TEST // Riverboat

TEST // Riverboat

Verfasst von Uwe Schnepf am .

„Es lohnt sich wohl der Mühe, von dem Mississippi zu lesen; er ist kein gewöhnlicher Fluss, sondern in jeder Beziehung merkwürdig.“  Mit diesen einleitenden Worten des begnadeten Mark Twain werden die 2-4 SpielerInnen in Riverboat an den Mississippi des 19. Jahrhunderts versetzt. Im 2017 erschienenen Strategiespiel von Erfolgsautor Michael Kiesling (u.a. Azul, Tikal, Torres) müsst ihr verschiedene Ackerfeldfrüchte anbauen und diese anschließend möglichst gewinnbringend am geschäftigen Hafen von New Orleans veräußern. Dabei solltet ihr niemals den Einfluss auf Kommissionäre und den Hafenmeister außer Acht lassen, denn deren Wohlwollen ist ebenfalls entscheidend für euer Gelingen.

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Wir haben uns das Spiel genauer angeschaut und wollen euch nun über Vorzüge und Schwächen berichten. Für diese Rezension haben wir vom Verlag ein kostenfreies Rezensionsexemplar erhalten, was selbstverständlich keinen Einfluss auf die Wertung hatte. Ich wünsche viel Spaß beim hoffentlich nicht allzu mühevollen Lesen.

Worum geht es im Spiel

riverboat02Wie bereits oben erwähnt, thematisiert Riverboat den Anbau und Verkauf von Gemüse an Amerikas wohl bekanntestem Fluss. Ziel der SpielerInnen ist es dabei, möglichst erfolgreich zu taktieren und am Ende einer Partie die meisten Siegpunkte zu erwirtschaften. Jede Partie geht über vier Runden, welche ihrerseits aus fünf Phasen bestehen. Eine Phase umfasst immer eine damit verknüpfte Aktion, welche die SpielerInnen reihum ausführen. Anders als in vielen vergleichbaren Spielen wechselt der Startspieler nicht nach Ablauf einer Runde, sondern bereits nach jeder Phase. Welcher der Kontrahenten wann StartspielerIn ist, wird vor der Runde festgelegt, indem abwechselnd die fünf Phasenplättchen verteilt werden. Dabei bringt jedes Phasenplättchen zu Beginn der Phase auch einen kleinen Vorteil. In den folgenden Abschnitten möchte ich euch nun die einzelnen Phasen grob vorstellen, um euch einen besseren Eindruck vom Spielgeschehen zu vermitteln.

Phase 1

Zunächst müssen die SpielerInnen ihre Arbeiter zusammentrommeln. Dafür werden acht Gebietskarten vom Stapel gezogen und einzeln aufgedeckt. Jeder der SpielerInnen muss dann sofort einen seiner Arbeiter auf ein noch freies Feld der abgebildeten Farbe platzieren. Möchte man dies nicht, kann auch eine Münze abgeworfen und der Arbeiter so auf ein beliebiges Feld gelegt werden. Allerdings sind Münzen auch jeweils einen Siegpunkt wert, also sollte man damit sparsam haushalten. Grundsätzlich können die SpielerInnen sich übrigens in jeder Phase diese Wahlfreiheit erkaufen, weswegen ich ab jetzt darauf nicht mehr gesondert hinweisen werde.

Phase 2

riverboat04Nun werden die gerade eingesetzten Arbeiter genutzt, um die Äcker zu bepflanzen. Die SpielerInnen nehmen reihum je ein Ackerfruchtplättchen von der Auslage und legen es passend unter die entsprechende Anzahl an Arbeitern. Gewählt werden kann zwischen 1-3 Felder großen Ackerfruchtplättchen, wobei man für 2-3 Felder große Teile zusätzlich Siegpunkte erhält. Beim Einpflanzen sollte man zudem Obacht geben, dass möglichst große zusammenhängende Flächen entstehen, da dies am Rundenende bei der Wertung der sogenannten Anschaffungen vorteilhaft ist. Diese umfassen

und sind somit unerlässlich für den Erfolg.

Phase 3

Jetzt ist es endlich soweit und die Ernte wird eingefahren und verkauft. Dafür wählt man im New Orleans-Teil des Spielfeldes ein Flussboot aus, welches man sofort mit der aufgedruckten Anzahl an gleichen Ackerfeldfrüchten beladen muss. Die Flussboote selbst bringen einem Siegpunkte, Anschaffungen, erlauben das Weiterziehen des Hafenmeisters auf dem eigenen Tableau oder das Einsetzen von Kommissionären. Der Hafenmeister ist eine Figur, die immens wichtig ist für die Endwertung. Das liegt daran, dass nur diejenigen Flussboote am eigenen Tableau gewertet werden, bis zu welchen der Hafenmeister an den Stegen auch gekommen ist. Außerdem erhält nur der Spieler, dessen Hafenmeister am weitesten bewegt wurde, die volle Punktzahl. Alle anderen müssen ihrer Siegpunkte am Schluss nämlich halbieren. Ein ähnlicher Wettlauf findet auch mit den Kommissionären statt. Für deren Rekrutierung können die SpielerInnen eigene Arbeiter nach New Orleans schicken, wo sie bis zum Schluss verbleiben. Wer hier die meisten Kommissionäre hat, kann dank seines Einflusses nochmals mit satten Boni rechnen.

Phase 4

Nach all der Schinderei heißt es nun noch günstige Gelegenheiten in New Orleans zu erspähen. Dies wird dadurch erledigt, dass nun jeder Spieler ausgehend vom Startspieler sich eine Karte in der Auslage auswählen darf, die bei der Wertung nochmals zusätzliche Siegpunkte bringt. Diese sind allerdings an Bedingungen geknüpft, welche man zunächst erfüllen muss. Meist muss man bestimmte Ackerfeldfrüchte ernten oder erhält die Boni gleich für die Anzahl an Scheunen oder Brunnen auf dem eigenen Tableau.

Phase 5

Zum Schluss erfolgt eine Zwischenwertung. Dafür können rundenabhängig zunächst bis zu drei Gutachter aus dem Vorrat auf Scheunen, Brunnen oder günstige Gelegenheiten platziert werden, um deren Punkte sofort und einmalig zu erhalten. Hat man dies gemacht, endet die Runde und es werden noch Zusatzpunkte für die Anzahl an Kommissionären und Gutachtern auf dem Spielplan an den jeweiligen Besitzer verteilt. Nach der vierten Zwischenwertung folgt direkt im Anschluss die Endwertung. Hier erhalten die SpielerInnen noch Punkte für vollständig abgedeckte Farben auf ihren Feldern, die Flussboote und Kommissionäre. Nachdem auch dies zusammengezählt ist, wird der Sieger ermittelt.

Damit möchte ich es mit den wichtigsten Regeln auch belassen und euch nun einige Information zur Qualität des Spielmaterials geben.

Der Boden, aus dem die Ackerfrüchte sind

riverboat10Schon die Coverart der Box vermittelt mit seinen Farben und der malerischen Landschaftsabbildung einiges an Atmosphäre. Typisch für Lookout Spiele ist die Box ausreichend groß und gut gefüllt. Außerdem macht sie einen wertigen und stabilen Eindruck. Im Innern verstecken sich zahlreiche Holzfiguren, Plättchen, Tokens und einige Karten, die sich in ausreichend Zip-Beuteln verstauen lassen. Alle Materialien sind ausreichend dick und sollten daher selbst nach längerer Zeit nicht stark abnutzen. Beim Lesen der Anleitung stellt man schnell fest, dass hier Profis am Werk waren. Die Regeln sind verständlich geschrieben und bis auf wenige Ausnahmen klar strukturiert. Darüber hinaus bietet sie anschauliche Beispiele, welche bei Unklarheiten Abhilfe verschaffen. Zusätzlich finden sich auf einigen Seiten Zitate von berühmten Autoren, welche sich in ihren Werken mit dem Mississippi beschäftigt haben. Aber genug Worte verloren. Es ist Zeit, den Blick wieder zu weiten und beim Fazit anzulangen.

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uwe

Man erntet, was man säht

Kann sich Riverboat nun wie ein Schaufelraddampfer aus der grauen Masse an Strategiespielen herausheben oder versumpft das Ganze im Niemandsland? Bei der Spielmechanik jedenfalls lässt sich ein alter Hase wie Michael Kiesling natürlich nicht lumpen. Mir persönlich hat die Mischung aus Workerplacement, ein klein wenig Puzzle, Glückselementen und dem stetigen Wettlauf gegen die Konkurrenz jedenfalls einiges an Spaß bereitet. Interessant fand ich vor allem, dass der Startspieler durch das Verteilen der Phasenkarten ständig wechselt und man so bereits vor Rundenbeginn genau planen muss, welche Vorteile und Aktionen einen am ehesten ans Ziel bringen. Das sorgt für Dynamik im Spielablauf, welche auch durch die geringe Downtime unterstützt wird. Da die Auslage immer wieder anders aufgebaut wird, ist ein stetiger Wiederspielreiz ebenfalls gegeben. Auch das Spielmaterial weiß größtenteils zu überzeugen, auch wenn man mit heutigen Kickstartern qualitativ nicht mithalten kann. Zusammen mit der einigermaßen hohen Interaktion, die durch das ständige Wegschnappen von Plättchen und Karten garantiert ist, ergibt sich mir also ein stimmiges und logisches Gesamtbild.

Abzüge gibt es jedoch in der B-Note. Im Allgemeinen legt das Spielbrett aus meiner Sicht eher Wert auf Funktionalität und greift die Hintergrundgeschichte des Spiels nur am Rande auf. Ohnehin wirkte die Thematik für alle Anwesenden am Tisch eher austauschbar. Schade eigentlich, denn spätestens die liebevollen Flavour-Texte in der Anleitung haben mehr erwarten lassen. Das ist aber weniger schlimm als andere gestalterische Mängel. So ist die Farbwahl bei der Auslage von Ackerfeldfrüchten sowie die zugehörige Symbolik definitiv danebengegangen. Gerade bei schlechtem Licht lassen diese sich nämlich nur schwer unterscheiden. Bei den Schiffsplättchen (2er und 3er) ist es zudem jedes Mal vor Beginn ein Kampf, diese auseinander zu dröseln. Ein Sortiersystem hätte hier Abhilfe geschaffen. Aufgrund der Größe der Plättchen ist die Handhabung ebenfalls unnötig frickelig. Das haben andere Spiele aus dem Verlag schon besser gelöst bekommen.

Trotz dieser Merkwürdigkeiten lohnt sich der Kauf gerade für Einsteiger in den Bereich der Kennerspiele. Die Kombination aus Strategie gepaart mit Fortunas Zutun sollte bei dieser Zielgruppe gut ankommen. Die recht einfachen Regeln erlauben einen schnellen Einstieg und verheißen so interessante Stunden am Mississippi. VielspielerInnen jedoch wird Riverboat wahrscheinlich auf mittlere bis lange Sicht zu eintönig sein, da die taktischen Möglichkeiten eher begrenzt sind und der Sieg meistens doch anhand der Kommissionäre oder dem Hafenmeister ausgemacht wird. Wen das allerdings nicht stört und man auf der Suche ist nach einem etwas weniger anspruchsvollen Spiel, welches auch nach einem langen Arbeitstag noch zündet, der sollte einen Blick riskieren. Denn unterm Strich ist Riverboat ein gelungenes Spiel, das auch in Zukunft noch das ein oder andere Mal bei mir auf dem Tisch landen wird, wenn es mir der gute Tom Sawyer nicht wegschnappt. Aber das ist eine andere Geschichte, die ich euch vielleicht beim nächsten Mal erzähle. Bis dahin, viel Vergnügen beim Spielen.

Bewertung

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Bilder vom Spiel

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Tags: Strategie, 2-4 Spieler, Puzzle, Sets erstellen, Amerika, Worker Placement, Liefern, 60-90 Minuten, Karten draften, Teile Platzieren

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