Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

Geschrieben von Daniel Krause.

Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

2017 ist Anachrony bereits erschienen. Das Spiel vom Autorenteam Richard Amann, Viktor Peter und Dávid Turczi ist dabei alles, nur kein spielerisches Leichtgewicht. Wer gerne komplexere Spiele mag, für den ist Anachrony wirklich ein Pflichtprogramm – warum das so ist, erklären wir im Artikel.

Darum geht es im Spiel

Wir schreiben das 26 Jahrhundert und von der Erdbevölkerung ist nur noch ein Bruchteil übrig. Es gab eine geheimnisvolle gewaltige Explosion, die fast die ganze Menschheit von der Erde getilgt hat. Ein Großteil der Erde ist unbewohnbar. Die Menschen leben unter der Erde und können nur mit Hilfe spezieller Exosuits, die Erdoberfläche betreten. Die Überlebenden haben sich in vier radikale Gruppen aufgeteilt, die auch die Pfade genannt werden.

Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

Viele Jahre nach der Katastrophe fanden Forscher die Substanz „Neutronium“. Sie erforschten sie und fanden heraus, dass es Zeitrisse erzeugt. Die als „Läuterung“ bezeichnete Explosion war die Folge des ersten Zeitrisses, den es auf der Erde gab. Der wurde von einem Astroid voller „Neutronium“ ausgelöst und schlug per Zeitriss in der Vergangenheit ein. Somit wissen die Überlebenden nun, dass schon bald der Astroid einschlagen wird. Die vier Pfade wollen beweisen, dass ihr Weg der einzig richtige ist und bereiten sich fieberhaft auf die drohende Bedrohung vor.

Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

Vorbereitung

Es gibt einen zentralen Spielplan, der in die Tischmitte gelegt wird. Die Metall- und Wassermarker werden darauf platziert. Arbeiter, Energie-, Errungenschafts-, Sigpunkt- und Paradox-Marker werden rund herum platziert. Ebenfalls Bergbau- und Rekrutierungs-Karten, Gebäude, Anomalien, Spielzielkarten und Würfel. Als letztes werden noch Zeitpfeile ausgelegt und über jeden Zeitpfeil ein Superprojekt (verdeckt). Nun erhält jeder Spieler noch ein Spielertableau eines „Pfades“ und zusätzlich ein Pfad-Tableau. Darauf platziert er einen der verfügbaren Anführer. Auf dem Pfadtableau steht auch die Anzahl von Arbeitern (erschöpft und verfügbar) sowie die Startrohstoffe, die sich genommen werden dürfen. Außerdem erhalten die Spieler noch Warp-Plättchen, Exosuits, Pfadmarker, ein Spielerbanner und einen Moral- und Zeitreise-Marker. Das getestete und fotografierte Spiel ist ohne Plastik-Miniaturen, die optional dazu gekauft werden können, spielerisch jedoch keine Auswirkung haben.

Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

So funktioniert das Spiel

Das Spiel dauert maximal sieben Epochen. Jede Epoche besteht aus sechs Phasen, die nach einer kurzen Zeit recht eingängig sind.

Vorbereiten

In dieser Phase wird das aktuelle Superprojekt aufgedeckt, die Gebäudestapel werden angepasst und anhand der Arbeiter- und Rohstoffkarten werden die Vorräte auf dem Spielplan nachgefüllt.

Paradoxe

Nun wird für jeden in der Vergangenheit gelegen Zeitpfeil geschaut, welcher Pfad am meisten Warp Plättchen liegen hat. Dieser Spieler würfelt den Paradoxwürfel und nimmt die entsprechende Anzahl von Paradoxa um sie auf seinem Spielertableau abzulegen. Hat er drei Paradoxa gesammelt, nimmt er eine Anomalie, die dann einen Bauplatz auf dem Spieltableau blockiert.

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Aufladen

In dieser Phase entscheiden die Spieler wie viele Exosuits aufgeladen werden sollen. Drei können ohne Energiekosten aufgeladen werden. Die drei weiteren kosten jeweils eine Energie. Jede nicht genommene Exosuit bringt dem Spieler ein Wasser, was in einer Endzeitwelt durchaus von Bedeutung ist.

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Warp-Phase

Nun kann jeder Spieler bis zu zwei seiner verfügbaren Warp-Plättchen aussuchen. Diese werden auf den aktuellen Zeitpfeil ausgelegt und die gewählten Waren werden sofort aus der Zukunft geliefert.

Aktionen

Die Hauptzeit des Spiels verbringen die Spieler in diese Phase. Denn nun kann wie bei einem Workerplacement-Spiel geschaut werden, welche Aktionen die Spieler wählen. Dabei gilt es frei Aktionen von vollen Aktionen zu unterscheiden. Freie Aktionen können beliebig viel und in beliebiger Reihenfolge gespielt werden. Sie werden mit den Pfadmarkern nachgehalten. Aktionen mit Arbeitern dürfen nur einmal pro Runde gespielt werden. Arbeiter die auf dem Spielfeld – also der Erdoberfläche - platziert werden sollen, müssen eine Exosuit haben. Arbeiter, die in eigenen Gebäuden arbeiten hingegen nicht.

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Auf der Erdoberfläche können neue Mitarbeiter angeworben werden. Das sind Forscher, Ingenieure, Administratoren und Genies, die einfach alles können. Es können Rohstoffe gewonnen, es kann Forschung betrieben und Gebäude gebaut werden. Zudem kann Wasser gewonnen werden, oder es wird reger Tausch von Waren betrieben.

In den eigenen errichteten Gebäuden hingegen, werden ganz unterschiedliche Möglichkeiten angeboten. Wichtig ist es zum Beispiel Kraftwerke zu errichten, die Zeitreisen ermöglichen. Nur wer diese Fähigkeit hat, kann in der Vergangenheit befindliche Superprojekte errichten. Was noch fast wichtiger ist, ist es das Zeit-Raum Gefüge zu glätten, indem die Waren, die in der Vergangenheit aus der Zukunft geliefert wurden, auch wirklich aus der Zukunft in die Vergangenheit zu senden. Das wird mit sehr vielen Punkten belohnt.

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Ende des Spiels

Das Ende des Spiels wird mit dem Einschlag eingeläutet. Danach werden noch maximal drei Runden gespielt. Die Auswirkungen des Einschlags lassen nicht lange auf sich warten. Die Anzahl verfügbarer Exosuits wird auf vier reduziert. Zudem erhalten die Hauptaktionen auf der Erdoberfläche Einsturzplättchen. Wer auf ein entsprechendes Feld geht, bekommt einen Bonus, danach ist das Feld jedoch nicht mehr verfügbar. Sind alle Plättchen umgedreht, endet das Spiel. Es gibt noch eine Schlusswertung, dann ist das Spiel zu Ende und der erfolgreiche Pfad hat sich durchgesetzt.

Fazit

Wie viele Spiele hatte ich im letzten Jahr schon auf dem Tisch. Doch keines hat mich dermaßen überzeugen können wie Anachrony. Vor Monaten bestellt und lange auf die Lieferung gewartet. Zeitweise spielte ich schon mit dem Gedanken es wieder abzubestellen . Die Bilder mit den klobigen Plastikminiaturen die auf dem Spielfeld standen, sind nicht wirklich „sexy“. Das Spiel hat eine etwas schwer zu vermittelnde Story, selbst für einen Fan von Scifi-Abenteuern. Die Optik der Verpackung sagt nur wenig über das Spiel aus und ist im besten Fall als „langweilig“ zu bezeichnen. Zusammen genommen also alles gute Gründe, warum das Spiel gar nicht so sein könnte.

Abgehalten vom (fatalen) Exit durch Abbestellung haben mich die sehr guten Reviews des Spiels. Ich dachte mir, wenn ein Spiel so gute Bewertungen erhält, komplex ist und als Service auch noch in deutscher Sprache verfügbar ist, dann muss etwas am Spiel sein. Dennoch waren die Erwartungen nicht ganz so hoch.

Als ich das Spiel dann das erste Mal solo auf dem Tisch hatte um mir die Regeln zu merken, bemerkte ich wie toll alles ineinandergreift. Es ist alles perfekt abgestimmt und nach kurzer Zeit selbsterklärend. Für die Gebäude und Superprojekte sollte man immer die Anleitung parat halten, doch die ist übersichtlich genug, dass man ganz schnell findet, was man sucht. Mir ist es dabei passiert, dass mich das Spiel selbst im unbeliebten Solo-Modus eingefangen hat. Das Spielen gegen eine Würfel gesteuerte „Intelligenz“ machte tatsächlich Spaß und ich entwickelte einen gesunden Ehrgeiz, um das Spiel gewinnen zu können. Das habe ich natürlich nicht, weil ich ein paar Endbedingungsaspekte aus dem Blick verloren habe. Am nächsten Tag versuchte ich es erneut und es sah schon besser aus.

Test: Anachrony – ein paradox gutes Spiel

In der Gruppe entfaltet das Spiel dann seine ganze Pracht und hier sind auch Solo-Partien tatsächlich hilfreich um sich besser zurecht zu finden. Richtig toll sind die Unterschiede der Pfade. Die Anführer und ihre Aktionen sind mächtig und bieten gänzlich unterschiedliche Stärken. Die gilt es dann auch zu nutzen, denn die Endbedingungen sind pro Pfad ebenfalls eklatant unterschiedlich.

Ebenfalls motivierend ist der Spannungsbogen. Das Spiel läuft nicht die ganze Zeit nach dem selben Schema ab, sondern verändert sich nach dem Einschlag. Die Spieler müssen sich auf die Katastrophe vorbereiten um dnach dann schnellst möglich zu evakuieren.

Das Spiel bietet durch die eizelnen Pfade, verschiedenen Zielkarten, verschiedene taktische Möglichkeiten, eine enorme Vielfalt an Möglichkeiten. Dabei wirkt das Spiel trotz ordentlicher Komplexität nie wie Arbeit. Es macht Spaß und es gibt meistens eine alternative Möglichkeit weiter zu kommen, wenn ein Mitspieler etwas blockiert hat.

Wie schon im Eingang des Fazits geschrieben, hatte ich schon lange nicht mehr ein so gutes komplexes Spiel auf dem Tisch. Andere Kandidaten aus 2017 wirkten dagegen oft wie Arbeit und motivierten mich persönlich kaum es noch ein paarmal zu spielen. Hier passt aus meiner Sicht einfach alles zusammen und Vielspieler müssen sich das Spiel einfach anschauen.

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