TEST // Sternenschiff Catan

TEST // Sternenschiff Catan

Verfasst von Uwe Schnepf am .

Tagtäglich umgibt uns die beklemmende Finsternis des unendlichen Alls auf unserer Reise zu den entlegensten Handelsplaneten und ihren Völkern. Die Angst vor räuberischen Piraten ist dabei ein ebenso stetiger Begleiter wie die zahlreichen Waren in unserem prächtigen Sternenschiff. Doch mit ein wenig Glück und ausreichend Bordkanonen werden wir auch dieses Abendteuer überstehen und uns am gegen die unerbittliche Konkurrenz durchsetzen und zu unserem geliebten Heimatplaneten zurückkehren können.

 Genau diese Geschichte wird dem CATAN-Fanatiker beim Spielen von Klaus Teubers „Sternenschiff Catan“ erzählt. Daher möchte ich euch zu Ehren von seines kürzlich gefeierten 67. Geburtstags und der angekündigten Wiederveröffentlichung des großen Bruders „Die Sternfahrer von Catan“ die oben genannte Auskopplung für zwei Personen vorstellen. Auf meiner Mission stand mir ein Privatexemplar zur Verfügung. Selbstverständlich haben wir dabei alles wieder gründlichst auf Carbon und Eisen untersucht.

Worum geht es im Spiel

sternenfahrer02In „Sternenschiff Catan“ übernimmt jeder Spieler die Rolle des Kapitäns eines Sternenschiffs. Ziel des würfel- und kartengesteuerten Spiels ist es, durch geschicktes Handeln und Bauen sowie dem Schließen von Allianzen als erster 10 Siegpunkte zu erreichen. Die Partien sind rundenbasiert, wobei jede Runde aus jeweils drei Aktionsphasen besteht, auf welche im Folgenden grob eingehen möchte.

In der Produktionsphase wird CATAN-typisch ein Würfel geworfen und auf Basis der eigenen Kolonien und Zentren die Rohstoffe an beide SpielerInnen verteilt. Diese werden im weiteren Verlauf der Runde zum Handeln und Kaufen benötigt.

Danach folgt die Flugphase, welche sicherlich das Herzstück des Spiels ausmacht. Hier kommt der eben geworfene Würfel nochmals zum Einsatz, da seine Augenzahl die Grundgeschwindigkeit des Raumschiffs darstellt. Addiert man hierzu die Anzahl der Antriebe, weiß man, wie weit man diesmal ins All vordringen kann. Das All selbst wird in „Sternenschiff Catan“ durch vier gleich große Kartenstapel repräsentiert. Je nach Fluggeschwindigkeit wird nun nacheinander die entsprechende Zahl an Sektorenkarten vom Mitspieler aufgedeckt und man selbst entscheidet, ob die abgedruckte Aktion ausgeführt werden soll oder nicht. Die Aktionen umfassen das Handeln mit anderen Völkern, die Gründung neuer Kolonien oder Handelsstationen, Aufgaben des galaktischen Rates oder Piratenangriffe. Letztere müssen immer ausgeführt werden und stellen eine Art Würfelduell dar, welches man durch das Zukaufen von Bordkanonen auch beeinflussen kann. Dies bringt einem letztlich sogar ab einer bestimmten Zahl von Medaillen die Auszeichnung „Held der Völker“ und somit einen zusätzlichen Siegpunkt ein. Kolonien und Handelsstationen können nur dann gegründet werden, wenn die benötigten Ressourcen im Lager vorhanden sind und man außerdem ein entsprechendes Beischiff abgibt. Wie immer im CATAN-Universum sind es diese Bauten, welche hauptsächlich Siegpunkte generieren. Aufgaben des galaktischen Rates können meist durch Abgabe von Rohstoffen oder das Erfüllen bestimmter Bedingungen abgeschlossen werden. Auch sie führen neben kleineren Boni letzten Endes dazu, ein „Freund der Völker“ zu werden, was weitere Siegpunkte liefert. Die Flugphase endet, sobald der aktive Spieler zwei dieser Aktionen getätigt hat, freiwillig stoppt oder gegen einen Piraten verloren hat. Dabei wird der Stapel gegebenenfalls aufgefüllt und am Ende grünlich gemischt. Es lohnt sich also für beide SpielerInnen, sich zu merken, in welchem Stapel sich die lukrativsten Karten befinden.

Daraufhin beginnt die abschließende Handels- und Bauphase, in welcher mit dem Mitspieler gefeilscht wird oder man das Raumschiff mit Zentren, Beischiffen, Antrieben und Bordkanonen ausbaut. Die Zentren sollten strategisch nicht unterschätzt werden, da sie wichtige Vorteile und Einnahmequellen garantieren. Bei einem Ausbau zur zweiten Stufe warten zudem weitere Siegpunkte auf die SpielerInnen. Ist der aktive Part mit all dem fertig, ist der Mitspieler an der Reihe. Dieses Hin und Her endet, sobald die oben genannte Siegbedingung von einem der beiden SpielerInnen erfüllt wurde.

Und damit kommen wir auch schon zum Spielmaterial, welches in diesem packenden Duell zur Verfügung steht.

Sternenschiffe und eine Menge Astros

sternenfahrer06Bereits beim Unboxing der schön bedruckten Schachtel, welche sich am Design von „Die Sternfahrer von Catan“ orientiert, fallen einem die zahlreichen Karten des Spiels auf. Diese haben KOSMOS-typisch eine gute Qualität und bestechen durch gut sichtbare und verständliche Symbolik. Gleiches gilt auch für die Anleitung, welche mit zahlreichen Beispielen aufwartet und nach dem ersten Lesen keine Fragen auflässt. Wem das zu anstrengend ist, kann sich das Spielgeschehen auch weitestgehend von Prof. Easy in einer Einführungspartie erklären lassen. Farblich ist das Spielmaterial in einer Mischung aus düsterem Schwarz und bunten Tönen gehalten. Die beiden Sternenschiffe, welche als Tableau dienen, haben eine ansprechende Dicke und sind trotz der verspielten Gestaltung noch übersichtlich genug. Dazu gesellen sich noch griffige Tokens, welche entweder als Anzeiger im Lager fungieren oder die imaginäre Währung Astro repräsentieren. Von diesen Astros sind genügend beigelegt, sodass es nie zu einer Verknappung kommt. Besonders schön anzusehen sind die Bordkanonen und Antriebe, welche aber leider nicht immer in die angedachten Steckplätze passen wollen. Immerhin passen all diese Materialien dafür optimal in den praktischen Schachteleinsatz.

Jetzt haben wir den Planeten aber lange genug umflogen und es ist Zeit für ein Fazit.


 

uwe

Licht- oder Mopsgeschwindigkeit?

Lohnt sich nun also die beschwerliche Reise mit dem Sternenschiff oder nicht? Eine einfache Antwort kann ich darauf nicht geben. Also versuche ich es gar nicht erst und fange nochmal von vorne an. Lange Zeit wusste ich gar nichts von der Existenz des Spiels und kannte lediglich die „Sternfahrer von Catan“. Entsprechend groß war die Freude, als die Schachtel sogar noch in Originalverpackung vor mir stand. Das Spielmaterial muss sich trotz seines Alters nicht vor neueren Releases verstecken. Vor allem die Illustrationen entführen einen mit ihrer Mischung aus düsteren Grundfarben und knalligen Akzenten sofort in die vertraute Welt der Science Ficiton-Abendteuer. Lediglich die Antriebe und Bordkanonen sind wenig gelungen, da sie nicht so recht in die Steckplätze passen und daher schneller kaputt gehen können. Der Spieleinstieg hingegen ist durch die Einführungspartie mit Prof. Easy wieder sehr gut umgesetzt, auch wenn Vielspieler aufgrund der hervorragend geschriebenen Anleitung darauf verzichten können. Akademiker neigen schließlich manchmal zu längeren Ausschweifungen, wenn ihr versteht, was ich meine.

Die Spielmechanik selbst ist nahezu fehlerfrei durchdacht und schafft es auf erstaunliche Weise, typische Elemente des CATAN-Kosmos mit Neuem zu kombinieren. Besonders gefällt mir, dass die Kontrahenten während der Flugphase und beim Handeln ständig interagieren. Allerdings nimmt das Handeln in „Sternenschiff Catan“ nur eine untergeordnete Rolle ein, da es ohnehin taktisch klüger ist, dem Gegner die Rohstoffe einfach durch das entsprechende Zentrum zu klauen. Abseits davon punktet das Spiel durch schnelle Spielzüge, modularen Aufbau, überschaubare Aktionsmöglichkeiten und den Einbau einer Memory-Komponente und Press Your Luck in der Flugphase. Selbst dem für einige unliebsamen Zufall kann man hier durch die Wahl entsprechender Ausbauten recht gut begegnen.

Es gibt jedoch auch ein kleines Minus, welches die Vergabe der Siegpunkte betrifft. Gegen Ende der Partie sind nämlich die Optionen oft sehr begrenzt, wodurch das Kopf-an-Kopf-Rennen sich dann eben auf ein oder zwei Strategien herunterbricht. Spannung entsteht so natürlich trotzdem. Andererseits ist es ärgerlich, da eine größere Handlungsvielfalt ja ein Markenzeichen der CATAN-Reihe ist. Man kann diesen Effekt mit Hausregeln grundsätzlich etwas abschwächen, indem die Siegbedingung auf acht Punkte herabgeschraubt wird. Dadurch kommt man auch eher an die vom Verlag angesetzte Spieldauer, die wir bei einer vollen Runde noch nie einhalten konnten.

Unabhängig von diesen Schwächen stellt „Sternenschiff Catan“ für mich insgesamt ein sehr gutes Brettspiel dar und muss sich auch vor einem Großteil der heutigen Konkurrenten nicht verstecken. Das Spiel macht großen Spaß und stellt eine tolle Mischung aus sauber ineinandergreifenden Mechaniken dar. Fans von seichteren Strategiespielen kommen unter Anwendung der oben beschriebenen Hausregel also voll auf ihre Kosten. Obwohl das Spiel nicht mehr hergestellt wird, findet man auf amazon.de oder boardgamegeek.com noch ausreichend gut erhaltene Exemplare zu fairen Preisen, weswegen jeder interessierte Käufer noch zuschlagen kann. Und wer weiß schon, ob der KOSMOS Verlag nach dem Reprint des großen Bruders sich nicht demnächst auch noch „Sternenschiff Catan“ annimmt. Ich finde ja, dass dies angebracht wäre und verabschiede mich hiermit. Schließlich gilt es, den nächsten Handelsauftrag unter Dach und Fach zu bringen.

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Bilder vom Spiel

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Tags: Strategie, Science Fiction

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