Blackout Hong Kong, Alexander Pfister

TEST // Blackout Hong Kong

Verfasst von Danijel Strelar am .

Wir schreiben das Jahr 2020, es ist weit nach Mitternacht und alles ist Dunkel. Dein Herz pocht und springt dir nahezu aus der Brust. Der laute Schrei einer Frau lässt dein Blut in den Adern gefrieren. KLICK…KLICK… Mist, das Licht geht noch immer nicht. Du tastest dich zum Fenster und schaust vorsichtig zur Straße runter. Die Polizei! Unfähig wie sie ist, versucht sie Lage mit Gewalt zu kontrollieren und prügelt auf Plünderer so wie verängstigte Passanten zugleich ein. Typisch! auch hier ist die Regierung machtlos… Begib dich in Alexander Pfisters dunkle Welt von Blackout Hong Kong und bewahre es vor dem sicheren Chaos. Sammele Ressourcen und manage ein Netzwerk von Speziallisten zur Sicherung der Stadt.

 

Das Spiel wurde von uns ausgiebig auf Inhalt, Regeln, Spielverhalten, Aussehen so wie Material getestet und wurde uns von Pegaus Spiele zur Verfügung gestellt.

Leben wie zur Apokalypse – kein Strom in Hong Kong

Stell dir vor du befindest dich kurz nach Mitternacht mitten in Hongkong und der Strom in der ganzen Stadt fällt aus. Die Regierung verloren und das Chaos beginnt. Am nächsten Morgen zeigt sich das Durcheinander und die Generatoren lassen sich nicht an Stromnetz schalten. Keiner weiß wieso. Letztendlich beschließt du dich selber um die Sicherung der Stadt zu kümmern und beginnst alles zu organisieren. Du sammelst Ressourcen, koordinierst Helfer erfüllst Ziele und sicherst Bezirke. Bist du der erfolgreichste Spieler so sicherst du dir eine Machtposition in der neuen Regierung?!

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Das klingt ja ganz einfach!

Na, wenn wir uns da mal nicht täuschen. Hier steckt ein ganz schön kniffliger Pfister im Paket. Aber zum Fazit später. Zunächst gehen wir grob auf die Mechaniken des Spiels ein. Jeder Spieler erhält zum Spielbeginn seine Starthandkarten, ein bestücktes Spielertableau so wie 4 Hong Kong Dollar und 5 Transportscheine. Der Spielplan wird mit der Kartenauslage (neue Zielkarten) bestückt. Zuletzt setzt jeder Spieler sein Start-Notfalllager ein und schon kann die Partie beginnen. Das Spiel gliedert sich in acht Phasen und wird von allen Spielern nahezu gleichzeitig gespielt.

   1. Bestimmt Waren und plant Karten

Zunächst werden die für die Runde zur Verfügung stehenden Ressourcen ermittelt. Mögliche Ressourcen sind Wasser, Benzin, Werkzeug, Nahrung, Medizinkoffer und Bücher. Da thematisch eine Ressourcenknappheit besteht, stehen den Spielern nur drei der sechs möglichen Ressourcen zum Sammeln zur Verfügung. Der Startspieler erwürfelt mit den drei Farbwürfeln die Ressourcen und platziert diese auf das Ressourcen-Rondell des Spielplans.

Anschließend werden die Handkarten (Helfer und Spezialisten) verdeckt eine Karte pro Slot des eigenen Spieltableaus programmiert. Bei Spielbeginn stehen dem Spieler drei Kartenslots zur Verfügung und kann im weiteren Spielverlauf auf vier Slots aufgewertet werden.

   2. Setzt Helfer und Spezialisten ein

Die vorhin verdeckt programmierten Karten werden aufgedeckt und deren Effekt abgearbeitet. Die Helfer besitzen in der oberen linken Ecke 1-3 Farbwürfel die andeuten, welche Ressourcen (Symbol auf dem entsprechenden Farbwürfel) von dem Helfer in dieser Runde eingesammelt wird. Die so gesammelten Ressourcen können im späteren Spielverlauf für weitere Sonderaktionen oder Ziele genutzt werden. Die Spezialisten haben weitere Sonderfähigkeiten. Rollenabhängig kann dieser z.B. gegen Abgabe eines Medizinkoffers ein Mitglied aus dem Krankenhaus entlassen (Arzt).

   3. Ziele (Erfülle Aufgaben)

Die Spieler können bei Abgabe von Ressourcen Ziele erfüllen um weitere Handkarten zu erhalten. Erfüllte Ziele erschaffen Notfalllager die mit einem Markierstein auf dem Spielplan markiert werden.

   4. Erkundet

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Anschließend können die Spieler ihre Helfer und Spezialisten in die Bezirke schicken um diese zu erkunden. Die im Bezirk liegende Erkundungsplättchen bieten eine Variation an verschiedenen Ressourcen oder Siegespunkte. Doch aufgepasst welches Mitglied zum Erkunden verpflichtet wird. Eine Erkundung birgt Gefahren und Verletzungen sind gewiss. Die Folge: Ein zufälliges Mitglied des Erkundungstrupps landet grundsätzlich im Krankenhaus.

   5. Neue Ziele

Besitzt der Spieler noch freie Aufgabenslots auf seinem persönlichen Spielertableau, so können gegen Hong Kong Dollar neue Ziele aus der Kartenauslage eingekauft werden.

   6. Räumt auf

Natürlich funktioniert ohne Strom auch kein Kühlschrank! Daher muss die verderbliche Nahrung aber auch Wasser abgeworfen werden. Diese so entsorgten Ressourcen werden in Währung umgewandelt. Außerdem werden Karten aus der Kartenauslage für die neuen Ziele entfernt und ggf. neu hinzugefügt.

   7. Sichert Bezirke

Ein wichtiger Kernpunkt des Spiels ist die Sicherung der Bezirke. So können weitere Sonderaktionen oder wie sie hier genannt werden Häkchen-Aktionen freigeschaltet werden. Diese sind nicht übermächtig aber es hilft dabei überschüssige Ressourcen in sinnvolles zu wandeln wie z.B. 1x Werkzeug in 3 Hong Kong Dollar. Ein weiteres Notfalllager kann nur an ein benachbartes bereits auf dem Spielplan platziertes Notfalllager angelegt werden.

   8. Nehmt Karten auf und aktiviert Häkchen-Aktionen

Nun kommen wir zum Kniff des Spiels. Die in der ersten Phase programmierten Karten bleiben bis zum Abräumen in den Slots liegen. Jedoch darf nur der Slot mit den meisten Karten abgeräumt werden und das auch nur wenn der Spieler weniger als fünf Karten in der Hand hält. Dies kann im weiteren Spielverlauf durch den Kauf eines Upgrades auf weniger als sieben Karten verbessert werden.

Anschließend können noch die freigeschalteten Häkchen-Aktionen genutzt werden die durch die Sicherung der Bezirke oder durch das erfüllen bestimmter Ziele zuvor freischaltet wurden.

 

Von Frust zur Freude

Wenn die passenden Ressourcen nicht gewürfelt werden kann schnell enormer Frust aufsteigen. Dies ist auch einem Herr Pfister bewusst und hat die Mechanik der Lieferwagen eingeführt. Mit diesen lassen sich die Ressourcenwürfel manipulieren oder Notfalllager an gezielten Orten platzieren.

 

Die Kampagne - Auch was für Solokämpfer

Das Spiel bietet auch einen Kampagnenmodus und besteht aus 5 Kapiteln mit kurz gehaltenen Geschichten. Die einzelnen Szenarien müssen nicht zwingen zusammenhängend gespielt doch gibt es kleine Unterschiede zum normalen Spiel. Erstens kann die Kampagne im Solomodus gespielt werden und zweitens werden Siegbedingungen und Spielaufbau modifiziert.

 

Was für ein tolles Motiv! Aber was steckt drin?

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Die düstere Grafik der Box ist einfach wunderbar. Man spürt sofort die Thematik und kann sich gleich in die Situation reinversetzen. Im Scheinwerferlicht versucht jeder seiner Aufgabe nachzukommen und ist Teil des Teams. Super! Doch leider ist hier auch schon Ende. Auf dem Spielplan erkennt man nur schemenhaft die Küste von Hong Kong und die Stadt selbst wurde in bizarre Bezirke getrennt die gesichert werden müssen. Aber wie soll man sonst Hong Kong bei Nacht darstellen? Das persönliche Spielertableau zeigt grafisch leider gar kein Zusammenhang zum Thema, ist aber als Rundenübersicht sehr gut gegliedert. Jedem ist klar in welcher Phase wir uns befinden und welche Aktion durchgeführt werden kann. Die 136 Spielkarten sind nett gestaltet und zeigen in den meisten Fällen Asiaten bei der Arbeit. Einmal verstanden, sind die Symbole auf den Karten leicht verständlich und simpel umzusetzen. Wer jedoch auf viele Hintergrundinfos zu den einzelnen Helfern oder Speziallisten hofft, wird enttäuscht. Wahrscheinlich wurde hier bewusst an Text gespart, damit die Karten nicht zu überladen wirken. Die Ressourcenwürfel sind mit schönen gravierten Symbolen versehen und aus Holz gefertigt. Die Marker zur Kennzeichnung der gesicherten Bezirke werden lieblos „Bezirk Gesichert Marker“ genannt und sind die bekannten Häuser aus dem Spiel Catan. Die Markiersteine, zum Anzeigen eines besuchten Ortes, werden kreativer weise „Markierstein“ genannt. Die Anleitung besteht aus 19 Seiten und beinhaltet zusätzlich auch eine Kampagnenversion. Die Regelerklärung kann bei Spielanfängern für ein kleinen Schock sorgen, denn diese sind nicht so leicht nachvollziehbar wie anfänglich gedacht aber beinhaltet dafür viele Beispiele. 

Zusammenfassend lässt sich sagen, die Qualität ist wie üblich sehr gut, doch die Gestaltung sowie Hintergrundgeschichte leider schwach.


 

danijel strelar meine meinung berschriftBlackout Hong Kong 07

Wie üblich soll man immer mit dem positiven beginnen, doch gibt es Meiner bescheidenden Meinung nach nicht viel Hervorzuheben. Es ist ein Pfister, keine Frage. Die Mechanik funktioniert reibungslos und es lässt sich nach einigen Startschwierigkeiten super Spielen und gerne auch ein zweites Mal auf den Tisch bringen. Wir haben hier ein Spiel wo die Mechanik gut funktioniert, die Gestaltung schön und das Material ok ist. Jedoch ist der Rest (gefühlt) halbherzig entwickelt worden.

Wie bereits bei der Einleitung der Rezession angedeutet wünsche ich mir bei so einem grandiosen Thema mehr Story. Gerade dieses Thema ermöglicht es dem Autor die Situation bildlich darzustellen. Der einleitende Text in der Anleitung ist ein Dreizeiler und sehr schwach. Leider fehlt hier durchgängig ein bisschen Hintergrund. Große Frage: „Was passiert, wenn ich gewinne“? Leider wird hier gar nicht darauf eingegangen und jeder strickt seine eigene Geschichte.

Das schwarze Design ist absolut super. Es ist mal was Neues, etwas Düsteres es könnte in das Horrorgenre abdriften. Bei einem Stromausfall über mehrere Tage entsteht nun mal Gewalt und Verbrechen, einfach super potential für Konflikte zwischen den Spielern. Die Interaktion hält sich hier leider in Grenzen und die erfüllten Ziele bringen gefühlt kaum Verbesserungen.

An machen Ecken wirkt das Spiel unfertig, denn die 8 Phase trägt den Namen „Nehmt Karten auf und aktiviert Häkchen-Aktionen“. Wieso wird hier nichts Passenderes zum Thema gefunden anstelle Häkchen-Aktionen? Das sind unter anderem die kleinen Punkte wieso das Spiel gut funktioniert und das Thema großartig ist aber trotzdem ein bisschen aufgesetzt wirkt.

Ihr dürft mich nicht falsch verstehen. Das Spielprinzip ist super die Mechanik funktioniert aber als Vielspieler bin ich auch am Gesamtpaket interessiert. Die Punkte die mich an einem Brettspiel interessieren sind Hintergrundgeschichte, Grafik, Material und Mechanik. Wird hier nur ein Punkt, wie Mechanik, mit gut bis sehr gut ausgezeichnet, dann lässt sich einfach nicht in das Chaos von Hong Kong eintauchen und ich werde auch nicht der nächste…. Präsident, Minister von?... oder was wird der Sieger doch gleich?

Blackout Hong Kong Wertung

Bilder vom Spielmaterial

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Tags: Strategie, Handmanagement, 1-4 Spieler, Deckbau, Würfel

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