Meinung // Lifeform: Schwerkraft Verlag auf Kickstarter am Pranger

KOMMENTAR // Lifeform: Schwerkraft Verlag auf Kickstarter am Pranger

Verfasst von Daniel Krause am .

Immer wieder ist in den Medien vom rauen Verhalten im Internet berichtet. Das bekommen auch deutsche Spielverlage ab und an zu spüren: Nun hat es den Schwerkraft Verlag erwischt. Aussagen wie „Pfui Schwekraft!“ oder „shame on Schwerkraft" sind in den Kommentaren auf Kickstarter zu finden. Was ist passiert?

2018 ist Lifeform auf Kickstarter erfolgreich finanziert worden. Da der Schwerkraft Verlag bereits die Titel „1066“ und „Kilforth“ erfolgreich mit Tristan Hall nach Deutschland gebracht hatte, war es nur logisch, dass sich der Verlag auch der Übersetzung von „Lifeform“ annehmen würde.

Am 1.2.2019 wurden dann die Unterstützer aus Deutschland von Francesca Hall per Mail darüber in Kenntnis gesetzt, dass das Spiel nun doch nicht in deutscher Sprache erscheine. Die E-Mail liegt der Redaktion vor. Im Wortlaut heißt es dort Auszug:

[…]
Unfortunately Schwerkraft-Verlag have just informed us that they are no longer producing a German version of Lifeform.
This has come as a complete surprise to us and we are so sorry that this has happened. We want you to know how much we at Hall or Nothing Productions care for and value your support and enthusiasm for our games.
[…]

Diese Formulierung führte prompt dazu, dass die digitalen Mistgabeln hervorgeholt wurden und ein sinnbildlicher Haufen Mist über den Verlag gekippt wurde.

Als Vielspieler, der zahlreiche Kickstarter Projekte unterstützt, kann ich die Enttäuschung verstehen. Das Gute in diesem Fall ist aber, dass hier kein Schaden entstanden ist. Den Unterstützern wird eine englische Version + Spielmatte als Ausgleich angeboten oder die Rückerstattung des Geldes. Zudem organisieren sich schon auf boardgamegeek.com Fans, die die Regeln übersetzen wollen. Bei den Karten wird das natürlich nicht möglich sein.

Was ich nicht verstehe, ist die Art und Weise wie die Enttäuschung ausformuliert wurde.

Ein paar Rückmeldungen:

Hier wird der Verlag beschuldigt und viele nehmen das so hin, ohne erst einmal in Ruhe zu überlegen, was an der Sache dran ist. Auch auf Boardgamegeek.com kochte die Stimmung hoch. Doch was sind die Fakten?

Fakt ist, dass der Schwerkraft seit vielen Jahren und in wachsender Zahl englischsprachige Spiele zuverlässig veröffentlicht. Zudem werden immer wieder Kickstarter-Projekte begleitet, die dann ebenfalls zuverlässig erscheinen. Es gibt viele international Verlage und Verleger, die mit dem Verlag eine langjährige Geschäftsbeziehung pflegen. Zu den Partner gehörte bis jetzt auch Hall or Nothing Productions. Gemeinsam wurde „Gloom of Kilforth“ als auch „1066“ nach Deutschland gebracht. Ob es eine weitere Zusammenarbeit geben wird, darf bezweifelt werden.

Auch ein französischer Verlag ist bei dem Projekt ausgestiegen

Wie wir erfuhren ist auch ein französischer Verlag trotz Zusage aus dem Projekt ausgestiegen. Das bedeutet, dass nicht nur der Schwerkraft Verlag die Reißleine gezogen hat. Das ist für mich ein Indiz, dass es sich hierbei um ein generelles Problem handeln muss. Von den deutschen Unterstützern ist das vermutlich nicht wahrgenommen worden.

Mehr als unglücklich erscheint die Kommunikation von Hall or Nothing Productions, die durch ihre Aussage suggerieren, dass sie von der Entscheidung überrascht gewesen seien und sie gerade erst informiert worden sind und somit die Schuld an den deutschen Verlag geschoben haben.

Auf Anfrage von Brettspiel-News.de teilte uns der Schwerkraft Verlag mit, dass diese Aussage nicht stimme, sich der Schwerkraft Verlag jedoch nicht mehr weiter dazu äußern wird. „Weiterhin gilt, wir vertreten zuerst die Interessen unserer Kunden/Backer, und dann die Interessen eines anderen Verlags. Kein Backer ist zu Schaden gekommen.“

Auch in diesem Fall erscheint es mir, dass bevor online ein Pranger errichtet wird, sollten erst einmal alle verfügbaren Fakten geprüft werden.

Zudem ist es bedenklich einem Verlag die Manipulation am deutschen Spielepreis zu unterstellen, wenn der auslösende Youtuber selber zugegeben hat, dass er etwas aus der Euphorie heraus falsch interpretiert hat und er eine falsche Aussage getätigt habe.

Wenn ich einen Verlag hätte und ein Spiel nach Deutschland bringen will, dann würde ich das nicht ohne Vertrag machen. Ein Vertrag umfasst Mengen, Preise, Rechte und Pflichten für beide Seiten. In meinem Vertrag würde ich bei einem Kickstarter-Projekt festlegen, wann ein Projekt abgebrochen werden kann und aus welchen Gründen. Wie so ein Vertrag zwischen den beiden Parteien ausgesehen hat, entzieht sich meinem Kenntnisstand, ich wollte es nur noch einmal anmerken, dass so etwas auch berücksichtigt werden sollte.

Es wird gute Gründe für den Abbruch der Arbeit an "Lifeform" gegeben haben, die vielleicht gar nicht nach außen kommuniziert werden dürfen. Das hat den deutschen Verlag sicherlich viele Stunden Arbeit und damit Ressourcen gekostet, die nun verloren sind. Meiner Meinung nach sollte einem mittlerweile renommierten Verlag etwas mehr Vertrauen geschenkt werden. 

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