TEST // Shadows Amsterdam

TEST // Shadows Amsterdam

Verfasst von Michael Tomiak am .

Verbrechen geschehen. Täglich. Die Hunde der Polizei schaffen es meist nicht, dem tierischen Täter auf die Spur zu kommen. Nie. Doch zum Glück gibt es uns, die Ratten, Füchse, Habichte oder einfach gesagt Informanten, die Wiesel, Faultiere, Schildkröten oder einfach gesagt Detektive quer durch die Stadt führen, um genügend Beweise einzusammeln

, damit der Fall endlich wasserdicht abgeschlossen werden kann. Doch es ist Eile geboten, da auch andere den Tätern auf der Spur und Beweise in der Stadt rar gesät sind. Und es ist Vorsicht geboten, da die Cops es gar nicht mögen, wenn wir herumschnüffeln und sie von den Aasgeiern der Presse als Versager dargestellt werden. Wenn sie uns zu oft erwischen, bedeutet dies, dass wir aus dem Spiel genommen sind und andere sich die Lorbeeren einstreichen.

Asmodee hat uns freundlicherweise ein Exemplar „Shadows Amsterdam“ zur Verfügung gestellt, damit wir euch vom heiteren Beweiseeinsammeln im tierischen Amsterdam erzählen können.

Shadows Amsterdam – Ein tierisches Deduktionsrennen

Flink wie ein Wiesel, smart wie ein Fuchs und ahnungslos wie ein Opossum

„Shadows Amsterdam“ verbindet Elemente, die Spieler u.a. aus „Codenames“ und „Mysterium“ kennen und dem Ganzen reichlich Tempo verleihen. Optisch erinnert die Gestaltung stark an den Disney-Film „Zoomania“, worin es nicht zu Letzt darum geht, dass Fuchs und Hase in einer Großstadt Hinweise sammeln und Verbrecher jagen. Im Spiel ab 4 Spielern werden 2 Teams gebildet, die jeweils aus einem Informanten und bis zu 3 Detektiven bestehen. Theoretisch wäre es sicherlich möglich, mit mehr als 8 Spielern zu spielen, allerdings wird die Sicht auf den Spielplan mit noch mehr Spielern irgendwann so eingeengt, dass die maximale Anzahl von 8 Spielern durchaus Sinn macht. Bei weniger als 4 Mitspielern ist es auch möglich mit nur einem Team zu spielen, dies dann gegen die Zeit. Zu diesem Zweck gibt es eine eigene „Shadows Amsterdam“-App, die neben dem Anzeigen der Zeituhr auch noch einen passenden Soundtrack abspielt.

Um das Spiel zu gewinnen, muss jedes Team zunächst 3 Beweise finden, um diese dann im letzten Schritt an den Hinweisgeber weiterzugeben. Die Beweise sind zum Teil exklusiv für ein Team, während andere für beide Teams verfügbar sind. Dabei gilt, wer zuerst kommt sackt ein und raubt diesen Beweis dem anderen Team. Zu Beginn werden die Detektive mittels Miniaturen in der Mitte des Feldes platziert und anschließend geht es los mit der Jagd, bei der beide Teams ihr jeweils eigenes Tempo vorlegen können und nicht auf Aktionen des gegnerischen Teams warten müssen. Von Faultier-Taktik bis hin zu Eichhörnchen auf Koffein ist alles möglich. Der Fundort der Beweise und der Standort des Informanten werden auf Stadtplan-Karten angezeigt, genauso wie die Orte, an denen sich die Polizei befindet. Einzusehen ist dieser Stadtplan nur von den Informanten, bei denen die Karte hinter einem Sichtschirm platziert ist.

Shadows Amsterdam – Ein tierisches Deduktionsrennen

Gelenkt werden die Detektive vom Informanten mittels Hinweiskarten. Wie bei „Mysterium“ gilt es dabei, Karten an die Detektive zu übergeben, an Hand deren Inhalt diese dann erraten müssen, auf welches Feld sie sich bewegen sollen. Eine Karte bedeutet dabei, dass das Zielfeld 1 Feld entfernt ist, bei zwei Karten befindet sich das gesuchte Ziel 2 Felder entfernt. Das Gemeine an der Sache ist, dass der Informant außer der einen bzw. der zwei Karten keinen weiteren Hinweis geben darf. Kein Augenzwinkern, kein Husten, gar nichts. Nicht mal der Hauch einer Gefühlsregung ist erlaubt. Dadurch gehört die Auswahl der passenden Karte(n), aus dem ausliegenden Pool an verfügbaren 10 Karten zu einer wohlüberlegten Sache. Allerdings sollte nicht zu lange gewartet werden, da das andere Team möglicherweise dem gleichen Hinweis auf der Spur ist und den Beweis vor der Nase wegschnappt. Eine überhastete Auswahl ist aber auch nicht gut, da es tunlichst vermieden werden sollte, die Detektive auf ein Polizeifeld zu schicken. Nach dem 3. Aufeinandertreffen mit der Polizei gewinnt das gegnerische Team automatisch.

Shadows Amsterdam – Ein tierisches Deduktionsrennen

Sieht es nicht wunderbar aus?

Die Größe des Kartons ist angepasst an den Inhalt und bringt alles bestens unter, ohne dabei zu verschwenderisch mit Platz zu sein. Die Zeichnungen rund um die Verpackung und den Inhalt sind erstklassig gelungen und es macht Spaß, sich die einzelnen Motive anzusehen. Zu sehen sind diese vor allem auf den 7 doppelseitig bedruckten Bezirkskarten mit jeweils 5 Motiven und den 84 Hinweis-Bildkarten. Die Karten wurden aus einem dünnen Karton gefertigt, der einen recht stabilen Eindruck macht. Aus selbigem Material sind auch die beiden Sichtschirme und die 40 Stadtplan-Karten. Aufgebaut wird die Stadt rund um 1 Zentrumsteil und 3 Hindernisse, die aus stabiler Pappe gefertigt sind. Des Weiteren finden sich in der Schachtel noch 6 Beweismarker, 2 Polizeileisten und 5 Polizeimarker aus fester Pappe, 2 Teammarker aus Holz sowie 2 Detektivminiaturen aus festem Plastik. Die Anleitung ist gut gegliedert und bietet einen problemlosen und schnellen Einstieg ins Spiel.


Shadows Amsterdam – Ein tierisches Deduktionsrennen

Optisch hat mich „Shadows Amsterdam“ direkt angesprochen. Der Grafikstil, bei dem ich sofort an „Zoomania“ denken musste, machte mich neugierig, was durch die interessant und rasant wirkende Spielmechanik noch weiter befeuert wurde. Die Anleitung war schnell verinnerlicht und das Spiel ebenso aufgebaut. Es konnte also los gehen mit den Nachwuchsdetektiven auf der Jagd nach Beweisen. Der Informant übergab die erste Karte und schon war klar…das hatte ich mir etwas anders vorgestellt. Der Umstand, dass es genau eine Karte als Hinweis geben darf und ansonsten keinerlei weiteren Schubs in die richtige Richtung, macht das Suchen nach dem richtigen Feld zu einem Lotteriespiel. Ist es die Farbe, die uns zu diesem Feld leiten soll? Oder kann es sein, dass es zwei Personen in einem Konflikt sind, auf die angespielt wurde? Aber auf dem Bild ist doch ein Vertrag zu sehen und auf dem anderen wird gerade vielleicht etwas unterschrieben? Oder kann es sein, dass die Gemälde im Hintergrund der Hinweis sind? Ja, genau! Alles könnte richtig sein, aber natürlich ist nur eines der gedachte Weg, um die Detektive durch die Stadt zu lotsen.

Nun ist es sicherlich nicht ganz so tragisch, wenn eine falsche Wahl dazu führt, dass sich der Weg zum Zielfeld etwas verlängert. Ärgerlich wird es aber, wenn die Detektive sich deswegen erneut auf ein Polizeifeld bewegen und das andere Team dadurch gewinnt. Tatsächlich wurde beim Spiel in unserer Runde weniger der Sieger ermittelt, als vielmehr der Verlierer gesucht, da die Spiele durch den 3. Polizeimarker entschieden wurden. So gut die Grundidee des Spiels auch sein mag, so wenig zufriedenstellend stellt sich am Ende die fehlende Interaktion zwischen dem Informanten und den Detektiven heraus. Als Informant muss man tatenlos zuhören, wenn die Detektive sich immer weiter von der Lösung entfernen, während man als Geist bei „Mysterium“ zumindest noch die Möglichkeit hat, durch weitere Karten lenkend einzugreifen.

In meiner Spielrunde konnte das Spiel dadurch kaum punkten. Die Mischung aus Hektik durch das Rennen gegen das andere Team und die gleichzeitige Hilflosigkeit, wenn sich die Detektive bereits in der internen Diskussion in ganz andere Richtungen bewegten und aufgrund eines nicht erwarteten Denkansatzes zielgerichtet der Polizei in die Arme rannten, konnte durch die wunderbare Gestaltung der Karten nicht aufgefangen werden. Natürlich könnte teamintern vorab ein fester Code vereinbart werden, nachdem die Karte ausgewertet werden soll, doch wäre dies für ein eher heiteres Spiel schon eine viel zu ernste und verbissene Herangehensweise. Bei mir hat das Spiel von daher leider keine allzu große Aussicht, noch oft auf den Tisch zu kommen. Die Chance, die Mitspieler auf das richtige Feld zu bringen, gleicht fast dem Ausfüllen eines 1 aus 6, bzw. 2 aus 13 Lotteriescheins. Und Lotto spielen hat mich noch nie sonderlich interessiert.

Shadows Amsterdam – Ein tierisches Deduktionsrennen

Bilder zum Spiel

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