TEST // MYSTERY HOUSE

TEST // MYSTERY HOUSE

Ihr wisst nicht genau wo ihr seid, noch nicht einmal wirklich, wie ihr hier hergekommen seid. Aber eines ist sicher – ihr müsst einen Weg finden, wie ihr hier wieder wegkommt. Doch das klingt leichter als es sich tatsächlich darstellt: Es scheint keinen direkten Weg von hier fort zu geben. Deswegen müsst ihr euch durch verschlossene Räume und Rätsel kämpfen, um dieses 3D-Labyrinth hinter euch zu lassen.

CRANIO CREATIONS war so freundlich, uns ein Exemplar von MYSTERY HOUSE für eine Review kostenlos zur Verfügung zu stellen. Dies hatte natürlich keinen Einfluss auf unsere Bewertung.

3D Escape-Room in einer Schachtel

Bevor es mit MYSTERY HOUSE losgehen kann, muss zunächst die App zum Spiel installiert werden. Anschließend müssen die Ortskarten auf ihren angegebenen Platz in die Boxstruktur gesteckt werden. Angst, dass eine Karte falsch herum reingesteckt werden könnte, muss dabei niemand haben, da die Reiter jeder Karte jeweils in Blickrichtung den passenden Steckplatz angeben. Sind alle Ortskarten am richtigen Platz und liegen die Objektkarten griffbereit, kann das Spiel über die App gestartet werden und es bleiben 60 Minuten Zeit, um die Rätsel zu lösen und einen Ausweg zu finden.

Die SpielerInnen suchen zunächst durch einen Blick auf die Fassaden des MYSTERY HOUSE nach Objekten oder Rätseln, mit denen sie in der App arbeiten und ihrem Ziel näherkommen können. Dazu wird zunächst die Koordinate der entsprechenden Ortskarte eingegeben. Die App bietet daraufhin die Möglichkeit, ein Objekt auf der Ortskarte näher zu untersuchen, einen Gegenstand, der bereits gefunden wurde, mit der Ortskarte zu verwenden oder einen Code einzugeben. Macht die Eingabe keinen Sinn oder ist die Eingabe falsch, werden 20 Sekunden von den 60 Minuten Spielzeit abgezogen.

Über das Lösen von Rätseln und über das Suchen können Gegenstände gefunden oder vorher unzugängliche Bereiche des MYSTERY HOUSE geöffnet werden. Für letzteres gibt die App vor, welche Ortskarten aus der Boxstruktur entfernt werden müssen. Bei unzugänglichen Bereichen ist es möglich, z.B. durch Fenster nach Hinweisen zu suchen. Das Aufnehmen von Gegenständen in diesen Arealen ist allerdings erst dann möglich, wenn der Raum auch betreten werden kann.

Wenn die Gruppe an einer Stelle nicht weiter kommt, gibt es die Möglichkeit, eine Hilfe zu erhalten. Die Hilfen sind in 2 Kategorien unterteilt. Zum einen gibt es allgemeine Hilfen, die Tipps geben, wo generell gesucht werden kann. Zum anderen gibt es noch die Möglichkeit, eine Hilfe zu einer bestimmten Ortskarte zu erhalten.

Die SpielerInnen müssen so lange Rätsel lösen und Türen öffnen, bis am Ende die App in einem kurzen Text erklärt, wie das Abenteuer endet. Anschließend wird in einer Endwertung angezeigt, wie gut oder schlecht die SpielerInnen abgeschnitten haben. Vom Ergebnis abgezogen werden die überzogene Zeit und die Hinweise, die während des Spiels in Anspruch genommen worden sind.

Durch diesen dunklen Sehschlitz muss die Lösung kommen

Die Boxstruktur ist gleichzeitig auch die Spielschachtel, die von einem dünnen Schuber geschützt wird. Die Box macht einen stabilen Eindruck und im Boden befindet sich ein Plastikeinsatz, in den die Ortskarten eingesetzt werden. Die Ortskarten sind genauso wie die Karten aus festem Material mit glänzender Oberfläche gefertigt. Die zwei zum Spiel gehörenden Abenteuer LORD OF THE LABYRINTH und FAMILY PORTRAIT liegen in stabilen Schachteln in der Box.

Das Regelwerk von MYSTERY HOUSE ist relativ einfach und die Anleitung erklärt die wenigen Punkte, die für das Spielen erforderlich sind, sehr verständlich.

Das Spiel ist bislang lediglich in englischer Sprache erhältlich. Für die Rätsel sind gute Englischkenntnisse erforderlich. Es ist geplant, dass MYSTERY HOUSE anfang 2020 bei SCHMIDT SPIELE in deutscher Sprache erscheint.

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MYSTERY HOUSE sah auf den ersten Blick sehr interessant aus. Als bekennender Escape-Room-Anhänger fand ich den Ansatz, das Spiel in einer Schachtel in 3D zu spielen, sehr spannend. Gleich beim Aufbau stellte ich allerdings fest, dass die einzelnen Teile nicht ganz so gut und fest in dem Plastikeinsatz einzusetzen waren. Dies sorgte während des Spiels beim Drehen der Schachtel immer mal wieder dafür, dass die Ortskarte zur Seite kippten und wieder aufgerichtet werden mussten, damit sie nicht geknickt wurden.

Ein viel größeres Problem bei den Ortskarten war, dass diese durch ihre Glanzoptik nicht direkt mit einer Stablampe angeleuchtet werden konnten, weil hierdurch wegen der Reflektion nichts mehr zu erkennen war. Ohne Stablampe war es jedoch spätestens im Inneren der Schachtel so gut wie gar nicht mehr möglich, Details zu erkennen. Das Zimmer, in dem wir gespielt haben, war hell erleuchtet, trotzdem hätten wir ohne den Einsatz der Stablampe wahrscheinlich nicht einmal die Hälfte der Hinweise entdecken können, eschweige denn, versteckte Details. Dadurch war es beim Lösen der Rätsel am Ende die größte Schwierigkeit, einen guten Blick auf die Ortskarten zu haben.

In der Anleitung wird empfohlen, mit 4 Spielern zu spielen, was nach meiner Erfahrung und Einschätzung keine gute Entscheidung wäre. Bereits mit 2 Spielern hat sich gezeigt, dass es nahezu unmöglich ist, gleichzeitig in die Schachtel zu schauen, da entweder das Licht fehlte oder die Schachtel schräg gelegt werden musste, um nach Hinweisen suchen zu können. Wie das mit 4 Personen funktionieren soll, ist mir ein Rätsel. Bereits zu zweit kam es bei uns für einen Spieler zur Downtime, während der andere nach Hinweisen suchte.

Rätsel gab es in den Spielen nur eine Handvoll zu lösen. Die meiste Zeit über waren wir damit beschäftigt, nach Hinweisen und Gegenständen zu suchen. Bei den Rätseln, die enthalten waren, konnte wir in den meisten Fällen die Lösung finden. Es kam aber auch 1-2x vor, dass wir beim besten Willen nicht auf die Lösung kamen und uns die Lösung vorgeben lassen mussten.

Apropos Hilfesystem: MYSTERY HOUSE hat das wahrscheinlich schlechteste Hilfesystem, das ich bislang in einem Escape-Room-Spiel erlebt habe. Die allgemeinen Hinweise gehen auf wenige Rätsel ein und wenn diese Hinweise gegeben wurden, gibt es keine mehr. Die speziellen Hinweise helfen nicht unbedingt immer weiter und Rätsel, die auf einer Ortskarte gestartet, aber auf einer anderen Ortskarte beendet werden, werden auf der Karte mit dem gestarteten Ort nicht weiter erklärt. Dadurch wird es teils nahezu unmöglich, weiterzukommen, wenn jemand an dem Ort mit dem gestarteten Rätsel hängen bleibt.

Bei unserem FAMILY PORTRAIT Abenteuer war es z.B. so, dass wir den finalen Code hatten, indem wir das Rätsel auf einer Ortskarte entschlüsselt hatten. Das Spiel hatte es allerdings so vorgesehen, dass der Code an einer anderen Stelle genutzt werden sollte. Diesen Ort hatten wir vorher bereits intensiv durchsucht, allerdings einen Gegenstand nicht richtig erkennen können. Beim Versuch, diesen in der App zu untersuchen, mussten wir feststellen, dass der gesuchte Gegenstand, wie wir ihn meinten erkannt zu haben, nicht angeboten wurde. Das Hinweissystem war an dieser Stelle schon lange ausgereizt und brachte uns kein Stück weiter. Als wir die Ortskarte, auf der wir den Gegenstand sahen, näher untersuchten und die Ortskarte hierzu, entgegen der Spielregeln, aus der Schachtel zogen, konnte wir erahnen, dass das evtl., etwas anderes sein konnte. Und tatsächlich. Wir hatten die Stelle gefunden, an der der schon lang bekannte Code eingegeben werden konnte und schon hatten wir das Spiel beendet. Nach über 20 Minuten andauerndem herumirren im Spiel!

Es ist eindeutig nicht von der Hand zu weisen, dass MYSTERY HOUSE eine ganze Menge Probleme hat. Dinge können nicht richtig erkannt werden, es ist alles zu dunkel, beim Reinleuchten wird das Licht dann aber so stark reflektiert, dass es zum Kunststück wird, den richtigen Einstrahl- und Blickwinkel zu finden. Das Hilfesystem ist nur teilweise eine Hilfe und bei mehr als 2 Spielern gibt es sehr viel Downtime für jeden. Aber dennoch, MYSTERY HOUSE ist für mich ein spannender erster Schritt.

Denn auch wenn die Umsetzung mit der Schachtel alles andere als ausgereift erscheint, hat sie meiner Meinung nach dennoch Potential. Mattes Kartenmaterial, vielleicht auch eine Möglichkeit, anders Licht in die Schachtel zu bekommen, könnten dieses Problem lösen. Das Hilfesystem könnte in der App überarbeitet werden und im Rätseldesign könnten die Erfahrungen einfließen, die durch das Feedback der ersten beiden Rätselabenteuer gesammelt wurde. Auch wenn ich aktuell eher frustriert als begeistert beim Spielen war, hat das Konzept, auch durch seine besondere Atmosphäre, dennoch genügend Potential, weswegen ich es gut finden würden, wenn das MYSTERY HOUSE-Projekt noch nicht ad acta gelegt, sondern noch einmal überarbeitet würde.

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Bilder zum Spiel

Tags: Detektiv, Escape Room, Storytelling, 1-5 Spieler, Solospiel

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