TEST // The Lost Expedition

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Test // The Lost Expedition – Nur die Harten und Cleveren kommen zum Z

“The Lost Expedition” ist zwar regeltechnisch ein relativ einfaches Spiel, aber dennoch sehr fordernd. Bei den meisten Versuchen, das Abenteuer zu meistern, wird es den Spielern ähnlich ergehen wie der Expedition, die als Vorbild diente und nicht mehr aus dem brasilianischen Regenwald zurückgekehrt ist. Doch selbst im Scheitern verliert das Spiel nicht an Reiz und der Frust über das Verlieren hält sich bei mir stets in Grenzen. Ein Grund dafür sind die wirklich wunderbar gezeichneten, an franko-belgische Comics erinnernde Motive auf den Karten. Selbst wenn man die (leichten) Kurzangaben zum Geschehen nicht versteht, ergeben sich aus den Motiven auf den großformatigen Karten immer passende Geschichten zu den von den Spielern geforderten bzw. den erhaltenen Ressourcen. Wenn z.B. die Karte mit dem Titel „Piranhas“ zu bestehen ist, können die Spieler entweder Nahrung als Köder verwenden und dann ohne Blessuren die Gefahr meistern oder aber einfach durch den Piranhasschwarm hindurch gehen, was natürlich eine Verletzung nach sich zieht.

Test // The Lost Expedition – Nur die Harten und Cleveren kommen zum Z

Beim Angehen der einzelnen Aufgaben gibt es nicht wirklich ein richtig oder falsch, vielmehr ist es ein Abwägen der Konsequenzen. Wenn unser Spezialist im Team noch drei Gesundheitsmarker besitzt, wäre es evtl. ratsam einen davon auszugeben, um eine Orientierungskarte zu erhalten, wenn unsere Spezialistin auf diesem Gebiet nur noch einen Gesundheitsmarker besitzt. Allerdings könnte es eng werden, wenn bei den noch nachzuziehenden Aufgaben 2 Orientierungsfähigkeiten eingesetzt werden müssen, wodurch unser Orientierungsspezialist stirbt. Letzten Endes gibt es keinen sicheren Plan, keine ewig gewinnende Taktik, mit der das Spiel zu meistern ist. Und gerade das macht den Reiz für mich aus, da die Unvorhersehbarkeit der Wildnis dadurch sehr gut und atmosphärisch auf den Tisch gebracht wird.

Bei der Mechanik sind die unterschiedlichen Wege, auf denen die Karten ausgelegt werden, ein weiterer Punkt, der zum Nachdenken anregt. Zu Beginn ist man als Spieler starr an die aufsteigenden Zahlen gebunden, anschließend gibt es ein wenig mehr Kontrolle, allerdings kann man nie wissen, was der Mitspieler auslegt bzw. welche Karte vom Stapel nachgezogen wird. Die einzelnen Runden sind schnell gespielt und in der Regel dauert ein Spiel bei 1-2 Spielern rund 15-20 Minuten. Der Aufbau ist in 1-2 Minuten erledigt, weswegen „The Lost Expedition“ für mich eines der besten Spiele ist, wenn es darum geht noch mal kurz ein wenig spannende Ablenkung vom stressigen Alltag zu finden. Bei mir ist es sicherlich eines der Spiele, das am häufigsten auf den Tisch kommt. Davon, dass das Spiel allein in englischer Sprache zu erhalten ist, sollte sich niemand abschrecken lassen, da eine hervorragende deutsche Fan-Übersetzung der Anleitung kostenlos heruntergeladen werden kann und für das Spiel selbst kein einziges Wort gelesen werden muss. Wer kurze Abenteuerkost mit toller Atmosphäre, überschaubarer Komplexität und schnellen Runden sucht, dabei aber die Herausforderung auch nicht scheut, sollte sich unbedingt mit dem Gedanken beschäftigen, sich dieser (meist) verlorenen Expedition anzuschließen.

Wertung // The Lost Expedition – Nur die Harten und Cleveren kommen zum Z

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Tags: Solospiel, Kartenspiel, Kooperativ, Abenteuer, Erkunden, Handmanagement