass ″Das letzte Gericht“ nichts für Lesemuffel ist. Einige Rätsel verlangen, dass bis zu vier DIN A4 Seiten durchgelesen werden müssen, um auch nur die Rahmenhandlung eines einzelnen Rätsels zu verstehen.

 

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Wer darauf nicht vorbereitet ist, verliert sehr schnell die Lust, da sich der Kalender nach einiger Zeit eher wie Arbeit anfühlt und seinen Spielcharakter verliert.


Neben der ganzen Kritik hatte ″Das letzte Gericht“ aber auch viele gute Aspekte. Die Rätsel waren sehr abwechslungsreich, da gebastelt, geschrieben, geknobelt und im Internet recherchiert werden musste. Dadurch kam kein „Alltagstrott“ in die Rätsel. Alle Rätsel erzählten eine zusammenhängende Geschichte, die mit ihren Wendungen und ihrer Erzählweise spannend und motivierend blieb. Die Rätsel nahmen teilweise Rückbezüge auf vorangegangene Antworten oder Hilfsmittel, sodass bekannte Elemente auch im späteren Verlauf relevant blieben. Zwar gab es Hinweise, die viel zu früh eingebracht worden sind und dann erst im letzten Rätsel gebraucht wurden, aber wenn die Gruppe eine gewisse Ordnung auf ihrem Spieltisch hat, ist das auch weniger ein Problem gewesen.


Was bleibt mir nun also noch zu sagen? ″Das letzte Gericht“ ist definitiv ein Krimi-Adventskalender für sehr erfahrene Spielgruppen oder Profis auf ihrem Gebiet. Spielgruppen, die sich bereits mit den bekannten Exit-Adventskalendern zufriedengeben, finden hier keine Alternative. Sollte man sich jedoch regelmäßig mit diesen Adventskalendern langweilen, bietet ″Das letzte Gericht“ eindeutig das nächste Level. Wenn es dem Verlag gelingt den Einstieg ein wenig sanfter zu gestalten und das Hilfesystem mit einer Vielzahl an wirklich sinnvollen Hinweisen auszubessern, kann die nächste Adventszeit für die Rätselprofis unter uns etwas Besonderes bereithalten.

 

 

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