TEST // Der Unterhändler - Die Erweiterungspakete

Der Unterhändler // Das sind die Erweiterungspakete

In meiner Rezension zu „Der Unterhändler“ kam ich zu dem Fazit, dass das Spiel ein fesselndes Erlebnis sein kann, in Sachen Abwechslung allerdings ein wenig dünn daherkommt. Wer dies ebenso empfindet und Lust auf noch mehr Action hat, kann sich über Erweiterungen weiteren Entführungsärger ins Haus holen und versuchen

, sich mit Verhandlungs- und Würfelglück aus dem Schlamassel zu befreien. Frosted Games bietet im Webshop ein Gesamtpaket mit allen 5 auf Deutsch verfügbaren Erweiterungen zu 45 € an. Eine einzelne Erweiterung schlägt mit 9 € zu Buche. Abgesehen von „Die Verhandler“, die exklusiv über den Frosted-Games-Shop bestellbar ist, sollten alle Erweiterungen auch im FLGS erhältlich sein. Wir haben uns das Erweiterungspaket gekauft, um für euch zu testen, wie die einzelnen Verhandlungen ablaufen und welche Erfahrungen wir dabei gemacht haben.

Der Boss

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Nach seiner Entlassung dreht der Geschäftsführer eines Großunternehmens durch und nimmt Geiseln in der Firmenzentrale. In gewohnter Manier geht es in die Verhandlungen mit dem Geiselnehmer. Allerdings gibt es bis zum Erfüllen einer Forderung die Einschränkung, dass nur 4 Karten pro Verhandlungsphase gespielt werden können. Als zusätzliches Extra gibt es 3 neue Verhandlungskarten, die einen Informanten unter den Geiseln darstellen, der uns insgeheim via Mobiltelefon hilft.

Die Petersen-Zwillinge

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Die Zwillinge Rolph und Dolph Petersen sind alte Hase im kriminellen Geschäft. Als jüngst eine Festnahme des Duos beim Zoll fehlschlägt, kommt es zur Geiselnahme und es wird Zeit für den Auftritt des Unterhändlers. Dabei gilt es 2 Geiselnehmer auszutricksen, wobei Dolphs Karte als Komplizenkarte unter die Karte des Entführers, in diesem Fall Rolph, gelegt wird. Dies bedeutet, dass zunächst Rolph überwältigt oder getötet werden muss und anschließend noch ein Duell gegen Dolph ansteht, dem allerdings dramatische Sofort-Bedingungen voranstehen. Gewonnen werden kann das Spiel in diesem Fall nur, wenn beide Entführer erledigt wurden. Als neues Spielelement gibt es zusätzlich noch Entscheidungen. Hierbei kann der Ermittler eine aus zwei Optionen wählen, die dem Spiel noch einmal eine entscheidende Wendung geben kann – zum Guten oder zum Schlechten!

Der Ex-Cop

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Früher war Jackson selbst ein Cop. Ein Lieutenant. Und heute soll er jemanden ermordet haben, was er allerdings vehement bestreitet. Ob es die richtige Entscheidung war, sich in der Wache mit Verwaltungsangestellten zu verbarrikadieren, ist zunächst Nebensache. Hier geht es darum, das Leben der Menschen zu retten, inkl. des Lebens von Jackson. Und so lautet eine neue Regel, dass der Entführer nicht getötet, sondern nur festgenommen werden darf. Sollte eine der Geiseln sterben, ist das Spiel direkt verloren. Eine weitere Gefahr besteht darin, dass die Gefangengehaltenen immer mehr unter dem Stockholm-Syndrom leiden und mit ihrem Entführer sympathisieren. Sollten 5 der Geiseln auf der Stockholm-Syndrom-Karte landen, hast du das Spiel ebenfalls verloren.

Auf der Flucht

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Nachdem Drogenboss Gonzalo Herrero einen Undercover Cop erschossen hat, entführte er einen Linienbus samt Insassen, um sich über die Grenze nach Mexico abzusetzen. Die Aufgabe des Unterhändlers besteht zunächst darin, den Bus zum Stoppen und die Geiseln in Sicherheit zu bringen. Zum Stoppen gibt es eine besondere Fähigkeit über Taktikkarten. Fährt der Bus, gibt es verschiedene Probleme. Zum einen ist es so nicht möglich, Herrero zu überwältigen, zum anderen gibt es über Ortskarten noch einen Malus zu beachten.

Die Verhandler

Der Unterhändler // Das sind die Erweiterungspakete

Bei den Verhandlern gibt es keinen neuen Geiselnehmer, sondern Hilfe für unsere Verhandlungen in Form von Spezialisten. Auf den Karten werden verschiedene Fachleute mit unterschiedlichen Fähigkeiten beschrieben, von denen man sich genau eine Karte aussuchen (oder natürlich auch zufällig ziehen) kann, um diese dann genau einmal im Spiel als Deus Ex Machina einsetzen und dadurch im besten Fall das Ruder zu seinen Gunsten rumreißen zu können.

Der Unterhändler // Das sind die Erweiterungspakete

Ich tue mich ein wenig schwer mit dem endgültigen Fazit zu dem Erweiterungen-Pack zu „Der Unterhändler“. Rein von der Sache her betrachtet, bieten die Packs genau das, was ich beim Schreiben der Rezension gewünscht habe. Mehr Abwechslung durch andere Verhandlungsarten und etwas mehr Auswahl bei den eigenen Aktionen. Hier liefert das Pack dann auch ab. „Der Boss“ bringt zwar nur marginale Änderungen mit sich, doch bei den anderen drei Geiselnehmern wurde für neue Mechaniken gesorgt. Mit „Die Verhandler“ stehen zusätzlich noch Spezialaktionen für den Unterhändler zur Verfügung, die zum richtigen Zeitpunkt klar den Unterschied ausmachen können.

Von der Beurteilung und Einstufung der einzelnen Inhalte schneidet das „Verhandler“-Paket bei mir am schlechtesten ab und belegt im Vergleichsranking Platz 5. Dadurch, dass nur eine einzige Karte mit auf die Hand genommen werden kann, wenn auch teils mit starker Funktion, hält sich der Mehrwehrt hier deutlich im Rahmen. Auf Platz 4 folgt bei mir „Der Boss“, der mit dem Informanten-Mechanismus nur einen marginalen neuen Mechanismus in Spiel bringt, der spielerisch kaum Einfluss nimmt und von dem ich in meinen Runden wenig Gebrauch gemacht habe. Etwas besser macht es da „Der Ex-Cop“ auf Platz 3, der mit dem Stockholm-Syndrom einen interessanten Ansatz bietet und taktisch ein wenig zum Umdenken zwingt. Dass die Ermittlungen, die im Hintergrund gegen ihn laufen, nur am Rande in den Hauptforderungen zum Einsatz kommen, ist äußerst schade. Gerade hier wäre einiges an Potential für spannende Momente gewesen. Dadurch hätte die Erweiterung noch einmal deutlich an Spannung gewinnen können.

Auf Platz 2 haben es in meiner Gunst „Die Petersen-Zwillinge“ gebracht, die mit am schwersten zu bekämpfen sind. Durch die Anwesenheit von gleich 2 Tätern mit kritischem Wendepunkt nach dem Besiegen eines von ihnen sowie den eingefügten Entscheidungen entstehen neue Momente, die das Spiel für mich bereichert haben. Aber auch die Zwillingspower konnte es nicht verhindern, dass mir die Verhandlung mit dem Drogenboss „Auf der Flucht“ im Linienbus am meisten Spaß gemacht hat. Das Stoppen und wieder starten lassen der Fahrt, nebst Malus für das entsprechende Gebiet, waren eine äußerst interessante Komponente, die das Spielgefühl für mich deutlich zum Positiven verändert haben. Wenn ich mir nur eine der Erweiterungen aussuchen könnte, es wäre genau diese.

Aber kann ich das Erweiterungen-Paket wirklich empfehlen? Vom Inhalt her – durchaus! Vom Preis-/Leistungsfaktor gesehen – definitiv nicht! Es wird sicherlich gute Gründe geben, warum Frosted Games pro Schachtel 9 € als Preis aufruft und für das Gesamtpaket bestehend aus allen 5 Erweiterungen 45 €. Die 45 € wäre in meinen Augen ein fairer Preis für das Grundspiel zusammen mit allen Erweiterungen. Das Erweiterungen-Pack würde ich hinsichtlich des Gegenwerts irgendwo zwischen 20 €-25 € ansiedeln, wenn es den spielerischen Gegenwert widerspiegeln soll.

Tags: Deckbauspiel, Strategie, Solospiel, Kartenspiel, Würfelspiel, Handmanagement

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