TEST // MEDIEVAL REALMS

TEST // MEDIEVAL REALMS

Verfasst von Deniz Jansen am .

Ein neuer Brettspieltest und erneut handelt dieser von einem Brettspiel mit einem Mittelaltersetting. Das Mittelalter scheint eines der meistvertretenen Settings in allen Brettspielgenres zu sein und so gut wie jeder Spieler hat mindestens eines dieser Spiele bereits auf dem Tisch gehabt. Besonders neue Brettspiele haben es meist schwer, mit diesem Setting Fuß zu fassen und sich eine eigene Identität zu schaffen. MEDIEVAL REALMS versucht, sich genau dieser Aufgabe anzunehmen. Was genau versucht MEDIEVAL REALMS da eigentlich und kann das klappen?

 

infos zum spiel

Um diese Fragen zu beantworten, wurde uns eine Kopie des Spiels MEDIEVAL REALMS von LOST GAMES zur Verfügung gestellt
Auf unsere Bewertung hat das natürlich keinen Einfluss.

 

Darum geht es im Spiel

 

Bei MEDIEVAL REALMS übernehmen 2-5 Spieler die Rollen von Königen ihrer eigenen Reiche, die um die Vorherrschaft unter ihren Rivalen wetteifern. Zusammengefasst nutzt das Spiel dafür Setcollection- und Auktionsmechaniken, gepaart mit strategischen Elementen.

MEDIEVAL REALMS wird in insgesamt 7 Runden gespielt, die jeweils in 2 Phasen unterteilt werden. In Phase 1 steht exklusiv das eigene Spielertableau im Fokus. Auf diesem werden die erhaltenen Ressourcen gelagert und strategische Feldzüge geplant. Für letztere befinden sich im unteren Abschnitt des Spielertableaus eine Karte sowie 6 Abschnitte, die jeweils ein Ressourcensymbol beinhalten. Bei der ersten Phase wird genau dieser Abschnitt mit einem Sichtschirm vor den Blicken der Mitspieler verborgen. Dann werden militärische Einheiten auf der Karte platziert. Jedes der 10 Felder der Karte beinhaltet eine Kombination aus Ressourcensymbolen, die den Preis für die jeweiligen Felder angeben. Das Ziel in Phase 1 ist es nämlich, anhand seiner militärischen Einheiten, diese Gebiete entweder zu erobern oder den Mitspielern diese Siegressourcen zu verweigern.

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Zu Beginn verfügt jeder Spieler über die gleiche Anzahl derselben Einheiten. Diese unterteilen sich in Generäle, Admiräle und Majore, die jeweils einen unterschiedlichen Kraftwert besitzen. Möchte ein Spieler ein Gebiet mit einer höheren Sicherheit einnehmen, kann er mehrere Einheiten auf ein Gebiet legen. Majore stellen eine Besonderheit dar. Sie nehmen zwei Rollen gleichzeitig ein, da sie nicht nur auf der Karte, sondern auch auf der linken Seite eingesetzt werden können.

Die Spieler können sich dabei frei entscheiden, ob sie ihre Majore auf den Ressourcenfeldern verteilen oder/und bis zu 2 Majore auf die Karte stationieren. Jeder Major, der auf der linken Hälfte stationiert wurde, generiert eine Ressource des dargestellten Symbols (mehrere Majore bedeuten natürlich mehr der gleichen Ressource), während die Majore auf der rechten Seite ausschließlich dem Gegner einen Sieg im gewählten Gebiet verweigern können. Am Ende dieser Phase werden nun die Sichtschirme entfernt und die stationierten Einheiten auf der Karte verglichen. Haben Spieler dasselbe Feld gewählt, erhält der Spieler mit der höchsten militärischen Kraft die Kontrolle über dieses Gebiet und damit einhergehend die Ressourcen für den Sieg.

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In Phase 2 richtet sich die Aufmerksamkeit auf das Spielfeld in der Tischmitte. Das Spielfeld funktioniert dabei als Verwaltungsfeld, da es mehr einer Siegpunkttafel ähnelt als einem tatsächlichen Spielfeld. Auf diesem finden die Spieler Informationen über ihre Siegpunkte, über die Spielerreihenfolge, die Rundennummer und nicht zuletzt über die Karten, die in dieser Runde ergattert werden können. Diese Karten bilden das Herzstück des Spiels. Diese sind in verschiedene Kategorien und Farben eingeteilt, die jeweils eigene Funktionen haben. In den meisten Fällen repräsentieren die Farben die für den Einsatz der Karte benötigte Ressourcen (so brauchen die Spieler für eine blaue Karte „Wissenschaft“ und für eine weiße Karte „Glaube“, um sie einsetzen zu können). Jede Karte hat einen oberhalb ihrer Reihe angezeigten Wert (Produktion), den es zu zahlen gilt, wenn ein Spieler diese aufnehmen möchte. Ist ein Spieler am Zug, hat dieser die Wahl, ob er sich eine Karte aus der Auslage kauft, eine aufgenommene Karte einsetzt oder einfach passt.

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Kauft er eine Karte aus der Auslage, zahlt er so viel Produktion wie angegeben und beendet damit seinen Zug. Diese gekaufte Karte legt er nun oberhalb seines Spielertableaus ab, wobei er niemals mehr als 4 Karten und keine Farbe doppelt ausliegen haben darf. Diese Position der Karten ist gleichzusetzen mit Handkarten oder einem Deck, wobei diese aber immer für alle einsehbar ausliegen. Möchte ein Spieler in seinem Zug eine dieser Karten ausspielen, muss er zunächst die auf der Karte angegebenen Kosten zahlen, ihren Effekt ausführen und sie dann in den eigenen Kartenstapel ablegen.

Die Karteneffekte variieren von Sofort-Effekten bis hin zu Karteneffekten, die zum Ende des Spiels aktiv werden. Bestimmte Karten generieren zum Beispiel Punkte für jede Karte der gleichen Farbe (zum Beispiel für jede blaue Karte) im eigenen Ablagestapel, während andere Karten den Spielern mehr militärische Einheiten oder Ressourcen geben können. Bestimmte Karten brechen jedoch aus diesem Muster aus. Enthält eine Karte ein Symbol für einen Auktionshammer können die Spieler, sobald sie ausgewählt wird, beginnend mit dem aktiven Spieler, um diese Karte bieten. Der Spieler, der die Karte gewinnt, profitiert sofort von ihrem Bonus.

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Hat jeder Spieler gepasst, wird die nächste Runde vorbereitet, indem, je nach Spielerzahl, Karten aus der Auslage abgelegt werden und andere Karten nachrücken. Dieser Zyklus wiederholt sich bis zum Ende der siebten Runde, womit die Endauswertung ausgelöst wird. Der Spieler, der nach der Endauswertung die meisten Punkte ergattern konnte, ist der neue Superkönig aller Reiche.

 

Was ist in der Box?

 

Die Spielschachtel von MEDIEVAL REALMS bietet eine solide Auswahl an Spielkomponenten. Das Spielfeld tritt dabei besonders wegen seiner Größe prominent hervor (besonders Spielgruppen mit kleinen Tischen könnten hier mit den zusätzlichen Spielertableaus Probleme bekommen). Neben diesen enthält die Box 201 Holzmarker, die jeweils für ihre eigenen Funktionen individuelle Formen haben, 5 Spielertableaus und Sichtschirme sowie 109 Ereigniskarten.

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Das Material aller Komponenten kann im oberen Standard angesetzt werden. Das Spielfeld sowie die Spielertableaus sind aus sehr solider Pappe, die Holzmarker haben eine sehr intensive Farbe sowie eine teilweise sehr detailreiche Form und auch die Karten fühlen sich sehr qualitativ an. Das gewählte Artwork ist für alle Materialien stimmig und stimmt sich gut mit der Thematik ab. Auch die Wahl der Symbole auf den Karten sind nach einer kurzen Eingewöhnungsphase sehr klar und lassen dabei keine schriftliche Erklärung vermissen. Die Anleitung ist sehr gut strukturiert und lässt sich anhand vieler guter Beispiele sehr gut auch kurz vor dem Spieleabend noch lesen. Besonders die kleinen Informationskästen mit den wichtigsten Informationen erleichtern das Nachschlagen von Regeln enorm.


Vorab: Auch wenn es vielleicht Anfangs so klang, aber nein, ich bin absolut kein Feind von Mittelaltersettings in Brettspielen.

MEDIEVAL REALMS ist dabei ein super Beispiel dafür, weshalb dies so ist. Natürlich hätte auch ein anderes Setting herangezogen werden können, jedoch wurde, anders als zum Beispiel bei Eurogames, das Setting gut mit dem Spielgeschehen verknüpft. Es ergibt Sinn, dass sich die Könige in der ersten Phase immer wieder um die Ressourcen von bestimmten Gebieten streiten und diesen Konflikt erst einmal militärisch klären müssen. Die bereits angesprochene eigene Identität, die sich MEDIEVAL REALMS aber unter den vielen Mittelalterspielen erkämpfen muss, hat sich das Spiel meiner Meinung nach mit der Kombination aus diesen strategischen Elementen mit dem darauffolgenden Setcollection verdient. Das Spiel bietet besonders beim Erbieten und Kaufen der begehrten Karten viele strategische Wege, die dabei aber auch eigene Spielstile unterstützen. Die Karten beinhalten eine große Variation, sodass den Spielern viele Wege offenstehen, die Sets zu ergattern, die ihrem Spielstil am besten liegen.

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Ein weiteres Element, dass den Glücksfaktor in MEDIEVAL REALMS senkt, ist der Ausblick auf die nächsten 6 Karten, der sich am unteren Rand des Spielfeldes befindet. Die Spieler können sich dadurch in jeder Runde darauf vorbereiten, welche Karten der Auslage hinzugefügt werden, und bereits Ressourcen und mögliche Karten so einsetzen, dass ihre Strategie am meisten davon profitiert. Das Spielmaterial ist dabei ein klarer Blickfang. Die unterschiedlichen und teilweise detaillierten Darstellungen der verschiedenen Ressourcen sind (sowie die generelle Größe des Spielplans) keines Falls nötig und hätten definitiv „simpler“ hergestellt werden können, um den Spielpreis zu senken, aber das wäre Nörgeln auf hohem Niveau. Ich persönlich habe mich sehr darüber gefreut, qualitative Holzmarker in der Box zu haben und keine generische Ressourcenplättchen oder Pappmarker. Andererseits kenne ich aber auch Spieler, die solche Elemente als künstliche Verstärker ansehen, was aber jeder für sich selbst entscheiden muss.

Das Spiel spielte sich bei jedem unserer Durchgänge sehr flüssig, neue Spieler kamen sehr schnell mit den simplen Regeln klar und auch die Eingewöhnung an die Symbole ist, dank der guten Erklärung im Regelbuch für die verschiedenen Karten, sehr einfach gehalten. Besonders gut fanden wir, dass die Rückseiten der Sichtschirme als Referenzkarten genutzt werden können, da dort alle Symbole erklärt werden, was unnötiges Nachschlagen verhindert. Auch die Rückseite des Regelbuches dient als Rundenübersicht, die die wichtigsten Informationen auf einen Blick darstellen. Trotz den guten Erfahrungen, die wir mit dem Spiel machen konnten, gab es jedoch auch einen Punkt, der uns relativ schnell auffiel: MEDIEVAL REALMS fehlt es etwas an Variation.

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Natürlich gibt es 109 Karten, von denen bei Weitem nicht alle in einem Spiel vorkommen, und die Spieleranzahl verändert den Spielfluss positiv, jedoch fühlt sich das Spiel nach einer gewissen Zeit eintönig an. Besonders Vielspieler könnten dies als Negativpunkt wahrnehmen, Gelegenheitsspieler sind davon aber eher unberührt. Auch das Balancing von manchen Karten scheint nicht ganz perfekt zu sein. Zum Beispiel geben bestimmte Personenkarten Punkte für Karten der gleichen Farbe, sowie einen zusätzlichen Punkt, weil sie eine bedeutende Person sind. Gelingt es einem Spieler nun, 4 dieser Karten einer Farbe zu erhalten, bekommt dieser Spieler bereits 20 Punkte, auch wenn er keine weitere Karte dieser Farbe erhalten hat. Besonders im 2-Spieler-Spiel ist die Wahrscheinlichkeit dafür relativ hoch. Eine generelle Einführung von Neulingen in die verschiedenen Abläufe und besonders solcher Verbindungen ist wichtig, um einen solchen Fall zumindest zu erschweren.

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Ihr mögt Strategie, wenig Glücksfaktor und verschiedene Spielmechaniken, die auf interessante Weise zusammengemischt werden? Dann könnte MEDIEVAL REALMS genau das Richtige für euch sein. Ich für meinen Teil bin sehr froh, MEDIEVAL REALMS in meiner Sammlung zu haben. Wir hatten sehr viel Spaß während des Testens und besonders bei meiner Spielergruppe, die zu einem großen Teil aus Strategen besteht, wird dieses Spiel des Öfteren auf dem Tisch landen.

 

Wertung zum spiel

 

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Bilder vom Spiel

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Tags: Ressource Management, 75 Minuten, Set sammeln, Auktion/Bieten, Mittelalter, 2-5 Spieler, Eurogame, Strategie

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