Brettspiel - Magazin

Meinung: Wie viel digital darf ein analoges Brettspiel sein?

Geschrieben von Daniel Krause.

Meinung: Wieviel digital darf ein analoges Brettspiel sein?

Gefühlt machen sich die neuen Medien zunehmend auch in der analogen Spielewelt breit. Zum einen erscheinen Spiele immer häufiger mit einer dazugehörigen App, manchmal funktionieren sie gar nicht mehr ohne. Zum anderen werden analoge Spiele mit immer mehr Aufwand digital umgesetzt und lassen sich dann auf vielen Geräten jederzeit digital spielen. Gegen Menschen und gegen die künstliche Intelligenz.

Diese Entwicklung wird unter Spielern sehr differenziert wahrgenommen. Oft gibt es eine klare Meinung für oder gegen diese Entwicklung. Die beide Grundeinstellungen sind also klar abgesteckt. Gerade jetzt, wenn das laut Boardgamegeek.com viert beliebteste Spiel “Terra Mystica” digital umgesetzt wird, freuen sich die einen Spieler, während die anderen genervt äußern: Spielt doch analog…

Wer sich mit dem Thema auseinandersetzt, wird schnell herausfinden, dass irgendwie beide Lager Recht haben.

Die Anhänger analoger Spieler fürchten die Haltbarkeit von Spielen. Nur wenn eine App auf neue Systeme portiert wird, kann die Zukunftssicherheit gewährleistet werden. Mal ehrlich: welcher kleine Verlag kann durch die einmaligen Einnahmen für ein Brettspiel einen jahrelang währenden Support garantiert sichern? Schon bei digitalen Spielen funktioniert das schlecht und ehemalige Vollpreisspiele sterben mit den Servern.

Zudem sind die Apps von entsprechenden Shops abhängig. Wenn Apple und google Ihre Regeln für die Shops verändern und die Apps nicht mehr den Standard entsprechen könnten sie aussortiert werden.

Gegen die Haltbarkeit von App abhängigen Spielen wie “First Martians” oder “Alleswisser” lassen sich nur schwer Argumente finden, denn es handelt sich hier um reine Spekulation.

Steigende Kosten sind ebenfalls ein Risiko von Apps. Im Moment stellt es sich so dar, dass Apps zu analog gekauften Spielen immer kostenlos sind. Jedoch ist es durchaus realistisch, dass Verlage in Zukunft den Mehraufwand bezahlt haben möchten. Es ist durchaus denkbar, dass Erweiterungen zukünftig digital zusätzlich kosten werden.

Eine weitere Möglichkeit ist, dass Spieleverlage analoges Spielmaterial einsparen, indem es nur noch in der App enthalten ist. Das würde sicher nur akzeptiert werden, wenn es plausibel und nachvollziehbar ist.

Die digitale Entwicklung geht immer mehr in die Richtung Spiele als permanenten Service zu betrachten, der dann immer wieder Anreize schafft erneut Geld dafür auszugeben. In der analogen Spiele-Welt sind es vor allem Kickstarter Spiele (die zahlreiche Erweiterungen als Aufpreis anbieten) oder die klassischen Living Card Games, die einen ähnlichen Ansatz haben. Die Folge ist, dass man niemals ein “fertiges” Spiel haben wird, da immer irgendetwas fehlt, was erst in der Zukunft hinzugefügt werden soll.

Ein Hauptargument der stark wachsenden Spielerschaft für analoge Spiele ist, endlich wieder Beschäftigungen zu haben, die nur per persönlichen Kontakt mit anderen Menschen funktioniert. Mit realen Menschen stundenlang an einem Tisch zu sitzen ist heutzutage fernab der Lebensrealität vieler Menschen. Selbst das Essen wird oftmals nicht mehr gemeinsam eingenommen. Da ist es schon fast ein Event einen ganzen Abend mit anderen Menschen im persönlichen Kontakt zu verbringen. In dieser exklusiven “Offline”-Zeit soll nicht schon wieder auf einen Bildschirm gestarrt werden.

Die Herausforderung oder das Messen mit anderen Menschen ist ebenfalls ein Argument für Spieler. Sie können sich friedlich am Tisch sitzend mit anderen realen Menschen messen und Strategien ausprobieren. Im direkten Kontakt ist das fordernd und motivierend zugleich.

Wo viel Schatten ist, ist auch Licht

Wo so viele Schatten sind, muss es auch Licht geben. Denn neben den zahlreichen Kontra -Argumenten gibt es tatsächlich einiges, was für Apps spricht.

Wer schon einmal “Escape - The Game” mit App gespielt hat und dadurch das Spiel durch eine Soundkulisse erweitert hat, wird festgestellt haben, dass das Spiel nur gewinnt. Bei “Alleswisser”, einem Quizzspiel können alles Spielbesitzer selber Fragen einreichen, die dann in den ständig wachsenden Pool an Fragen wandern. So kommt es kaum vor, dass sich Fragen wiederholen. Zudem lassen sich hier die Schwierigkeiten der Fragen an das Alter der Spieler anpassen. Das ist beides ebenfalls toll.

In “Pheeds Online” wird der zufällige Spielaufbau durch die App erklärt und das Spielfeld selber gibt Feedback durch LEDs um zu zeigen, an welche Stelle die Figuren und Gegenstände kommen. Zudem werden Abenteuer erzählt, die die Spieler gemeinsam bestreiten müssen. Ein Blick auf das Tablet oder das Smartphone ist nicht nötig.

Das alles erleichtert den Einstieg sehr und die Spieler können im Prinzip nahezu sofort starten.

Spieler, die eine große Affinität zu Technik haben, können die Argumente oft nicht verstehen. Das Messen mit Mitspielern funktioniert freilich auch digital. Alternativ kann dann, wenn kein Mensch da ist gegen einen Bot gespielt werden. So können Spiele auch alleine bestritten werden. Alleine spielen kommt für viele Spieler zwar nicht in Frage, jedoch ist es für einige eine Alternative - und sei es nur um ein Spiel kennen zu lernen. Mit einer App könnte das unter Umständen besser funktionieren.

Wie verhält es sich mit digitalen Umsetzungen von Brettspielen? Diese können ganz klar niemals die Vorlage ersetzen. Unabstreitbar ermöglichen sie es aber, in Abwesenheit von realen Mitspielern, ein Spiel zu spielen. Dabei ist es egal, ob es gegen Menschen geht oder gegen den Computer geht. Zur Vertiefung von Regeln und ausprobieren von Strategien sind digitale Gegner natürlich prädestiniert. Für den Preis zwischen 3-10 € sind die digitalen Umsetzungen meistens gut umgesetzt und bilden das Spiel gut ab.

Fazit

Es ist sinvoll sich mit der technischen Entwicklungen auseinander zu setzen. Nur auf diesem Weg lässt sich herausfinden, was gut und schlecht an der spielerischen Evolution ist. Wenn ein Spiel zwanghaft eine App erwartet, geht man das eventuelle Risiko ein, in ein paar Jahren das Spiel nicht mehr spielen zu können. Doch dass weiß man dann schon vor dem Kauf.

Am Ende kann man mit seinem Kaufverhalten mitbestimmen, welche Entwicklung gut ist und was nicht akzeptabel ist. Auf jeden Fall sollte man keine Angst vor neuen Entwicklungen haben und für sich selber herausfinden, welche neuen Möglichkeiten ein Spiel wirklich voran bringt und was überflüssig ist.