TEST // MYSTERY HOUSE

TEST // MYSTERY HOUSE

MYSTERY HOUSE sah auf den ersten Blick sehr interessant aus. Als bekennender Escape-Room-Anhänger fand ich den Ansatz, das Spiel in einer Schachtel in 3D zu spielen, sehr spannend. Gleich beim Aufbau stellte ich allerdings fest, dass die einzelnen Teile nicht ganz so gut und fest in dem Plastikeinsatz einzusetzen waren. Dies sorgte während des Spiels beim Drehen der Schachtel immer mal wieder dafür, dass die Ortskarte zur Seite kippten und wieder aufgerichtet werden mussten, damit sie nicht geknickt wurden.

Ein viel größeres Problem bei den Ortskarten war, dass diese durch ihre Glanzoptik nicht direkt mit einer Stablampe angeleuchtet werden konnten, weil hierdurch wegen der Reflektion nichts mehr zu erkennen war. Ohne Stablampe war es jedoch spätestens im Inneren der Schachtel so gut wie gar nicht mehr möglich, Details zu erkennen. Das Zimmer, in dem wir gespielt haben, war hell erleuchtet, trotzdem hätten wir ohne den Einsatz der Stablampe wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der Hinweise entdecken können, eschweige denn, versteckte Details. Dadurch war es beim Lösen der Rätsel am Ende die größte Schwierigkeit, einen guten Blick auf die Ortskarten zu haben.

In der Anleitung wird empfohlen, mit 4 Spielern zu spielen, was nach meiner Erfahrung und Einschätzung keine gute Entscheidung wäre. Bereits mit 2 Spielern hat sich gezeigt, dass es nahezu unmöglich ist, gleichzeitig in die Schachtel zu schauen, da entweder das Licht fehlte oder die Schachtel schräg gelegt werden musste, um nach Hinweisen suchen zu können. Wie das mit 4 Personen funktionieren soll, ist mir ein Rätsel. Bereits zu zweit kam es bei uns für einen Spieler zur Downtime, während der andere nach Hinweisen suchte.

Rätsel gab es in den Spielen nur eine Handvoll zu lösen. Die meiste Zeit über waren wir damit beschäftigt, nach Hinweisen und Gegenständen zu suchen. Bei den Rätseln, die enthalten waren, konnte wir in den meisten Fällen die Lösung finden. Es kam aber auch 1-2x vor, dass wir beim besten Willen nicht auf die Lösung kamen und uns die Lösung vorgeben lassen mussten.

Apropos Hilfesystem: MYSTERY HOUSE hat das wahrscheinlich schlechteste Hilfesystem, das ich bislang in einem Escape-Room-Spiel erlebt habe. Die allgemeinen Hinweise gehen auf wenige Rätsel ein und wenn diese Hinweise gegeben wurden, gibt es keine mehr. Die speziellen Hinweise helfen nicht unbedingt immer weiter und Rätsel, die auf einer Ortskarte gestartet, aber auf einer anderen Ortskarte beendet werden, werden auf der Karte mit dem gestarteten Ort nicht weiter erklärt. Dadurch wird es teils nahezu unmöglich, weiterzukommen, wenn jemand an dem Ort mit dem gestarteten Rätsel hängen bleibt.

Bei unserem FAMILY PORTRAIT Abenteuer war es z.B. so, dass wir den finalen Code hatten, indem wir das Rätsel auf einer Ortskarte entschlüsselt hatten. Das Spiel hatte es allerdings so vorgesehen, dass der Code an einer anderen Stelle genutzt werden sollte. Diesen Ort hatten wir vorher bereits intensiv durchsucht, allerdings einen Gegenstand nicht richtig erkennen können. Beim Versuch, diesen in der App zu untersuchen, mussten wir feststellen, dass der gesuchte Gegenstand, wie wir ihn meinten erkannt zu haben, nicht angeboten wurde. Das Hinweissystem war an dieser Stelle schon lange ausgereizt und brachte uns kein Stück weiter. Als wir die Ortskarte, auf der wir den Gegenstand sahen, näher untersuchten und die Ortskarte hierzu, entgegen der Spielregeln, aus der Schachtel zogen, konnte wir erahnen, dass das evtl., etwas anderes sein konnte. Und tatsächlich. Wir hatten die Stelle gefunden, an der der schon lang bekannte Code eingegeben werden konnte und schon hatten wir das Spiel beendet. Nach über 20 Minuten andauerndem herumirren im Spiel!

Es ist eindeutig nicht von der Hand zu weisen, dass MYSTERY HOUSE eine ganze Menge Probleme hat. Dinge können nicht richtig erkannt werden, es ist alles zu dunkel, beim Reinleuchten wird das Licht dann aber so stark reflektiert, dass es zum Kunststück wird, den richtigen Einstrahl- und Blickwinkel zu finden. Das Hilfesystem ist nur teilweise eine Hilfe und bei mehr als 2 Spielern gibt es sehr viel Downtime für jeden. Aber dennoch, MYSTERY HOUSE ist für mich ein spannender erster Schritt.

Denn auch wenn die Umsetzung mit der Schachtel alles andere als ausgereift erscheint, hat sie meiner Meinung nach dennoch Potential. Mattes Kartenmaterial, vielleicht auch eine Möglichkeit, anders Licht in die Schachtel zu bekommen, könnten dieses Problem lösen. Das Hilfesystem könnte in der App überarbeitet werden und im Rätseldesign könnten die Erfahrungen einfließen, die durch das Feedback der ersten beiden Rätselabenteuer gesammelt wurde. Auch wenn ich aktuell eher frustriert als begeistert beim Spielen war, hat das Konzept, auch durch seine besondere Atmosphäre, dennoch genügend Potential, weswegen ich es gut finden würden, wenn das MYSTERY HOUSE-Projekt noch nicht ad acta gelegt, sondern noch einmal überarbeitet würde.

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Tags: Detektiv, Escape Room, Storytelling, 1-5 Spieler, Solospiel

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