Test | Adventure Games – Im Nebelreich

Test | Adventure Games – Im Nebelreich

Erst eine Woche ist vergangen, seitdem ihr eure erste Mission von der Seherin eures Dorfes erhalten habt. Ihr solltet einige seltene Kräuter sammeln. Die Mission war also weder gefährlich noch besonders aufregend. Aber trotzdem konntet ihr seitdem keinen Schlaf mehr finden. Erst dachtet ihr, es sei die lange Reise, die ungewohnte Situation oder einfach Heimweh. Dann kam der Traum: Ein seltsamer purpurner Nebel legte sich über euer Heimatdorf, ein riesiger Schatten, verwirrte Rufe der Dorfbewohner, dann ein Blitz und Wolfsgeheul.

 

Erst als die Augenringe immer tiefer wurde, zogt ihr euch gegenseitig ins Vertrauen. Ihr hattet alle genau den gleichen Traum. Hundemüde, aber fest entschlossen, ihn Lügen zu strafen, brecht ihr ins Dorf auf. Nass vom starken Regen erkundet ihr dort alles und ruft nach euren Freunden und Familien… Nichts. Wie in eurem Traum ist das Dorf völlig ausgestorben.

„Im Nebelreich“ müsst ihr herausfinden, was geschehen ist und wohin alle verschwunden sind. Ob die Reise ins märchenhafte Nebelreich tatsächlich fantastisch ist oder der Spielspaß doch im Nebel verloren geht, erfahrt ihr in unserem Test.

 

info

 

Kosmos hat uns "Adventure Games – Im Nebelreich" freundlicherweise für eine Rezension zur Verfügung gestellt.

Dies hat keinen Einfluss auf unsere Bewertung!

 

 

Analoges Point-and-Click im Märchenwald

„Adventure Games – Im Nebelreich“ ist der mittlerweile sechste Teil der „Adventure Games“-Reihe und spielt sich auch wie die Vorgänger. Einer von vier Charakteren wird kontrolliert (zwei zugleich im Solo-Spiel), die sich auf eine mysteriöse Reise ins Unbekannte begeben. Diese erstreckt sich über drei Kapitel. Dabei werden neue Orte aufgedeckt, Rätsel gelöst und die Geschichte gemeinsam durch Lesen von Textabschnitten aus dem Abenteuerbuch erlebt. Gefundene Gegenstände können miteinander oder mit bestimmten Orten kombiniert werden sowie mit nichtspielbaren Charakteren. Gespräche oder andere Interaktionen treiben die Geschichte weiter voran.

 

adventure games im nebelreich 006

 

An den Grundmechaniken hat sich nicht viel verändert. Reihum bewegen alle ihre Charaktere auf einen Ort und interagieren mit diesem oder kombinieren Gegenstände. Dazu müssen wie zuvor wieder bestimmte Zahleneinträge herausgesucht oder für Kombinationen aneinandergereiht werden. Bei einer richtigen Kombination findet sich die entsprechende Zahl im Abenteuerbuch und wird vorgelesen – von einer Person der Spielgruppe oder der optionalen KOSMOS-Erklär-App.

So weit, so gewohnt. Neu ist ein mysteriöses zweites Buch ohne jegliche Aufschrift. Dieses wird erst im Verlauf des Abenteuers freigeschaltet. Bereits in der Spielanleitung wird aber erwähnt, dass es sich hierbei um das „Tagebuch von Amira“ handelt, das im Spielverlauf mehr zu den Hintergründen der Spielwelt erzählt. Mehr dazu sei an dieser Stelle nicht verraten.

Ebenfalls neu sind Konfrontationen. Beispielsweise könnte ein Drache ein Tor blockieren und nun muss der Charakter, der diese Begegnung ausgelöst hat, entscheiden, wie gegen den Widersacher vorgegangen werden soll. Zur Auswahl stehen Stärke, Heimlichkeit und Schläue. Es gibt also die Möglichkeiten, direkt in einen Kampf zu gehen, auf leisen Sohlen zu umschleichen oder mit Cleverness auszutricksen. Gelegentlich sind für unterschiedliche Herangehensweisen noch unterschiedliche Gegenstände, andere Charaktere oder bestimmte Situationen erforderlich. Bei Erfolg steigen die individuellen Werte auf. Solltet der Drachen also mit Gewalt bezwungen werden, steigt danach der Stärkewert. Im Verlauf des Abenteuers tauchen immer wieder Stellen auf, für die ein bestimmtes Level in einem dieser Werte nötigt ist oder eine bessere Option damit zur Wahl steht.

 

adventure games im nebelreich 007

 

Auch ziemlich neu fühlt sich das Setting an. Denn „Im Nebelreich“ spielt in einer bunten Fantasywelt, die von sprechenden Tieren und magischen Wesen bevölkert wird. Die Illustrationen sind ebenfalls bunt und verspielt und unterscheiden sich relativ stark zu den oft düsteren oder leicht unheimlichen Kulissen der vorherigen „Adventure Games“. Außerdem gibt es kein Wertungssystem mehr und somit entfällt die Punktewertung am Ende des Abenteuers, die zeigt, wie gut oder schlecht das Abenteuer bestritten wurde.


 

philipp meine meinung

 

Die „Adventure Games“ von KOSMOS waren für mich bislang eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Die ersten drei Teile („Das Verlies“, „Die Monochrome AG“ und „Die Vulkaninsel“) gehören zu meinen besten Spiele- oder besser Rätsel-Erfahrungen der letzten Jahre und haben in meiner Spielgruppe eine Leidenschaft für Mystery- und Rätselspiele entfacht. Die beiden Ableger, die darauffolgten, haben mich allerdings eher kalt gelassen, was mal am Setting und mal an bestimmten Designentscheidungen lag. Jedenfalls war ich nicht gänzlich zufrieden mit der Entwicklung der „Adventure Games“ und hatte schon vermutet, dass ich der Reihe nach dem fünften Teil überdrüssig geworden war.

Ich hätte kaum weiter daneben liegen könnten, denn „Im Nebelreich“ hat mich begeistert. Dabei war ich zuerst äußerst skeptisch gegenüber dem Setting. Beim ersten Blick auf das Artwork war ich zwar beeindruckt, denn es sieht wirklich verdammt gut aus, aber ich hatte fast mit einer Art Kinder-Version oder Ähnlichem gerechnet. Weit gefehlt.

 

adventure games im nebelreich 002

 

Zwar ist dieser Teil wahrscheinlich dank des Settings auch sehr gut mit Kindern spielbar, aber es versprüht trotzdem ein sehr gutes Mystery-Feeling. Zu Beginn tappt man völlig im Dunkeln und fragt sich pausenlos, was denn nur passiert sein könnte und wer oder was hinter alldem steckt. Dabei schafft es das Spiel nicht zu viel zu verbergen, aber auch nicht zu viel zu verraten. Die ersten Schritte zu unbekannten Orten sind aufregend und es macht Spaß, die Karte Stück für Stück aufzudecken. Dazu kommt die spannende Story, die mit viel, aber auch nicht zu viel Humor geschrieben ist. Und apropos Humor, der ist in dieser Version wirklich herausragend, was aber wahrscheinlich ein sehr subjektiver Eindruck ist. So wird es recht schnell zu einem Running Gag, dass die Namen fast aller Charaktere Alliterationen sind. Zum Beispiel spielen wir mit Matti Maulwurf, Sami Schildkröte oder Wicky Waschbär. Weitere Charaktere verrate ich an dieser Stelle nicht, aber bei manchen passt es so gut (oder eben auch nicht), sodass ich jetzt noch schmunzeln muss.

Ein weiteres Highlight sind die neuen Konfrontationen. Anders als zuerst gedacht, ist es bei diesen meistens gar nicht so wichtig, dass man besonders gut in einem der drei Statuswerte ist. So muss man nicht besonders viel „Schläue“ besitzen, um Gegner auf diese Weise zu besiegen. Wobei „besiegen“ in vielen Situationen das falsche Wort ist. Häufig kommen die komischsten Ergebnisse dabei heraus, wenn man beispielsweise versucht, einen bestimmten Gegner auf intelligente Weise mit einem Stück Obst zu überwinden. Es kommt nicht selten vor, dass bei einer bestimmten Herangehensweise auch noch ein Gegenstand oder gar eine spezielle Situation auf dem Spielplan genutzt werden kann oder muss. Beispielsweise könnte es nötig sein, dass ein anderer Charakter ein Ablenkungsmanöver startet, damit man sich davonschleichen kann. Aber dafür muss natürlich auch ein weiterer Charakter anwesend sein. Diese Mechanik hat mir sehr gefallen und war immer wieder für einen Lacher gut.

Von einer Einteilung in den obersten Etagen des Bewertungs-Olymps halten „Im Nebelreich“ der „Adventure Games“-Reihe dann aber doch ein paar Unzulänglichkeiten ab.

Mein größter Kritikpunkt ist dabei das Ende der Geschichte, denn hier wird die Story doch ziemlich übertrieben pathetisch und die Rätsel werden weniger intuitiv. Außerdem zog es sich zum Ende etwas länger hin, als es nötig gewesen wäre. Vor allem dann, wenn man die individuellen Charakter-Quests auch zum Ende bringen möchte. Insgesamt gehört „Im Nebelreich“ wohl zu den längsten Teilen. Keines der drei Kapitel haben wir in unter zwei Stunden gelöst, was natürlich nicht unbedingt negativ ist.

 

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Seit Anfang der Reihe stößt mir das Tipp-System sauer auf und dieses ist auch hier wieder ziemlich schwach. Denn die Tipps sind gar keine Tipps, sondern einfach Lösungen. Kommt man an einer Stelle nicht weiter, kann man sich nur nach dem Zufallsprinzip die Lösungen für bestimmte Orte oder Gegenstände anschauen. Das ist ziemlich schade, denn in den allermeisten Fällen hätte es ein kleiner Hinweis getan. Außerdem fehlt auf diese Weise manchmal der Kontext, denn es wird nicht erklärt, warum man bestimmte Dinge kombinieren muss. So konnten wir zwar ein Rätsel am Ende doch lösen, aber warum gerade so… das konnten wir nicht herausfinden.

Aber ganz ehrlich? Mehr gibt es an „Adventure Games – Im Nebelreich“ nicht zu meckern. Insgesamt erwartet euch hier ein spaßiges Rätselabenteuer mit wunderschönen Illustrationen und einer spannend geschriebenen Story. Die Grundpfeiler der vorherigen Ableger wurden beibehalten und um tolle neue Ideen, wie z. B. die Konfrontationen, erweitert. Das bunte Setting passt besser als gedacht und haucht der Reihe neues Leben ein. Die sympathischen Charaktere und der Humor sind die Kirsche auf der Fantasy-Torte und sorgen immer wieder für Schmunzeln. Und so lichtet sich der Nebel über einem Spiel, das ich allen „Adventure Games“-Veteranen sowie auch Neueinsteigern mit Lust auf kurzweiligen Rätselspaß empfehlen kann.

 

 

wertung

 

 

 

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Tags: 1-4 Personen, Mystery, Storytelling, Kampagne, Abenteuer

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